St.Galler Designerin zeigt ihre Kreationen an der Fashion Week

Die St.Gallerin Janine Grubenmann will einen Gegenpol zur schnelllebigen Modeindustrie setzen und designt unter eigenem Label. In wenigen Wochen zeigt sie ihre Kollektion an der Vancouver Fashion Week.

Seraina Hess
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Janine Grubenmann designt in ihrem Atelier Slow Fashion. (Bild: Mareycke Frehner)

Janine Grubenmann designt in ihrem Atelier Slow Fashion. (Bild: Mareycke Frehner)

Zeichnungen von Frauenkörpern schmücken die Wände des Zimmers. Es sind Entwürfe, die auch an einem der Kleiderständer in Janine Grubenmanns Atelier hängen – bestenfalls sogar im Kleiderschrank einer Kundin. Die St. Gallerin designt seit drei Jahren Mode für ihr eigenes Label, derzeit in einem Büro ihres Elternhauses in Appenzell. Weil mehrere Mieter im Co-Working-Space in St. Gallen gekündigt hatten, wurde ihr das alte Atelier zu teuer – deshalb musste eine Übergangslösung her, bis ihr neuer Schaffensraum in Arbon bezugsbereit ist.

Zwar blickt Grubenmanns Heimat auf eine lange Stickereitradition zurück; verspielte Motive sucht man auf den Kleidern der 33-Jährigen vergebens. Der Schnitt ist minimalistisch, teils asymmetrisch, die Stoffe sind robust und die Farben vornehmlich auf Schwarz, Weiss und Grautöne reduziert. Was die Mode von «J. Grubenmann» ausmacht, ist die Produktion. Die Stoffe, vorwiegend Seide und Merinowolle, stammen alle aus der Schweiz, aus Österreich, Deutschland oder Italien. Auch produziert wird dort, wenn Grubenmann denn nicht selbst an der Nähmaschine sitzt und schneidert.

Gut 400 Franken für eine nachhaltige Hose

Das hat seinen Preis. Gut und gern 400 Franken zahlt eine Kundin für eine Culotte von Grubenmann. Aus gutem Grund, sagt die Designerin:

«Meine Kundinnen schätzen Qualität und Transparenz in Bezug auf die Herkunft. Deshalb leisten sie sich lieber bewusst ein hochwertiges Kleidungsstück, anstatt dauernd billige Kleidung zu kaufen.»

Dabei war Grubenmann in ganz jungen Jahren selbst genau das, was sie heute ablehnt: eine Konsumentin, die in ihren Augen zu häufig Geld für Kleidung ausgab. Bei H&M, Zara oder Mango: Fast Fashion, die schon nach wenigen Wochen überholt ist und den Fokus nicht auf Nachhaltigkeit, sondern auf tiefe Preise legt. Auch in Grubenmanns Kleiderschrank gab es solche Teile, bis sich die minimalistische Lebensweise nach und nach in ihrem Alltag verankert hat. Angefangen bei Lebensmitteln, aufgehört bei Reisen, die sie nur noch mit dem Zug unternimmt. Ein Flugzeug hat sie in den letzten sechs Jahren nicht mehr betreten.

Das ändert sich in wenigen Wochen. Dann, wenn die gelernte Bauzeichnerin mit drei Koffern nach Vancouver aufbricht, gefüllt mit Strickpullovern, Jupes und Kleidern – kurz: mit ihrer gesamten «Hidden Layers»-Kollektion für Herbst/Winter 2019, die sie mittels Crowdfunding finanziert hat. Die St. Galler Modeschöpferin wurde zur Fashion Week eingeladen, an der vom 18. bis 24. März gut 20 Newcomer ihre Kreationen zeigen und auf eine Erwähnung in der Mode-Bibel Vogue hoffen. Wer den Nancy-Mak-Award gewinnt, dem winkt sogar die Teilnahme an der New York Fashion Week. Ein Sprungbrett, weiss Grubenmann, die heute teilweise von ihrem Herzensberuf lebt. Zwei Tage die Woche zeichnet sie zusätzlich in einem Ingenieurbüro.

Hip oder langweilig, dazwischen ist wenig

«In Vancouver kann viel passieren – oder gar nichts», sagt die Designerin. Erfolg im Ausland dürfte zumindest die Karriere in der Schweiz beschleunigen, wo es an Mode-Metropolen fehlt. «Wenn ich Leute auf der Strasse sehe, sind sie entweder sehr modisch oder sehr dezent gekleidete. Dazwischen ist nicht viel.» Zu ausgefallen dürfen Grubenmanns Entwürfe deshalb nicht sein – auch wenn sich die Künstlerin gern à la Vivienne Westwood austoben würde.

«Meine Arbeit ist immer ein Spagat zwischen Design und Verkauf.»

Könnte sie wählen, wären ihre Kleider neben kleineren Boutiquen in St. Gallen, Zürich und Bern auch bei Globus und Mode Weber erhältlich.

Janine Grubenmann hat eine Fashion-Assistant-Ausbildung an der Zürcher Textilfachschule abgeschlossen. Dennoch musste sie sich viele Näh-Fertigkeiten selbst beibringen. (Bild: Mareycke Frehner)

Janine Grubenmann hat eine Fashion-Assistant-Ausbildung an der Zürcher Textilfachschule abgeschlossen. Dennoch musste sie sich viele Näh-Fertigkeiten selbst beibringen. (Bild: Mareycke Frehner)

Weniger auf die Alltagstauglichkeit geachtet hat sie bei einigen Stücken, die Models bald auf dem Laufsteg tragen werden. So etwa ein weit ausgestellter Seidenrock, der dank zerknüllter Optik und Siebdruckverfahren dem zerklüfteten Gestein der Churfirsten ähnelt. Denn auch wenn ihr internationaler Erfolg gelegen käme: Inspiration holt sie sich immer noch in der Heimat.