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Flugverbotszonen in der Region St.Gallen: Wo Drohnen am Boden bleiben müssen

In vielen Gemeinden rund um St.Gallen dürfen Drohnen nicht abheben. Die Gründe sind vielfältig: Flugplätze, Schutzgebiete, Rega-Stützpunkte. Doch das Gesetz gegen Drohnenpiloten hat eine Lücke. Und ist schwierig durchzusetzen.
Noemi Heule
In Flughafennähe dürfen Drohnen nicht steigen. (Bild: Hanspeter Schiess)

In Flughafennähe dürfen Drohnen nicht steigen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Sie ermöglichen Hobby-Piloten den Traum vom Fliegen, zumindest durch die Kameralinse. Einen Traum, den offenbar viele hegen. Die Zahl der Drohnen, die schweizweit über die Ladentische gehen, hat sich innert kurzer Zeit verzehnfacht. Sprach das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) vor wenigen Jahren noch von mehreren zehntausend Exemplaren, schätzt es die Zahl heute auf mehrere hunderttausend. Für die Drohnen, als Spielzeuge gehandelt, gelten allerdings spezielle Spielregen.

Viele Neo-Drohnenbesitzer kennen diese Regeln nicht. Oder sie sind verunsichert. Das Bazl sei momentan nicht in der Lage, alle Anfragen zu beantworten, heisst es auf der Webseite. Im vergangenen Herbst musste das Bundesamt Gesuchsteller gar Anfragen abweisen, die Kapazitätsgrenze war schlicht überschritten. Auch in den Gemeinden der Region herrscht Unsicherheit. Einige, etwa Andwil oder Eggersriet, weisen ihre Bürger deshalb über das Gemeindeblatt auf Restriktionen über ihrem Gebiet hin. Sie sind nicht die einzigen Orte rund um St. Gallen, in denen die Drohnenpopeller gestutzt sind.

Am See müssen Drohnen am Boden bleiben

Nur Wittenbacher und Engelburger dürfen ihre ferngesteuerten Flieger ohne zusätzliche Abstriche steigen lassen. Genauso die Stadtsanktgaller. Obwohl hier die Helikopter der Rega auch das Kantonsspital ansteuern, sind Drohnen über dem Zentrum grundsätzlich erlaubt. Das Gebiet westlich von St. Gallen Bruggen, inklusive Gossau, Abtwil und Andwil fällt dagegen in den Radius der Rega-Basis in Winkeln, die als Flugplatz gilt. Rund um Flugplätze dürfen in einem Abstand von fünf Kilometern weder Modellflugzeuge noch Drohnen abheben. Dasselbe in Waldkirch und Muolen, die bereits im Einzugsgebiet des Flughafens Sitterdorf liegen. In Speicher und Eggersriet sind Drohnenflüge wegen des Heli-Ports Trogen untersagt.

Die schärfsten Restriktionen greifen entlang des Seeufers: Von Frasnacht bis Rheineck müssen sich Drohnenpiloten zurückhalten. Rund um den Flughafen Altenrhein gilt wiederum ein Abstand von fünf Kilometern. Der Flugplatz verfügt zudem über eine sogenannte Kontrollzone. Hier dürfen Drohnen nicht höher als 150 Meter steigen. Bei Steinach, Rorschach und Staad sind Drohnenflüge überdies über dem Wasser untersagt – wegen Wasser- und Zugvogelsreservaten.

Flüge in Flughafennähe nur mit Bewilligung

Ganz verboten sind Drohnen allerdings auch in Flughafennähe nicht; Voraussetzung ist eine Bewilligung des Flughafenbetreibers oder von Skyguide. Spontane Flüge sind deshalb nicht möglich. Bis eine Bewilligung erteilt ist, dauert es mehrere Tage bis Wochen. Entsprechend klein ist die Zahl der ausgestellten Bewilligungen: Max Mumenthaler von der Flugsicherung Skyguide spricht von circa fünf Bewilligungen monatlich – für Gemeinden, Journalisten oder Geoportal, eine Plattform für amtliche Geodaten. Im Umfeld der Rega-Basis im Westen St. Gallens sind es gemäss Medienstelle der Rega rund zwei Dutzend Bewilligungen pro Jahr. Beide Auskunftspersonen sind sich einig: Die Anzahl nimmt tendenziell zu.

