Interview
«Vier Taxi-Nummernschilder habe ich schon abgegeben»: Das Rorschacher Taxiunternehmen Bereiter kämpft ums Überleben

Nur noch wenige Taxifahrten macht Markus Dornbierer mit seinem Taxiunternehmen Bereiter AG, der Umsatz ist um 85 Prozent eingebrochen. Eine Geduldsprobe für ihn und sein Team.

Jolanda Riedener
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Markus Dornbierer führt das Taxiunternehmen Bereiter.

Markus Dornbierer führt das Taxiunternehmen Bereiter.

Bild: Jolanda Riedener

Kaum eine Branche spürt die Auswirkungen der Coronakrise nicht. Besonders betroffen sind auch die Taxifahrerinnen und Taxifahrer. In der Region Rorschach führt Markus Dornbierer seit acht Jahren das Taxiunternehmen Bereiter. Die fehlenden Passagiere zwingen ihn zu besonderen Massnahmen.

Wie spüren Sie die Auswirkungen der Coronapandemie auf ihr Unternehmen?

Markus Dornbierer: Die Krise trifft uns hart. Momentan erwirtschafte ich noch 15 Prozent vom normalen Umsatz – im März machten wir noch die Hälfte des Umsatzes. Es sind schwierige Zeiten für uns.

Was für Fahrten machen Sie noch?

Wenn jemand schnell zum Einkaufen oder zum Arzt muss, zum Beispiel. Die Leute sind jetzt sehr vorsichtig. Auch viele der älteren Kunden fallen jetzt natürlich weg. Im Einsatz ist momentan nur noch ein Chauffeur während des Tages und einer am Abend von sechs Uhr bis Mitternacht. Zu dieser Zeit fallen allerdings nur noch ganz vereinzelt Einsätze an.

Was bedeutet das für Ihre Mitarbeitenden?

Ich habe Kurzarbeit angemeldet, das hilft uns etwas, und ich muss niemandem kündigen – das will ich auf keinen Fall. Momentan bleiben vier unserer Mitarbeiter mit Kurzarbeitsentschädigung daheim. Einige von ihnen haben das Pensionsalter bereits erreicht. Sie müssen jetzt ohnehin zu Hause bleiben und sich schützen. Manche haben Angst, das kann ich sehr gut verstehen.

Waren Sie enttäuscht darüber, dass der Bundesrat so lange gebraucht hat, bis er für die Taxiunternehmen Hilfe stellte?

Ich begreife, dass das halt seine Zeit braucht. Ich bin froh, dass wir jetzt immerhin eine Entschädigung erhalten. Viel ist es nicht, aber immerhin etwas. Einen Kredit aufnehmen will ich nicht, denn diesen muss ich auch wieder zurückzahlen können.

Wie sieht Ihre Perspektive aus? Wie lange können Sie sich noch über Wasser halten?

Wir müssen abwarten und geduldig sein. Momentan haben wir noch etwas Reserven aber niemand weiss, wie lange die Situation so bleibt und wie es weitergeht. Irgendwann wird es eng. Auch wenn ich ans kommende Jahr denke: Im Januar sind wieder alle Versicherungen für die Fahrzeuge fällig, das Geld dafür muss erst noch reinkommen. Vier Taxi-Kennzeichen habe ich schon abgegeben, da momentan nicht alle acht Fahrzeuge im Einsatz stehen. Vielleicht werde ich noch zwei weitere abgeben müssen. So kann ich mir die Steuern sparen und die Fixkosten etwas geringer halten.

Am 11.Mai fängt die Schule wieder an. Fahren Sie dann immerhin wieder Schulbus?

Ja, ich rechne damit. Schulbus fahren wir aber nur zweimal pro Woche. Trotzdem: Momentan ist jeder noch so kleine Auftrag wichtig für uns.

Haben Sie noch ein zweites Standbein?

Ja, für mich ist das ein Glück. Mit meiner anderen Firma Labor Transport habe ich nach wie vor Aufträge. Ich liefere zum Beispiel Proben vom Rorschacher Spital ins Labor. Nachts bin ich dafür im Pikettdienst und muss jederzeit ausrücken.