Viele Besucher der Region Rorschach bleiben nur für eine Nacht

Touristen in der Region Rorschach nutzen vorwiegend Angebote, die Schiff und Bahn verbinden – lange bleiben sie allerdings nicht.

Ines Biedenkapp, Valentina Thurnherr
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Im Sommer sind die Wander- und Velowege oberhalb Rorschachs besonders beliebt. (Bild: Valentina Thurnherr)

Im Sommer sind die Wander- und Velowege oberhalb Rorschachs besonders beliebt. (Bild: Valentina Thurnherr)

Langsam setzt sich die Bergbahn Rorschach-Heiden in Bewegung. Der Zug rattert und zischt. Die Fahrgäste sind begeistert. Mütter mit ihren Kindern, ein älteres Ehepaar, aber auch drei Touristen aus England sind in dem offenen Waggon. Sie haben ihre Kameras um den Hals gehängt. Ihr Ziel sind die Doppeldeckerbusse in Heiden. «Wir waren schön öfters in der Schweiz», sagt David Stevenson.

«Wir lieben die Züge hier.»

Die drei gehören der Swiss Railway Society an. Einer Vereinigung, die sich der Liebe zu Schweizer Zugstrecken widmet. Normalerweise schreiben sie über ihre Zugfahrten im Magazin «Swiss Express», doch «heute sind wir aber einfach zum Vergnügen hier», sagt Stevenson.

Der Zug hupt, als es durch einen kurzen Tunnel geht. Viele der Gäste haben sich erschreckt, die Kinder sind jedoch begeistert. Als der Bodensee in Sicht kommt, zücken die Fahrgäste die Kamera oder das Smartphone. Bei der Haltestelle Wartensee kommen neben dem Bodensee Gleitschirmflieger in Sicht. «Oh wow, guck mal», ruft eines der Kinder.

Studentin aus Singapur hatte weiteste Anreise

Derzeit nutzen die Gleitschirmflieger das gute Wetter zur Übung. Allerdings würden sie die Ferienzeit merken. «Unsere Hauptsaison ist eigentlich von März bis Oktober, auch wenn wir zwischendurch auch im Winter fliegen», sagt Michael Kobler, Fluglehrer und Leiter des Aero Centers aus St. Gallen. Als er auf die Teilnehmerzahl angesprochen wird, sagt er:

«Während der Sommerferien sind allerdings viele weg, daher haben wir während dieser Zeit eher eine kleine Flaute.»
Mit Blick auf den Bodensee übt eine Flugschule mit ihren Schülern das Gleitschirmfliegen. (Bild: Valentina Thurnherr)

Mit Blick auf den Bodensee übt eine Flugschule mit ihren Schülern das Gleitschirmfliegen. (Bild: Valentina Thurnherr)

Auch Touristen würden statt des Gleitschirms eher das Velofahren bevorzugen. Die weiteste Anreise hatte eine Studentin der FH in St. Gallen. Sie kommt aus Singapur und belegte neben dem Studium auch einen Kurs für Gleitschirmfliegen bei der Flugschule.

Besonders beliebt seien derzeit Ausflüge, die verschiedene Destinationen verbinden würden, heisst es auf Anfrage bei der Touristeninformation Rorschach. So würden nicht nur Touristen, sondern auch viele Einheimische schon morgens auf das Schiff etwa nach Lindau warten. Doch auch die traditionelle Zahnrad-Bergbahn von Rorschach nach Heiden ziehe viele Menschen an. Die Gegend ist ideal für Tagesausflügler, sagt eine der beiden Frauen an der Rezeption des Tourismusbüros.

«Wir haben hier den Bodensee, drei Länder und die Berge direkt vor der Haustür.»

Derzeit würden vor allem viele aus Deutschland die Region Rorschach besuchen. «Wir haben aber auch einige Nachfragen von französisch- oder englischsprachigen Touristen», sagt die Zweite. Einige würden auch nach dem Jakobsweg in Rorschach fragen und die Route hier abwandern.

Gäste aus aller Herren Länder

Den Velotourismus spürt zurzeit auch das Hotel Mozart in Rorschach. Vor dem Eingang des Hotels türmen sich Berge an Koffern und Taschen. Die dazugehörigen Gäste sind allerdings nirgends auszumachen. «Das Gepäck gehört Velotouristen», sagt Geschäftsführerin Susanne Tobler. «Die fahren jeweils mit dem Velo von einem Hotel zum nächsten entlang des Bodensees und ein Bus oder Car transportiert die Koffer.» Die aufgetürmten Gepäckstücke vor dem Eingang gehören zu einer schwedischen Reisegruppe.

