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Vierbeiner erobern das Altersheim

Tiere tun betagten Menschen gut. In manch einem Alters- und Pflegeheim in der Stadt St.Gallen können Seniorinnen und Senioren Hunde streicheln, Ziegen füttern oder Katzen auf dem Rollator spazieren fahren.
Christina Weder
Ein Hundeguetzli für Pandra: Valerie Buchmann, Bewohnerin des Altersheims Rotmonten, füttert die Hündin im Beisein von Luzia Manser, Leiterin Pflege und Betreuung. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein Hundeguetzli für Pandra: Valerie Buchmann, Bewohnerin des Altersheims Rotmonten, füttert die Hündin im Beisein von Luzia Manser, Leiterin Pflege und Betreuung. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wenn es einen Leckerbissen gibt, ist die braune Labradorhündin Pandra sofort zur Stelle. Doch eigentlich ist es eine Ausnahme, dass ihr die Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims Rotmonten ein Hundeguetzli geben dürfen. Luzia Manser, Leiterin des Pflegedienstes und Hundehalterin, musste einen Riegel schieben. Ihr Hund, den sie regelmässig zur Arbeit mitnimmt, ist ziemlich gefrässig. Am Morgen geht Pandra meist als erstes in die Cafeteria des Altersheims, schleckt die Brösmeli vom Boden und schaut, welche Bewohner schon da sind.

Danach verzieht sie sich unter den Bürotisch. Dort ist sie so ruhig, dass sie kaum auffällt. «Pandra ist ein richtiger Bürohund», sagt Luzia Manser. Sie nimmt ihren Hund vor allem aus organisatorischen Gründen zur Arbeit mit. Er müsse dann nicht so lange alleine zu Hause sein. Doch abgesehen davon habe ihr Hund auf die Bewohnerinnen und Bewohner eine positive Wirkung.

Dass Tiere betagten Menschen guttun, ist bekannt. Gemäss einer Umfrage des Schweizer Tierschutzes halten immer mehr Alters- und Pflegeheime eigene Tiere oder erlauben den Bewohnern, ein Haustier mitzubringen. Auch in der Stadt St.Gallen sind in vielen Altersheimen Tiere zu Hause: Katzen, Hühner, Vögel oder Ziegen. Zudem kommen in vielen Heimen regelmässig Therapiehunde zu Besuch.

Der Hund hat eine beruhigende Wirkung

Luzia Mansers Hund wäre eigentlich als Blindenführhund vorgesehen gewesen, hätte er keinen Herzfehler gehabt. Manser nahm ihn als Familienhund auf und absolvierte mit ihm die Ausbildung zum Sozialhund. «Pandra hat eine beruhigende Wirkung», sagt sie.

Es komme immer wieder zu schönen Begegnungen – etwa mit dem Senior, der oft alleine in der Eingangshalle sitzt und beobachtet, was um ihn herum geschieht. Er strahlt, sobald er die Hündin entdeckt. Oder mit der älteren Dame, die früher selber einen Hund hatte. Wenn sie traurig ist, tröstet es sie, wenn sie Pandra streicheln darf. Luzia Manser nimmt die Hündin manchmal auch mit, um eine schwierige Gesprächssituation zu entspannen.

Auch andere Altersheime der Stadt geben sich tierfreundlich. Im Betagtenheim Halden wohnt eine Hauskatze, die sich wohl nicht über zu wenig Streicheleinheiten beklagen kann. Immer wieder nimmt sie auf einem Rollator Platz und wird herumgeschoben. «Es ist herrlich zu beobachten», sagt Heimleiterin Regula Etter. «Sie geht nur zu den Bewohnern, die sie gern haben.»

«Es ist nicht wie im Streichelzoo»

Im Pflegeheim St.Otmar ist es den 93 Bewohnerinnen und Bewohnern nicht erlaubt, eigene Tiere zu halten. Die meisten seien nicht mehr in der Lage, sich selbstständig um ein Tier zu kümmern, sagt Heimleiterin Sonja Hardmeier. Dennoch findet sie Tiere wichtig. Sie nimmt deshalb ihre eigenen Hunde zur Arbeit mit.

Zudem hält das Pflegeheim seit zehn Jahren eigene Ziegen – darunter einen Geissbock. «Das ist nicht wie im Streichelzoo», stellt Hardmeier klar. Die lustigen und frechen Tiere seien beliebt. Sie bieten Abwechslung. Zudem hält das Pflegeheim ein paar Hühner. Mit den Eiern, die sie legen, können sich Bewohner selber wieder einmal ein Spiegelei braten.

«Tiere sind wichtig fürs Erinnerungsvermögen.»

Viele der Bewohner des Pflegeheims kämen aus einer ländlichen Gegend, sagt Hardmeier. Sie seien es gewohnt, Nutztiere um sich zu haben. Doch es gebe eine Grundvoraussetzung dafür, Tiere im Pflegeheim zu halten: «Fürs Tierwohl muss gesorgt sein.»

Im Wohn- und Pflegehaus Wienerberg gibt es zwei Hauskatzen und Vögel. Die Voliere im Garten sei ein beliebter Treffpunkt, sagt Heimleiter Pascal Gmür. Darin zwitschern Nymphensittiche, Wellensittiche und Kanarienvögel, die sich auch schon vermehrt haben.

Bedenken, was die Hygiene angeht

Keine Haustiere gibt es dagegen im Evangelischen Pflegeheim Bruggen. Heimleiter Werner Schläpfer äussert Bedenken, was die Hygiene angeht. Bei Katzen sei zudem das Problem, dass sie herumstreunten. Dennoch ist Schläpfer kein ausgesprochener Gegner von Haustieren. «Hasen oder Geissen könnte ich befürworten», sagt er. «Ausserhalb des Hauses sind Tiere eine Bereicherung.» Doch dafür fehle dem Pflegeheim Bruggen der Umschwung.

Katze und Papagei kommen mit

In den städtischen Altersheimen kommt es zwar vor, dass Seniorinnen und Senioren ein eigenes Haustier halten. Dennoch ist es eher die Ausnahme, wie eine Umfrage zeigt. Im Altersheim Bürgerspital sind zwei Bewohner mit einem sprechenden Papagei zu Hause. Auch in anderen Heimen gibt es einzelne Bewohner mit Haustier. Am häufigsten wird die Katze genannt.

«Die Voraussetzung ist, dass sich die Bewohner zu hundert Prozent um das Tier kümmern können», sagt etwa Regula Etter, Leiterin des Betagtenheims Halden. Ab und zu komme es vor, dass sie «Nein» sagen müsse. Auch im Altersheim Rotmonten musste der Heimleiter kürzlich einer Frau eine Absage erteilen, die mit ihrer Katze einziehen wollte. Der Grund war die Katzenallergie einer Mitarbeiterin. Zudem stellt sich in den Heimen die Frage, wer die Verantwortung übernimmt, wenn sich der Tierhalter nicht mehr ums Tier kümmern kann. Diese Frage muss im Voraus geklärt werden. Die Fachstelle Grizzly bietet Unterstützung.

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