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Vögeln auf der Spur: Ein Maturand erhält eine Auszeichnung für seine Maturaarbeit

Ruben Lippuners Leidenschaft sind Vögel. In seiner Maturaarbeit erforscht er verschiedene Dialekte von Buchfinken. Die Naturwissenschaftliche Gesellschaft und der WWF haben seine Untersuchung ausgezeichnet.
David Grob
Maturand Ruben Lippuner in der biologischen Sammlung der Kantonsschule am Burggraben. In der Hand sein Foschungsobjekt: ein Buchfink. (Bild: Urs Bucher, 9. Mai 2019)

Maturand Ruben Lippuner in der biologischen Sammlung der Kantonsschule am Burggraben. In der Hand sein Foschungsobjekt: ein Buchfink. (Bild: Urs Bucher, 9. Mai 2019)

Ruben Lippuners Leidenschaft spiegelt sich in seinem T-Shirt wieder: Orangene Milane kreisen auf grauem Grund. Er sitzt an einem Tisch vor der Kantonschule am Burggraben, sein Lächeln ist ehrlich und fein, kleine Grübchen zieren die Wange. Vor ihm liegt sein Aufnahmegerät mit Mikrofon, in den Baumwipfeln pfeifen Vögel, und Ruben Lippuner erzählt von seiner Maturaarbeit – detailreich und kompetent.

«Dass Buchfinken in Dialekten zwitschern, weiss man schon seit knapp 50 Jahren. Doch dass sich diese Dialekte bisher kaum verändert haben, wusste man bisher noch nicht.»

Lippuner ist 17, begeistert von Vögeln aller Art, Kantonsschüler an der Kantonsschule am Burggraben im letzten Jahr – und seit Ende April um 500 Franken reicher. Der WWF und die st. gallische Naturwissenschaftliche Gesellschaft prämierten seine Maturaarbeit über den Regenruf der Buchfinken.

Zwitschern in Dialekten

Lippuner vergleicht in seiner Maturaarbeit eigene Forschung mit Ergebnissen einer Untersuchung des amerikanischen Ornithologen Luis Baptista aus den Jahren 1972 und 1973. Dieser erforschte den Regenruf der Buchfinken auf dem Bodanrücken im Norden von Konstanz und stellte verschiedene regionale Ausprägungen fest.

Acht Mal ist Lippuner an den Bodensee gereist und ist während knapp 70 Stunden durch die Landschaft gewandert, auf der Suche nach Buchfinken und ausgestattet mit einem Aufnahmegerät und Richtstrahlmikrofon. Eine bisweilen frustrierende Arbeit, wie Lippuner erzählt. Besonders dann, wenn ein Buchfink zu zwitschern begann, das Aufnahmegerät aber noch nicht lief – und der Vogel genau dann aufhörte, als es endlich aufnahm.

Ein Buchfink in Schweizersholz im Thurgau. (Bild: Nana do Carmo, 27. November 2004)

Ein Buchfink in Schweizersholz im Thurgau. (Bild: Nana do Carmo, 27. November 2004)

Lippuner stellte die Aufnahmen visuell in einem sogenannten Sonagramm dar und verglich die Kurven mit den Diagrammen, die Baptista in den 1970er-Jahren erstellt hat. «Ich habe gleich gearbeitet wie Baptista. Nur moderner», sagt Lippuner. Sein Vorgänger habe das Gezwitscher jeweils analog aufgenommen und die Kurven mit einer alten Apparatur dargestellt.

Die Zwitscherdialekte haben sich seither kaum verändert, allenfalls sind leichte Verschiebungen feststellbar. Und doch: eine frappante Veränderung hat Lippuner festgestellt.

«Auf der Insel Mainau hat der Dialekt komplett gewechselt.»

Eine Brücke mit zwei Landzungen vermutet er als Ursache. Dadurch sei die Isolation der Vögel durchbrochen worden.

Die Preisverleihung wegen Vögeln verpasst

An der Preisverleihung des WWF und der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft konnte Lippuner nicht teilnehmen. Warum? Klar: Vögel. Lippuner war mit der Jugendgruppe Natrix auf einer einwöchigen Vogel-Reise in Polen. «Ich habe von meinem Sieg erfahren, als wir von einer Exkursion zurückgekommen sind. Wir haben Eulen beobachtet», erzählt er. Schade sei es schon, dass er nicht an der Preisverleihung teilnehmen konnte. Die 500 Franken Siegesprämie möchte Lippuner in seine Leidenschaft investieren. Ein neues, besseres Aufnahmegerät soll’s werden. Denn er möchte seine Arbeit fortführen. «Wegen meiner Maturaarbeit interessiere ich mich noch stärker für Vogelstimmen.»

In die Wiege gelegt

Die Wahl des Themas ist kein Zufall, die Begeisterung für Vögel liegt in der Familie. Auch seine Grossmutter und sein Vater sind vogelbegeistert. Am meisten fasziniert Lippuner die Flugfähigkeit von Vögeln. «Die Vogelfamilie der Segler etwa kann ihr ganzes Leben in der Luft verbringen. Sie landen nur, um zu brüten.»

Kaum erstaunlich, dass Lippuner seine Leidenschaft zum Beruf machen möchte. Er möchte nach bestandener Matura Biologie an der Universität Zürich studieren und danach in die Vogelforschung arbeiten. «Vielleicht», schränkt er ein, «denn die Stellen für Ornithologen sind beschränkt.»

Seine Leidenschaft treibt Lippuner an. Gleich nach dem Gespräch muss er weiter. Denn im Aargau wurde eine Vogelart zum ersten Mal in der Schweiz gesichtet. Eine kleine Sensation, denn der Kleine Gelbschenkel ist eigentlich in Nordamerika heimisch. «Wahrscheinlich hat er sich verflogen oder wurde vom Wind abgetrieben», sagt Lippuner. Er müsse nun den 14.25-Zug in Richtung Zürich erwischen.

«Hoffentlich ist der Kleine Gelbschenkel noch dort.»

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