Vom «Eiszauber» besetzt: Nutzung öffentlicher Räume in St.Gallen ist umstritten

Die einen sehen es als Mehrwert für Stadt und Tourismus, andere sprechen von Verschandelung oder massiven Eingriffen – wie im Fall des «Eiszaubers» auf der Kreuzbleiche in St.Gallen.

Jonas Manser
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Öffentliche Räume stehen allen zur Verfügung, wenn sie nicht von den verschiedensten Veranstaltungen beansprucht werden: Partys im Waaghaus, die NAZ-Hütte auf dem Bärenplatz, Public-Viewing auf dem Blumenmarkt, Open-Air-Kino vor der Kantonsschule, Konzerte auf Drei Weieren oder Gartenbeizen und Strassencafés.

In diesem Jahr kommt nun ein weiterer Grossanlass hinzu: die weihnachtlich-winterliche Erlebnislandschaft «Eiszauber». Zugänglich nur für die zahlende Kundschaft. Stellen solche Anlässe einen Mehrwert für die Bewohner dar oder werden die öffentliche Räume für private, kommerzielle Zwecke missbraucht?

Kritik am «Eiszauber»

Noch bevor die ersten Kufen über das Eisfeld gleiten, stösst der «Eiszauber» bereits auf Widerstand. So bezeichnet SP-Präsident Peter Olibet in seinem Vorstoss den Anlass als «einen massiven Eingriff in den öffentlichen Raum». Olibet sagt auf Anfrage:

«Öffentliche Räume sollen unbedingt gebraucht werden. Aber dieser Fall ist fragwürdig.»
SP-Präsident Peter Olibet.

SP-Präsident Peter Olibet.

Er beanstandet, dass die Quer- und Längsverbindungen auf der Kreuzbleiche nicht mehr benutzbar sind – und dies während dreier Monate. Der Anlass würde ausserdem mit der Eishalle im Lerchenfeld konkurrieren. Gegen Anlässe von privaten Organisatoren auf öffentlichem Raum habe er grundsätzlich nichts einzuwenden, doch scheint ihm dieses Gesuch zu wenig sorgfältig geprüft worden zu sein.

Eine Zusammenarbeit mit den vorhandenen städtischen Angeboten wäre sicher möglich gewesen. «Wenn eine Veranstaltung über einen solch langen Zeitraum den öffentlichen Platz belegt, sollte er wenigstens auch öffentlich zugänglich sein», sagt der SP-Präsident. Der öffentliche Raum werde somit lediglich zur Werbefläche von privaten Organisatoren und deren Sponsoren. Er fragt sich, was die Öffentlichkeit davon habe.

Wiese wird zu Morast

Gespannt erwartet Olibet die Antwort des Stadtrates auf seine Anfrage. Diese werde wohl zurückhaltend ausfallen und den Begriff «Ermöglichungskultur» enthalten. Es sei eine gute Sache, dass viele Anlässe ermöglicht werden. Doch müsse man eben nicht jede kommerzielle Veranstaltung bewilligen, sagt Olibet. Auch die Landschäden, die Grossanlässe wie der «Eiszauber» am Naherholungsgebiet hinterlassen, sind den Anwohnern ein Dorn im Auge. Beim Aufbau des «Eiszaubers» hätten die Fahrzeuge Teile der Wiese zu Morast verwandelt.

Veranstalter müssen Kosten übernehmen «Sollten irgendwelche Schäden entstehen, müssen wir selbstverständlich für diese geradestehen», sagt André Moesch, Geschäftsleiter von FM1-Today, dem Organisator des «Eiszaubers». Dies bestätigt auch Stadträtin Maria Pappa in einem Antwortmail an einen besorgten Anwohner.

In der Bewilligung durch die Stadtpolizei sei enthalten, dass die gesamte genutzte Fläche im angetretenen Zustand wieder der Stadt übergeben werden müsse. Die Kosten für alle Reparaturarbeiten seien vom Veranstalter zu tragen.

Ein Plus für die Stadt

Den Anlass als massiven Eingriff zu bezeichnen empfindet André Moesch als übertrieben: «Der öffentliche Raum ist ja, wie der Begriff schon sagt, für alle da. Und da sollten zwischendurch auch Veranstaltungen wie der ‹Eiszauber› Platz haben.» Die Veranstaltung sei ein vorweihnachtliches Erlebnis für die Familie und auch ein touristisches Plus für St.Gallen.

Bei der Planung habe man Rücksicht auf die übliche Nutzung der Kreuzbleiche genommen. «Das war eine der Bedingungen der Stadt. Die Spazierwege beispielsweise sind auch während des ‹Eiszaubers› offen», sagt Moesch. Was die Emissionen betreffe, so würden diese dezent ausfallen – geringer sogar, als wenn beispielsweise ein Zirkus auf der Kreuzbleiche gastiere, meint Moesch.

Das Argument von Olibet, dass sie mit dem «Eiszauber» direkte Konkurrenz zur städtischen Eishalle darstellten, weist Moesch zurück. Er ist überzeugt, dass Veranstaltungen wie der «Eiszauber» dem Schlittschuhsport mittelfristig sogar nützten. Dadurch würde ein neues Publikum den Spass am Schlittschuhlaufen entdecken.

Kritische Fragen zum «Eiszauber» auf der Kreuzbleiche in St.Gallen

Ein SP-Stadtparlamentarier kritisiert in einem Vorstoss den «Eiszauber» auf der St.Galler Kreuzbleiche als «ökologischen Unsinn» und «massiven Eingriff in den öffentlichen Raum». Auf der Grünfläche laufen derzeit die Aufbauarbeiten für Eisfeld und Eiswege. Eröffnung ist am 29. November.

St.Galler «Eiszauber» rechnet mit 20'000 Besuchern

Geladene Gäste haben am Mittwochabend die ersten Runden auf den Eisfeldern der winterlichen Erlebnislandschaft auf der Kreuzbleiche gezogen. Ab Donnerstag können das alle – fast den ganzen Winter lang.
Seraina Hess