Harte Zeiten für Hoteliers in St.Gallen: Viele Gruppen stornieren die Zimmer

Das Corona-Virus trifft auch die Hotelbranche. Über das Ausmass sind sich die Hoteliers in der Stadt uneinig.

Sheila Eggmann
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Die Rezeptionistinnen des Hotels Walhalla warten auf Kundschaft.

Die Rezeptionistinnen des Hotels Walhalla warten auf Kundschaft.

Bild: Urs Bucher

Die Zahlen sind ernüchternd: Wegen des Corona-Virus wurden in Schweizer Hotels 45 Prozent aller Buchungen für die Monate März und April storniert. Bis jetzt. Erwartet wird im März im Schnitt ein Umsatzverlust von 47 Prozent. Zudem rechnen die Hoteliers damit, im selben Monat nur 35 Prozent aller Zimmer belegt zu haben. Im Vergleich: Normalerweise sind es 64 Prozent. Diese Zahlen gehen aus einer Umfrage des Verbands Hotelleriesuisse hervor, an der schweizweit über 380 Betriebe teilgenommen haben. Wie sieht die Situation bei Hotels in der Stadt St.Gallen aus?

Barbara Ras, stellvertretende Betriebsleiterin im Hotel Vadian, sagt zu den Zahlen: «Diese Umfrage ist eine Momentaufnahme, der Zustand kann sich täglich ändern.» Über die Auswirkungen des Corona-Virus im Hotel Vadian könne sie noch keine Aussagen machen, weil man nicht wisse, was noch kommen werde.

«So etwas gab es bei uns noch nie»

Doch Einbussen habe das Hotel Vadian bereits im Februar hinnehmen müssen. Derzeit würden vor allem die Absagen bei Veranstaltungen zu schaffen machen. Ras rechnet mit längerfristigen Auswirkungen. «Wir hatten bereits Rückmeldungen von Veranstaltern, die im Mai einen Anlass planen und sich nicht mehr sicher sind, ob alles durchgeführt wird.» Diese Unsicherheit hinterlässt die Branche in einem Schwebezustand.

«Das Problem ist, dass man nicht weiss, was passiert.»

In der jetzigen Situation kann auch nicht auf Erfahrung zurückgegriffen werden: «Ich habe noch nie etwas Ähnliches erlebt», sagt Ras, die seit acht Jahren im Hotel Vadian tätig ist. «Es ist das erste Mal, dass wir im Laufe eines Monats rückläufige Zahlen haben.»

Natalie Brägger, Projektleiterin Kommunikation der Migros.

Natalie Brägger, Projektleiterin Kommunikation der Migros.

Bild: PD

Auch das Hotel Säntispark hat mit den Auswirkungen des Virus zu kämpfen. Natalie Brägger, Projektleiterin Kommunikation der Migros, sagt: «Im Hotel Säntispark spüren wir starke Auswirkungen, gerade im Business-Bereich: Viele Firmen haben ihre Buchungen für Seminare storniert.» Hinzu würden Stornierungen wegen abgesagter Anlässe wie beispielsweise das St.Gallen Symposium kommen. «Unser Hotel wie auch die Freizeitanlage sind aber nach wie vor geöffnet.» Direktor Roland Ryner sagt:

«Wegen der 09/11-Anschläge und der Finanzkrise bin ich leider krisenerprobt.»

Doch das Ausmass, das das Virus angenommen hat, habe ihn trotzdem überrascht.

Ähnlich ist es im Hotel Walhalla beim Hauptbahnhof. Reto Candrian, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Candrian Catering, sagt: «Das Virus ist stark spürbar.»

Reto Candrian, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Candrian Catering, sagt, im Hotel Walhalla hätten viele Gruppen Zimmer storniert.

Reto Candrian, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Candrian Catering, sagt, im Hotel Walhalla hätten viele Gruppen Zimmer storniert.

Bild: Urs Bucher

Im «Walhalla» hätten viele grössere Gruppen ihre Zimmer storniert. Dies ebenfalls wegen Absagen von Messen oder anderen Grossanlässen. Candrian sagt: «Gerade in dieser Branche ist das keine einfache Situation.» Er könne lediglich gewisse Posten reduzieren und den Aufwand so gut es geht limitieren.

Umsatzverlust ist noch nicht abschätzbar

Das Hotel Einstein spürt die Auswirkungen vor allem im Congress-Bereich. Es rechnet mit einem Umsatzverlust, wie hoch dieser sein wird, ist noch nicht klar: «Um welchen Prozentsatz es sich genau handelt, ist derzeit nicht abzuschätzen», sagt Hermann Greiner, Director Sales & Events.

Nur ein Hotelier tanzt aus der Reihe. Jörgen Kuhn, Direktor im «one66», sagt: «Wir spüren wegen des Virus keine Auswirkungen.» Auch im «one66» habe es Stornierungen gegeben, doch die Betten konnten meist wieder belegt werden. «Wir sind bei den Buchungen plus-minus auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr.» Es gebe deshalb für ihn keinen Grund, zu klagen. Wichtig sei, so sagt er, in guten Zeiten weitsichtig zu sein und sich breit abzustützen. «Bisher kommen wir mit einem blauen Auge davon.»

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