Beim «Haus der Kultur» in Gossau geht's vorwärts

Der Stadt Gossau fehlen die Räumlichkeiten für Musikvereine. Beim Gymnasium Friedberg soll mit dem «Haus der Kultur» Abhilfe geschaffen werden. Nun kommt das Projekt ins Rollen.

Laura Widmer
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Am Standort Friedberg soll das «Haus der Kultur» entstehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Am Standort Friedberg soll das «Haus der Kultur» entstehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Problem ist bekannt: Den Gossauer Musikvereinen fehlt die geeignete Infrastruktur für den Probebetrieb und verschiedene Anlässe. Im Gespräch ist seit Jahren ein «Haus der Kultur», das den Vereinen die benötigten Räumlichkeiten zur Verfügung stellen könnte. Im vergangenen Mai entschied sich der Stadtrat für den Standort Gymnasium Friedberg und teilte mit, dass die Projektorganisation aufgebaut werden solle. Seither hörte man nichts vom Haus der Kultur.

Bald soll es jedoch einen ersten Schritt vorwärtsgehen. «Wir werden demnächst ins Vorprojekt einsteigen», sagt Daniel Lehmann, Präsident des Stiftungsrats des Gymnasiums Friedberg. Weil die Liegenschaft dem Gymnasium gehört, hat der Stiftungsrat die Federführung in diesem Projekt, wie die Stadt Gossau auf Anfrage mitteilt. Personelle Entscheide seien noch keine getroffen worden. Einsitz in der Projektkommission sollen Vertreter aus dem Stiftungsrat des Gymnasiums, von der Schule, der IG Kultur und des Stadtrats nehmen.

Mehrere Standorte wurden geprüft

«Wir streben bereits in dieser Phase eine genaue Kostenplanung an», sagt Daniel Lehmann. Üblich sei im Rahmen eines Vorprojekts eine Abweichung von bis zu 20 Prozent zu den Kosten für das fertiggestellte Projekt. «Wir möchten beim Haus der Kultur eine Abweichung fünf Prozent erreichen», sagt Lehmann. Das will man schaffen, indem die Raumkonzepte detaillierter erstellt werden, als sie normalerweise in dieser Phase der Planung ausfallen. «Das bedeutet einen höheren Aufwand, was länger dauert», sagt Daniel Lehmann.

Noch im Mai des vergangenen Jahres hatte es ausgesehen, als würde der Stadtrat vorwärtsmachen. In seiner Antwort auf die Einfache Anfrage des CVP-Stadtparlamentariers Martin Pfister hatte er mitgeteilt, dass er ein Haus der Kultur am Standort Friedberg für geeignet halte. Der Standort im Feuerwehrdepot, der ebenfalls im Raum stand, wurde mit Verweis auf das «ungenügende Kosten-Nutzen-Verhältnis» als mögliche Alternative abgelehnt.

Zwar sei eine grundsätzliche Machbarkeit der Erweiterung des Feuerwehrdepots Langfeld 2016 festgestellt worden, schrieb der Stadtrat in seiner Antwort, bei einer hauptsächlichen Abendnutzung rentierte sich der Standort aber nicht. Zudem liegt das Depot dezentral – ein Nachteil für Vereinsmitglieder, die auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, insbesondere Kinder und Jugendliche. Ein Projektvorschlag für ein «Haus der Musik» in Arnegg, der vor zwei Jahren von einer Gruppe um Werner Siegenthaler präsentiert wurde, krankte am gleichen Problem.

Konflikt zwischen Feuerwehr und Vereinen

Das Feuerwehrdepot wird zurzeit für Proben genutzt und sorgt für Konflikte zwischen den Vereinen und der Feuerwehr, weil sich die Nutzungszeiten überschneiden. «Das ist für beide Seiten nicht optimal», sagt auch Sandro Contratto von der IG Kultur in Gossau. «Wir wünschen uns, dass es bald vorwärtsgeht.»

Das Gymnasium Friedberg hat andere Voraussetzungen. Im Zentrum von Gossau gelegen, ist die Liegenschaft gut erreichbar. «Aus der Sicht des Stiftungsrates ist das Gymnasium Friedberg die ideale Lösung für alle Beteiligten», sagt Daniel Lehmann. «Die beidseitige Nutzung hat für den Friedberg und die Musikvereine Vorteile.» Am Tag könne die Schule die Räumlichkeiten nutzen, am Abend stünden sie den Musikvereinen zur Verfügung. Auch zusätzliche Synergien kann sich Lehmann vorstellen, etwa wenn es um die Nutzung der Mensa oder zusätzlicher Schulräume geht.

Finanzielle Beteiligung der Stadt noch offen

Im vergangenen Jahr waren 1,5 von 9,2 Millionen Franken Gewinn aus der Stadtkasse und den Stadtwerken in die Kultur geflossen. Der Betrag soll fürs geplante Haus der Kultur auf die Seite gelegt werden. Im Investitionsbudget 2021 sind für das Haus der Kultur 2,8 Millionen Franken aufgeführt. Für die kommenden beiden Jahre ist kein Beitrag aufgeführt.

Mit welchem finanziellen Betrag die Stadt sich am Haus der Kultur beteiligt, ist noch nicht geklärt. Auch eine Nutzungsvereinbarung wird erst zum Thema, wenn das Projekt genauer aufgegleist ist. «Die Beträge sollen sich aber in einem Rahmen bewegen, der für die Stadt üblich ist», sagt Lehmann.

Die Fertigstellung des Vorprojekts zum Haus der Kultur erwartet Daniel Lehmann frühestens in einem Jahr. Trotzdem wolle der Stiftungsrat einen gewissen Druck erzeugen und das Projekt vorwärtstreiben, sagt er. Das Platzproblem für die Musikvereine besteht weiterhin.