Virtueller Rundgang mit Stolpersteinen: Waldkirch per App entdecken

Waldkirch wirbt mit einer Augmented-Reality-App zur Erkundung des Orts. Sie funktioniert aber nicht überall.

Lisa Wickart
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Die neue App führt zu den Attraktionen Waldkirchs.

Die neue App führt zu den Attraktionen Waldkirchs.

Bild: Lisa Wickart

Die echte Welt und unreale Bilder verschwimmen ineinander. So könnte man Augmented Reality erklären, zu Deutsch «erweiterte Realität». Auf diese Technologie setzt nun Waldkirch. Smartphonenutzer sollen mit einer virtuellen Karte in einer App die Gemeinde auf neue Weise kennen lernen. Gemäss dem Gemeindepräsidenten Aurelio Zaccari hat Waldkirch dafür rund 4000 Franken investiert. Wie die App funktioniert, wollen wir in einem Selbstversuch herausfinden.

In der Gemeinde angekommen, beginnt der Rundgang an der Ortsinformationstafel am Kronenplatz. Einen weiteren Startpunkt gibt es vor dem Restaurant Adler in Bernhardzell. Mit genügend Akku und der bereits installierten App Augmented Reality Line ziehen wir los. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Nirgends gibt es eine Anleitung, wie sich die virtuelle Karte auf dem Handy öffnen lässt. Durch mehrmaliges Ausprobieren klappt es dann doch. Das Hauptmenu erscheint auf dem Bildschirm, sobald der gesamte obere Teil der Tafel mit der App gescannt wird. Als jemand, der Waldkirch nicht gut kennt, hat man sofort einen Überblick, wo sich welche Orte befinden.

In erster Linie für Touristen gemacht

Leute, die sich nicht gut auskennen, sind laut Zaccari die Hauptzielgruppe: «Die Idee ist, dass sich Besucher über die Attraktionen in Waldkirch informieren und sich hinführen lassen können.» Damit Touristen von jedem beliebigen Ort mit dem Rundgang beginnen können, werde die virtuelle Karte bald auch auf der Webseite der Gemeinde zu finden sein. Aber auch Ortskundige sollen von den neuen Funktionen profitieren können. Für Einwohnerinnen und Einwohner sei das neue Angebot nicht nur auf der Augmented-Reality-App, sondern auch auf der offiziellen App der Gemeinde Waldkirch verlinkt. Auf der virtuellen Karte sind verschiedene Navigationspunkte zu finden: Geschäfte, Schulen, Parkplätze und sogar Feuerstellen. Im Test wählen wir die Katholische Kirche St.Blasius als Ziel aus. Sofort findet man nützliche Informationen, Bilder und einen Link zur Webseite. Um sich zur Kirche führen zu lassen, drückt man aufs Navigationssymbol. Automatisch öffnet sich Google Maps und zeigt einem den schnellsten Weg an. Wer genug Zeit hat, kann sich auch beispielsweise Videos über die Gemeinde ansehen und herunterladen. Ebenfalls lässt sich in der App ein Coupon für das Restaurant Adler finden.

Schlechter Empfang ­erschwert die Nutzung

Gewisse Funktionen sind jedoch ausbaufähig. Auf der virtuellen Karte ist beispielsweise nicht sichtbar, wo man sich gerade befindet. Das erschwert die Orientierung. Wer seinen Standort sehen möchte, muss Google Maps öffnen. Hier wird einem angezeigt, wo man gerade ist, jedoch ist dann die Übersicht mit den Orientierungspunkten verschwunden. Eine weitere Schwierigkeit ist das teilweise schlechte Mobilfunknetz in der Gemeinde. Ohne gute Verbindung zum Internet läuft die App stockend oder im schlimmsten Fall gar nicht.

Das Problem mit dem Handyempfang ist Aurelio Zaccari bekannt. In Bernhardzell soll dies nun gelöst werden: «Wir planen zusammen mit einer Mobilfunkanbieterin eine neue Mobilfunkantenne», sagt der Gemeindepräsident. Die Planungsarbeiten seien weit fortgeschritten und das Baugesuch sollte nächstens eingehen. Zudem plant Zaccari bereits einen Ausbau der Funktionen. Zur virtuellen Karte sollen unter anderem Wanderwege hinzugefügt werden und bestehende Orte mit zusätzlichen Bildern, Videos und Informationen ergänzt werden.