Interview

Deshalb hat es länger gedauert, bis im Wahlkreis St.Gallen-Gossau die Stimmen ausgezählt waren

Im Pfalzkeller trudelten am Sonntag die Resultate des Wahlkreises St.Gallen erst nach 17 Uhr ein. Stephan Wenger vom städtischen Wahlbüro erklärt warum.

Sheila Eggmann
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Blick ins Stimmbüro im Rathaus: Bei Wahlen und Abstimmungen kommen jeweils externe Helferinnen und Helfer zum Einsatz.

Blick ins Stimmbüro im Rathaus: Bei Wahlen und Abstimmungen kommen jeweils externe Helferinnen und Helfer zum Einsatz.

Bild: Ralph Ribi (9. Februar 2020)

Im Pfalzkeller war am Sonntag Geduld gefragt. Denn die Resultate des Wahlkreises St.Gallen wurden erst nach 17 Uhr bekanntgegeben. Zum Vergleich: In den Wahlkreisen Werdenberg und Toggenburg waren die Stimmen bereits drei Stunden zuvor ausgezählt. Stephan Wenger, Sekretär des Wahlbüros der Stadt, erklärt, wieso es in seinem Wahlkreis länger gedauert hat.

Die Bekanntgabe der Resultate hat sich in St.Gallen mehrmals nach hinten verschoben. Weshalb?

Stephan Wenger: Wir waren etwa eine Stunde länger dran als bei den Nationalratswahlen. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass wir weniger Stimmenzählerinnen und Stimmenzähler hatten, als geplant.

Wieso?

Für die Erfassung der veränderten Stimmzettel waren 21 Zweierteams eingeplant. Vier Personen sind aber kurzfristig ausgefallen. Das hat unter anderem mit dem Corona-Virus zu tun. Wir haben die Empfehlungen des Kantons für grössere Anlässe umgesetzt und stellten es Personen, die zur Risikogruppe gehören, frei, ob sie mitmachen wollten. Das hatte zur Folge, dass manche zu Hause geblieben sind. Mit 19 statt 21 Teams geht die Erfassung automatisch länger.

Welche weiteren Gründe gibt es?

Es ist uns aufgefallen, dass aussergewöhnlich viele, sehr stark veränderte Stimmzettel abgegeben wurden. Das haben Stimmenzählerinnen gesagt, die schon lange dabei sind.

Es wurde also mehr gestrichen, kumuliert und panaschiert.

Unter anderem. Vor allem wurden aber weniger vorgedruckte Stimmzettel verwendet. Es gab viele, die von Anfang an einen leeren Stimmzettel verwendet haben und dort 25 Personen von verschiedenen Parteien aufgeführt haben. Das ist natürlich legitim, die Erfassung dauert aber länger. Und am Schluss wurden bei der EDV-Kontrolle noch kleine Fehler korrigiert. Auch das hat länger gedauert als üblich.

Kommt man als Stimmenzähler unter Druck, wenn man weiss, dass alle nur noch auf die Stadt warten?

Mir ist schon bewusst, dass man das Resultat gerne schon um vier Uhr wüsste, wenn man im Pfalzkeller wartet. Aber St.Gallen ist nun mal die grösste Stadt im Kanton. Wir haben am meisten Wahlzettel zu verarbeiten. Da kann es auch mal länger gehen.

Gibt es unter den Wahlkreisen ein Konkurrenzdenken?

Stephan Wenger vom städtischen Stimmbüro.

Stephan Wenger vom städtischen Stimmbüro.

Bild: Benjamin Manser

Nein. Grundsätzlich ist es uns wichtig, nicht möglichst schnelle Resultate zu haben, sondern möglichst korrekte. Uns ist es im Wahlbüro wichtig, dass die Ergebnisse stimmen und wir voll und ganz dahinterstehen können. Wir schulden das unserem demokratischen System und allen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich aufgestellt haben und auch sehr viel Zeit und Ressourcen investiert haben.

Werden Sie nächstes Mal etwas anders machen?

Ich habe bereits viel Erfahrung im Wahlbüro. Ich mache das nicht zum ersten Mal, sondern seit über 20 Jahren. Ohne den Corona-Virus wären wir schneller fertig geworden. Ich werde wohl nächstes Mal am Sonntag mehr Helfer und Helferinnen aufbieten. Am Freitag und Samstag ging alles problemlos.

Wie war die Situation für Sie persönlich?

Ich half selber auch mit, ein oder zwei Bünde zu erfassen, damit es noch schneller vorwärts ging. Ich war aber nicht gestresst. Wir waren gut vorbereitet. Es ist alles aufgegangen. Es war alles korrekt. Auch die Technik hat einwandfrei funktioniert, das war vor einigen Jahren auch schon anders. Ich bin deshalb mit dem Ergebnis zufrieden.