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Visionen für den St.Galler öV: Vorläufig reicht der Bus aus

Am 9. Dezember führen die Verkehrsbetriebe St.Gallen ein neues Buskonzept ein. Es ist eine Weiterentwicklung des bisherigen Systems. Kritik, das sei mutlos und man hätte etwas völlig Neues aufgleisen müssen, geht für Stadtrat Peter Jans an der Realität vorbei.
Reto Voneschen
Der neue Bahnhofplatz vom Rathausdach gesehen: Hier beginnen und enden derzeit die meisten Bus-, Regiobus- und Postautolinien in der Stadt St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Der neue Bahnhofplatz vom Rathausdach gesehen: Hier beginnen und enden derzeit die meisten Bus-, Regiobus- und Postautolinien in der Stadt St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

In den kommenden Monaten werden in und um die Stadt St.Gallen Weichen für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs gestellt. Bereits Ende August offiziell eröffnet wurde der neue Bahnhofplatz, die grösste Ostschweizer ÖV-Drehscheibe. Ab 7. Oktober sind die Appenzeller Bahnen (AB) fahrplanmässig wieder über die Ruckhalde und durch den dortigen neuen Tunnel unterwegs.

Mit Fahrplanwechsel am 9. Dezember nehmen die AB dann auch noch die Durchmesserlinie von Appenzell via Gais, Teufen und St.Gallen nach Trogen in Betrieb. Und in der Gallusstadt selber wird mit diesem Fahrplanwechsel gleich auch noch ein neues Buskonzept eingeführt.

Braucht der städtische öV einen Systemwechsel?

In Zusammenhang mit diesen Ausbauschritten des regionalen und städtischen öV wird derzeit viel über Zukunftsvisionen für Bahn, Bus und Postauto diskutiert. Dabei ist aus Kreisen, die sich intensiv mit ÖV-Fragen beschäftigen, immer wieder zu hören, dass das St.Galler Bussystem überholt sei: Der städtische öV drohe in einigen Nadelöhren an sich selber zu ersticken, wenn man weiterhin daran festhalte, fast alle Bus- und Postautolinien über den Bahnhofplatz zu führen.

Und es fällt tatsächlich auf: In Zusammenhang mit dem laufenden Gestaltungswettbewerb für den Marktplatz ist vermutlich der grösste Knackpunkt für die Planer, dass das prognostizierte Wachstum des öV mit dem heutigen Layout auf dem Bohl nicht mehr abwickelbar ist, man also Haltestellen verschieben oder die Calatrava-Wartehalle abbrechen muss.

Umsteigen am Stadtrand

Diese ÖV-Diskussionen landen oft am gleichen Punkt: beim sogenannten Hub-System. Nur dieses sei nämlich in der Lage, auf Dauer das Funktionieren des öffentlichen Verkehrs in der Stadt St.Gallen zu garantieren, werben seine Befürworter.

Visionen für ein neues St.Galler Tram gab's schon verschiedene. In der Illustration ist es auf der Rorschacher Strasse beim «Silberturm» unterwegs. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Visionen für ein neues St.Galler Tram gab's schon verschiedene. In der Illustration ist es auf der Rorschacher Strasse beim «Silberturm» unterwegs. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Grundidee dieses Systems ist es, möglichst viele Bus- und Postautolinien an kleineren Knoten am Stadtrand enden zu lassen. In der Längsachse wäre ein möglichst leistungsfähiges öffentliches Transportmittel nötig, idealerweise ein Tram auf eigenem Trassee, das die ÖV-Passagiere im Minutentakt und rasch ins Stadtzentrum bringt.

Von Seiten Kanton und Stadt gibt es derzeit keine Pläne zur Einführung eines solchen Systems. Im Gegenteil: Den vorläufigen Verzicht auf ein Tram kann man als klares Signal gegen die kurz- oder mittelfristige Umsetzung des Hub-Konzepts lesen.

Zwei Direktionen planen die ÖV-Zukunft

Stadtrat Peter Jans ist als Chef der Direktion der Technischen Betriebe, zu denen die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) gehören, politisch dafür verantwortlich, dass der städtische ÖV-Betrieb klappt. Die Verkehrsplanung obliegt hingegen der Bauverwaltung mit Stadträtin Maria Pappa an der Spitze. In Sachen ÖV-Zukunft spannen die beiden Direktionen zusammen und tauschen sich auch regelmässig aus.

Peter Jans sind die Hub-Ideen für St. Gallen bekannt. Er hält sie grundsätzlich auch für interessant. Darüber habe man in der Vergangenheit schon diskutiert. Und auf lange Sicht gesehen sei so ein System sicher wieder prüfenswert: Wenn die Zeit reif sei, müsse man darüber erneut reden, sagt er.

Bisheriges System nochmals optimiert

Für die Stadt als ÖV-Betreiberin sei das Hub-Konzept im Grundsatz eine mögliche Variante, wenn es darum gehe, auf heute parallel laufenden Linien zusätzliche Kapazitäten zu schaffen oder Engpässe zu entschärfen. Heute stehe das Hub-System aber ganz klar nicht auf der Agenda, sagt Peter Jans.

In St.Gallen gab's schon einmal ein Tram, nämlich 1897 bis 1957. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

In St.Gallen gab's schon einmal ein Tram, nämlich 1897 bis 1957. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

Im Dezember führen VBSG und Postauto im Gegenteil ein neues Buskonzept ein, das eine Weiterentwicklung des bisherigen Systems ist. Für diesen Weg und gegen das Tram habe man sich entschieden, weil man das Passagieraufkommen auf absehbare Zeit hinaus mit einer optimierten Version des heutigen Systems am wirtschaftlichsten abwickeln könne. Für ein Tram müsste man gemäss Jans eine grosse Investition tätigen. Und auch im Betrieb koste es mehr als der Bus.

Kanton und Region entscheiden mit

Die Diskussion übers Hub-System ist für Stadtrat Jans dann wieder am Platz, wenn sich abzeichnet, dass die Passagierzahlen einen Punkt erreichen könnten, an dem man sie nicht mehr bewältigen kann, indem man einfach zusätzliche Busse einsetzt. Bevor der Punkt erreicht sei, müsse man analysieren und diskutieren, wie man weiter vorgehen wolle.

Darüber entscheide allerdings nicht die Stadt im Alleingang, warnt Peter Jans. Zum einen rede der Kanton bei der Weiterentwicklung des öV als Besteller der Leistungen ein ganz entscheidendes Wort mit. Und auch die Meinung der Region, deren Bevölkerung ja von einem Systemwechsel direkt betroffen wäre, werde im Entscheidungsprozess ganz sicher Gewicht haben.

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