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Einwanderer: Er brachte den Engelburger Hobbyköchen Fish and Chips

Karen und Derrick Kerley haben ihre Heimat verlassen, weil sie die Welt sehen wollten. Nun wohnen sie seit fast 30 Jahren in Engelburg. Längst gehören sie zum Dorf, vermissen aber auch einige Dinge.
Adrian Lemmenmeier
«Wir wanderten aus, weil wir wollten – nicht, weil wir mussten.» Derrick und Karen Kerley mit ihren drei Hunden. (Bild: Michel Canonica)

«Wir wanderten aus, weil wir wollten – nicht, weil wir mussten.» Derrick und Karen Kerley mit ihren drei Hunden. (Bild: Michel Canonica)

«In Engelburg sind wir von Anfang an herzlich aufgenommen worden», sagt Karen Kerley. Sie sitzt mit ihrem Mann Derrick im Garten ihres Hauses. Drei Hunde streichen über den Sitzplatz, Seerosen schwimmen in einem steinernen Brunnen. Die Kerleys sind in den 1990er-Jahren nach Engelburg gezogen. «Wir haben damals ein Haus gesucht, das behindertengerecht ist», sagt Karen. Denn für Tochter Katrina, die seit Geburt an einer schweren Behinderung litt, war der Schulweg ins Kronbühl-Heim davor zu umständlich.

Doch der Umzug nach Engelburg war nur die letzte Etappe auf der Reise von Derrick und Karen Kerley. Eine Reise, die in den 1980er-Jahren in Südengland begann.

Fernweh führt nach Herisau

«Für uns beide war schon früh klar, dass wir im Ausland leben wollten», sagt Karen Kerley. Das junge Paar wollte die Welt entdecken, Neues kennen lernen. «Als Hochfrequenzingenieur hatte ich gute Möglichkeiten, ausserhalb Englands zu arbeiten», sagt Derrick. Und so wanderten die Kerleys 1983 aus. Zuerst nach Backnang bei Stuttgart, wo Derrick als Ingenieur arbeitete und beide Deutsch lernten. «Vom Nordufer des Bodensees haben wir einmal auf das Alpsteinmassiv geschaut», sagt Derrick. «Da haben wir gewusst: Da wollen wir einmal hin.» Daraufhin bewarb sich Derrick beim Elektrotechnik-Hersteller Huber und Suhner in Herisau. Prompt erhielt er eine Zusage und die Kerleys zogen in die Schweiz.

In Herisau kamen Tochter Katrina und zwei Jahre später Sohn Michael zur Welt. Die junge Familie zog in ein altes Bauernhaus zwischen Degersheim und Flawil. Doch die Wohnlage erwies sich als umständlich. «Katrina war im Rollstuhl, wir mussten sie oft die Treppen hoch tragen», erzählt Derrick. «Das war allein wegen der niedrigen Decken schwierig.» Dazu kamen weite Schulwege für die Kinder.

Die Kerleys suchten daraufhin ein neues Haus. In Engelburg wurden sie fündig. Hier sei man ihnen immer offen und freundschaftlich begegnet, sagt Karen. In den Händen dreht sie ein Familienfoto aus den 1990er Jahren. Sohn Michael geht mittlerweile gegen die 30. Tochter Katrina ist im zehnten Lebensjahr verstorben.

Spielgruppe und Sprachprüfung

Im neuen Jahrtausend richteten sich die Kerleys beruflich neu aus. Zuerst gründeten sie eine englischsprachige Spielgruppe, später die Firma Cambridge English Languages GmbH. Diese führt Englisch-Diplom-Prüfungen durch, in Partnerschaft mit der Cambridge-Universität und anderen Bildungsinstitutionen. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile sechs Vollzeit- und 110 Teilzeitangestellte.

Die Kerleys wohnen seit 35 Jahren im Ausland. Es gebe schon Dinge, die sie vermissten, sagt Derrick.

«Vor allem das spontane Vorbeischauen bei Freunden, gibt es in der Schweiz nicht wirklich.»

Isoliert fühlten sich die Kerleys hier aber nie. «Wir haben schnell gemerkt, wie wichtig es ist, Deutsch zu sprechen», sagt der 63-Jährige, der auch ganz gut Schweizerdeutsch spricht. «Auch nehmen wir am Dorfleben Teil.» So ist Derrick Mitglied des Vereins «Hobby-Chöch» Engelburg.

«Die machen mittlerweile sogar Fish and Chips».

Für Karen ist klar: «Wir gehören zu Engelburg – und Engelburg gehört zu uns.» An der Bürgerversammlung nehmen die beiden, die seit zehn Jahren auch einen Schweizer Pass haben, zwar nicht teil. «Aber wir stimmen natürlich ab», sagt Derrick.

Ernsthaft überlegt, nach England zurückzukehren, haben sich die Kerleys nie. «Wir gehen ab und zu unsere Familien besuchen, aber eigentlich kommen die Leute lieber zu uns.», sagt Karen. Ihr Blick schweift über den Gartenzaun zum Waldrand. «Sehen Sie sich doch um. Hier ist es wie in den Ferien.»

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