Kulturorte in St.Gallen: Von der Lokremise zum Palace

Kaspar und Bettina Surber führten zu St.Galler Schauplätzen des kulturellen Aufbruchs Anfang der 2000er-Jahre.

Marion Loher
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Marion Loher

Die Frohegg im Bleicheli-Quartier war einst ein Lokal für Kleinkunst. Bild: Hannes Thalmann (27. Januar 2002)

Die Frohegg im Bleicheli-Quartier war einst ein Lokal für Kleinkunst. Bild: Hannes Thalmann (27. Januar 2002)

Ein Pärkli mit Bäumen, eine Litfasssäule und rund herum leer stehende Häuser: So sah es im Bleicheli-Quartier aus, bevor die Raiffeisenbank nach der Jahrtausendwende ihren Hauptsitz errichtete. Und in einem dieser leer stehenden Häuser eröffnete Kaspar Surber, damaliger «Saiten»-Redaktor und heutiger Co-Redaktionsleiter der «WOZ», mit Liedermacher und Kabarettist Manuel Stahlberger die Frohegg. «Es war ein Lokal für die Kleinkunst, hier fanden Konzerte und die ersten Poetry-Slams statt», sagte Surber. In der Frohegg seien aber auch viele neue Ideen entstanden, welche die kulturelle Entwicklung der Stadt prägten. Fast ein halbes Jahr «lebte» der Kulturbetrieb, dann wurde das «Frohweg»-Fest gefeiert und das Haus musste der Bank weichen.

Neue Kulturorte 
sind entstanden

Das Bleicheli ist nur einer von mehreren Schauplätzen in der Stadt St. Gallen, wo zu Beginn der 2000er-Jahre ein kultureller Aufbruch stattfand. Neue Kultorte entstanden, gleichzeitig verschwand günstiger Wohnraum in der Innenstadt, wie das Jugendstilhaus bei der St. Leonhardbrücke. Der Sommerspaziergang der städtischen SP vom Dienstagabend führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einigen dieser historischen Plätze. Trotz Ferien war das Interesse gross. Über 100 Personen tauchten mit Kaspar Surber und Kantonsrätin und Nationalratskandidatin Bettina Surber in eine Zeit ein, die von Ab- und Aufbruch geprägt war. «Mich hat diese Zeit dazu bewogen, selber politisch aktiv zu werden», sagte Bettina Surber.

Gut 100 Personen sind zum Spaziergang der SP erschienen. (Bild: Marion Loher)

Gut 100 Personen sind zum Spaziergang der SP erschienen. (Bild: Marion Loher)

Im St. Leonhard-Pärkli, nahe beim Polizeigebäude, blickte sie auf das Jahr 2005 zurück, als über die Revision des Polizeireglements abgestimmt wurde. Höchst umstritten war dabei die Einführung des Wegweisungsartikels. Der Abstimmungskampf war dementsprechend heftig. Vertreter von Linksparteien und der Kultur kämpften gegen Gewerbe und bürgerliche Parteien. «Auch die Polizei mischte sich in den Abstimmungskampf ein», sagte Bettina Surber. Das neue Polizeireglement wurde deutlich angenommen. Heute habe sich das Ganze beruhigt und es werde nicht mehr viel über Sicherheit gesprochen. Die Zahlen bestätigten dies: Während 2011 noch rund 900 Wegweisungen ausgesprochen wurden, waren es 2017 rund 430 Wegweisungen.

Ebenfalls in der Zeit des kulturellen Aufschwungs entstanden ist die Lokremise – und sie war eine weitere Station auf dem Rundgang. 2008 haben die Stimmberechtigten des Kantons einem (Um-)Baukredit von über 20 Millionen Franken zugestimmt, zwei Jahre später wurde das neue Kulturzentrum am Bahnhof eröffnet.

Von der Lokremise
zum Palace

Endlich sei auch eine Kulturstrategie für den Kanton entwickelt worden, sagte Kaspar Surber. Eine, die bis heute andauert. Als Beispiele nannte er die Sanierung des Kunstmuseums, das Klanghaus Toggenburg sowie eine gemeinsam Zentrumsbibliothek. Nur wenige Meter von der Lokremise entfernt – auf dem Areal der heutigen Fachhochschule – standen Anfang der 2000er Jahre ebenfalls alte Häuser, die dem Abbruch geweiht waren. «Darin hatten viele kreative Leute gewohnt, die das Nachtleben prägten», sagte Bettina Surber. In einem habe 2005 erstmals das solidarische Weihnachten stattgefunden. «Daraus ist dann das Solidaritätshaus St. Gallen entstanden.» Der Spaziergang durch fast 20 Jahre kulturelle Stadtgeschichte endete schliesslich im Palace, das sich seit der Eröffnung 2006 zu einem Kultort entwickelt hat. «Aber es bindet auch viel Energie von vielen einzelnen Leuten», sagte Kaspar Surber.