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«Ich habe ein Feuer für den Werkstoff Glas» - Vorarlberger Glaskünstler mit Nähe zur Schweiz

Im benachbarten Bregenz lebt Patrick Roth. Der 42-jährige Vorarlberger bearbeitet Glas. Er schleift es, er graviert es, doch vor allem formt er es. Und schafft Glaskunstobjekte.
Christina Vaccaro

Es ist transparent, kann aber je nach Beimischung verschiedener Metalloxide grün, gelb oder rot sein. Quarzsand ist sein Hauptbestandteil, dazu Soda und Pottasche. In seinem Wesen ist es formlos und bewegt sich irgendwo zwischen fest und flüssig.

Das Material Glas hat Patrick Roth von Geburt an geprägt. An der tschechischen Grenze in der nördlichen Oberpfalz wuchs der heute 42-Jährige direkt neben einer Glashütte auf – einer Glasfabrik, die Trinkgläser, Vasen, Schalen, Karaffen und andere Gebrauchsgläser fertigte. Zwischen Faszination und Alltäglichkeit des Werkstoffs wollte der junge Bayer aus der klassischen Glas-Gegend zunächst Goldschmied werden. Eine Nickelallergie führte Roth aber zurück zum durchsichtigen Stoff: «Ich habe Glas tagtäglich gesehen und während der Schulferien immer mal wieder mit Glas gearbeitet. Gepackt hat es mich dann in meiner Ausbildung zum Hohlglasfeinschleifer. Ich habe gesehen, was alles mit diesem Material möglich ist.»

Ins Ländle luaga

Egal, ob Restaurant, Freizeitpark, Konzerthalle oder Einkaufszentrum – wo immer man sich im nahen Vorarlberg aufhält, auf den Parkplätzen sind zahlreiche Autos mit St.Galler Kennzeichnen auszumachen. Auch Menschen aus der Region Rorschach sind regelmässig ennet der Grenze anzutreffen. Die «Tagblatt»-Redaktion Rorschach trägt diesem Umstand Rechnung und berichtet in unregelmässigen Abständen aus dem Ländle. (rtl)

Dass der damals 21-Jährige später nicht einfach nur gewöhnliche Gebrauchsgläser herstellen würde, stand ausser Frage, denn eine gewisse Kreativität war Roth schon von Kindesbeinen an gegeben. «Ich habe schon immer viel gezeichnet und gemalt, aus Holzklötzchen seltsame Dinge gebaut», sagt der Glaskünstler und schmunzelt. Roth bezeichnet sich aber selbst nach mehreren Dutzend Ausstellungen und verkauften Glasobjekten nicht gerne als Künstler:

«Ob ich ein Künstler bin, kann ich nicht beurteilen, das müssen andere definieren.»

Nach der dreijährigen Berufsausbildung an der Glasfachschule arbeitete Roth zunächst als Glasveredler und kam erstmals in Kontakt mit anerkannten Künstlern. Nach fünf Jahren wollte er sich selbst weiterentwickeln und sah sich vor der Weggabelung zwischen dem Industrie- und dem Handwerksmeister. Er entschloss sich für Ersteres: «Für meine Zukunft schien es mir sinnvoller, den Industriemeister zu machen, um ein breiteres Spektrum der Glaschemie kennenzulernen. Im Hinterkopf hatte ich aber bereits immer die Idee, einmal mehr aus Glas zu machen.»

Keine Zeit, das Geld auszugeben

Es sollten noch einige Jahre vergehen, bis sein Traum wahr werden sollte. Nach dem Erwerb seines Meisterbriefes wechselte Roth zunächst in die Glasindustrie und wurde Abteilungsleiter in der Glas-Nachbereitung. Er war ein Jahr lang beschäftigt, als er kündigte: «Nach diesem einen Jahr wusste ich, was ich nie wieder in meinem Leben machen möchte.» Durch die Dauerbereitschaft arbeitete Roth gut und gerne vierzehn und mehr Stunden am Tag, da immer wieder Maschinen nicht funktionierten und der Glasfachmann mehrmals nach Arbeitsende in die Firma zurückfahren musste.

«Ich habe relativ gutes Geld verdient, aber ich hatte keine Zeit, es auszugeben, sagt Roth über seine ersten Erfahrungen in der Glasindustrie. Vor inzwischen 13 Jahren lief Roth auf einer Messe dem Glasverlag J.&L. Lobmeyr über den Weg, erhielt prompt eine Einladung zur Probearbeit nach Wien und wurde Werkstattleiter im angesehenen Handelshaus. «Lobmeyr war für mich als Glasveredler nicht mehr zu überbieten – das Glashaus stellt seit 1823 hochwertiges Kristallglas her», sagt Roth.

Das Wissen und die Leidenschaft weitergeben

Doch nur zwei Jahre später, auf einem Glasgravursymposium in Tschechien, kam der Industriemeister erneut ins Gespräch, diesmal mit einer Lehrerin einer Glasfachschule. Roth reizte es, «dieses Feuer, das ich für den Werkstoff Glas einfach habe, jungen Menschen weiterzugeben, und mich stärker selbstverwirklichen zu können.» Die Glasfachschule habe einen «Maschinenpark» – ein Bearbeitungsspektrum für Glas –, den keine Firma der Welt besitze, sagt Roth. Ob Heiss- oder Kaltbearbeitung, Schliff, Gravur, Ätzung, und so weiter – alles sei da. Die nächste Kündigung folgte, Wien wurde verlassen und Roth noch 2009 verbeamtet. «Ich hatte den sichersten Job der Welt», sagt Roth.

Sieben Jahre unterrichtete der Industriemeister an der Glasfachschule. Der Anreiz, das Feuer an seine Schüler weiterzugeben, erlosch jedoch bald. Die Lehrtätigkeit erfüllte Roth nicht, denn nur wenige Schüler zeigten sich empfänglich für Roths Feuer. Der Knackpunkt sei dann im Sommer 2014 gekommen, als Roths Vater verstarb. Er sagt:

«Da habe ich wirklich gemerkt, dass ich nur einmal lebe und nicht sagen kann, dass ich etwas später mache.»

Der Glasfachlehrer kündigte noch im selben Jahr, gab der Schule aber noch zwei Jahre Zeit, einen Nachfolger zu finden, und verliess diese dann vor drei Jahren.

Hohe Lebensqualität und reichlich Kundschaft

So gelangte Roth schliesslich nach Bregenz. Bregenz aus verschiedenen Gründen: Zunächst sei es einfach eine sehr schöne Gegend und die Lebensqualität spiele natürlich eine Rolle, gerade wenn man kreativ arbeite, so der Künstler. Zum anderen war die Überlegung, wo man am besten vom sicheren Beamtentum ins abenteuerliche Freischaffende gehe. Roth sagt:

«Glasobjekte sind nicht ganz günstig. Alleine die Produktion – zwei Wochen im elf Kilowatt Ofen bei rund 900 Grad Celsius – das kostet. Doch in Bregenz gibt es die Festspiele, die Schweiz und Liechtenstein sind sehr nahe. Es ist ein guter Standort.»

Mittlerweile sind auch Galerien in den USA und Australien auf ihn aufmerksam geworden. Neben seinem Engagement als Vorstand der Glaskünstlervereinigung Glasheimat Bayern werden seine nächsten Aktivitäten das Glasfestival in Luxemburg, sowie eine internationale Glasausstellung in Tschechien sein, wo Roth seine Werkserie «same difference» präsentieren wird. Natürlich zieht es Patrick Roth auch in die Schweiz, mit einer Galerie in Zürich steht er seit längerem in Kontakt. Man darf gespannt sein.

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