Auch schweizweit sind die Zahlen nicht signifikant grösser. «Für private Drohnen sind meist keine Bewilligungen notwendig, da sich die geltenden Regeln in einem überschaubaren Rahmen halten», sagt Nicole Räz, Mediensprecherin des Bazl. Die Mehrheit der Drohnenpiloten halte sich denn auch an die gängigen Verbote. Allerdings nicht alle. Immer wieder kommt es vor, dass Drohnen widerrechtlich durch die Lüfte schwirren. Diese Fälle werden mit Bussen geahndet. Sofern der Drohnenpilot ausfindig gemacht werden kann.

Weniger Einschränkungen für Leichtgewichte

Bewilligungen betreffen fast ausschliesslich kommerzielle Drohnen. Etwa jene mit einem Gewicht von über 30 Kilogramm. Für sie ist generell eine Bewilligung des Bazl nötig. Zu ihnen zählt jene Drohne, die in ersten Testflügen Laborproben zwischen dem Berner Spital Tiefenau und Inselspital hin und her transportiert, wie die Post vergangene Woche mitteilte.

Für Drohnen mit einem Gewicht unter 500 Gramm gelten dagegen die gängigen Einschränkungen nicht. «Sie sind im ­Gesetz nicht vorgesehen», sagt Nicole Räz vom Bazl. Trotz Gesetzeslücke rät sie allen Drohnenpiloten gleichermassen, sich an die Regeln zu halten. Ob Leicht- oder Schwergewicht: Sie alle müssen stets in Sichtweite sein, dürfen nicht über Menschenmengen fliegen oder in die Privatsphäre anderer eindringen. Auf der Webseite des Bazl heisst es dazu:

«Es schätzt kein Nachbar, wenn über seinem Garten eine Drohne schwebt»

Die meisten Zwischenfälle mit Drohnen betreffen auch Verletzungen der Privatsphäre und nicht etwa solche des Luftraumes.

Drohnenpiloten fliegen selten auf

Auch wenn die Anzahl Drohnen in den vergangenen Jahren schweizweit explodiert ist, hat es bis vor Kurzem keine Kollisionen in der Luft gegeben. Bis vor zwei Wochen, als 1000 Meter über dem Verzasca-Staudamm eine Drohne in die Rotoren eines Helikopters gelangte. Trotz beschädigter Propeller konnte der Helikopter sicher landen. «Ein weltweit einzigartiger Vorfall», sagt Nicole Räz vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl).

Allerdings kommt es immer wieder vor, dass Drohnen widerrechtlich rund um Flughäfen unterwegs sind. Auch in der Region St. Gallen. Von rund vier Vorfällen im Jahr, spricht Max Mumenthaler von Skyguide. Meist haben die unerlaubten Flüge keine Konsequenzen auf den Flugverkehr. Mit einer Ausnahme: «Weil ein Drohnenpilot einen startenden Jet von vorne filmen wollte, konnte eine Passagiermaschine in Altenrhein nicht abheben.» Rund sechs Zwischenfälle mit Drohnen und Rettungshelikoptern verzeichnete die Rega in den vergangenen drei Jahren in der ganzen Schweiz, wie die Medienstelle mitteilt. «Eine unmittelbare Gefahr für die Crews und die Patienten ging von den Drohnen nicht aus», heisst es. Die Fälle wurden dem Bazl gemeldet. Das Bundesamt stellte im vergangenen Jahr 31 Bussen gegen Drohnenpiloten aus, die gegen die geltenden Regeln verstiessen. Im Jahr davor waren es noch deren 14 – fast genauso viele wurden 2018 allein seit Jahresbeginn ausgestellt. Die Höhe der Bussen sei je nach Einzelfall unterschiedlich, sagt Räz, «in den meisten Fällen betragen sie mehrere Hundert Franken.»

28 Fälle in Zusammenhang mit Drohnen verzeichnete die Kantonspolizei St. Gallen im vergangenen Jahr. Zwei Jahre zuvor waren es deren zehn. Meist handelte es sich laut Polizeisprecher Florian Schneider um «zwischenmenschliche Probleme», ausgelöst durch Drohnen. Genauer: Verletzungen der Privatsphäre. In einem Fall sei es zu einer Anzeige von einer gefilmten Person gegen einen Drohnenpiloten gekommen. Die meisten Meldungen ­gehen laut Schneider denn auch von Privatpersonen ein. Es sei jedoch oft schwierig, den Übeltäter zu lokalisieren: «Das Auffinden der Drohnenpiloten ist sehr schwierig. Immer finden wir sie nicht.»

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