«Auch Deutsche und Österreicher haben wir viel bei uns, aber auch aus England oder Australien sind schon welche angereist.»

Im Sommer seien diese Velotouren entlang des Bodensees sehr beliebt. «Während der Ferien haben wir hauptsächlich solche Gäste, die dann jeweils nur für eine Nacht bleiben», sagt Tobler.

Stammgäste sind in Ferien

Auch Beatrice Trachsel, Betriebsleiterin der Badehütte in Rorschach, sind die vermehrten Velofahrer aufgefallen. «Davon sind zurzeit sehr viele unterwegs und die kommen oft zu uns, um etwas zu trinken oder zu essen.» Doch auch das Baden bei ihnen sei bei den Touristen sehr beliebt, denn sobald die Sommerferien losgehen, verändere sich das Publikum. «Unsere Stammgäste sind jetzt selbst in den Ferien, dafür haben wir umso mehr Touristen», sagt Trachsel. «Eine Familie aus der Schweiz, die bereits vergangenes Jahr hier war, kam Anfang Woche vorbei und wollte wieder ein Knips-Abo. Sie meinten, sie würden ohnehin die ganze Woche zum Baden kommen.» Dass vermehrt Touristen aus Deutschland in die Bodenseeregion kommen, sei ihr nicht aufgefallen.

«Wir hatten erst vor kurzem Gäste, die englisch und französisch gesprochen haben. Auch Schweizer sind viele hier.»

Ähnliches sagt auch Imelda Senn, Gastgeberin im Schloss Wartegg in Rorschacherberg. «Sobald die Sommerferien losgehen, steigen bei uns vor allem Schweizer Gäste ab.» Den Umschwung zum Sommer würden sie aber deutlich merken. «Bei uns finden oft Seminare statt, entsprechend sind die Gäste meist Geschäftsleute. Ab Juli kommen dann die Feriengäste, die oft Tagesausflüge machen wollen», sagt Senn. Allerdings sei auch ihnen aufgefallen, dass in den vergangenen zwei, drei Jahren die Zahl der Deutschen zugenommen hat. «Zurzeit haben wir Gäste aus den USA», sagt Senn mit einem Lächeln.

«Diese Familie ist letztes Jahr schon bei uns gewesen und es hat ihnen so gut gefallen, dass sie für dieses Jahr auch gleich wieder gebucht haben.»

Beim Schloss Wartensee, ebenfalls in Rorschacherberg, kämen die Gäste hingegen aus aller Welt. «Wir haben Gäste aus Asien, Russland, Polen, wirklich von überall her», sagt Geschäftsleiter Raymond Santschi. «Vor allem aber unsere Schweizer Gäste kommen regelmässig wieder zu uns, um die Ferien hier am Bodensee zu verbringen.» Auch die Velotouristen stiegen im Sommer regelmässig bei ihnen ab.

Nachfrage nach Euro steigt

Auch die Banken in der Region spüren die Sommerferien. So stieg bei der UBS Geschäftsstelle in Rorschach vor allem die Nachfrage nach Euro, heisst es auf Anfrage. Auch amerikanische Dollar oder britische Pfund seien gefragt. Bei der Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Region Rorschach hält sich die Nachfrage jedoch im konstanten Bereich. Euro Bezüge würden hauptsächlich über einen der elf Bancomaten der Bank getätigt. Auch die SGKB-Filiale in Rorschach spürt die Sommerferien. Viele Kunden seien in Ferien, vereinzelt kämen Touristen. Beliebt seien im Vergleich zum übrigen Jahr vor allem Euro-Bezüge aus den Bankomaten.

Ferienspass direkt vor der Haustür

Wer in den Sommerferien eine schöne Zeit verbringen will, muss nicht unbedingt in die Ferne reisen. Meist findet man allerlei spannende Aktivitäten gleich vor der Haustür. So auch in der Region Rorschach:

· Schifffahrten auf dem Bodensee sind ein besonderes Erlebnis. Dabei kann man Fahrten kombinieren und zwischen der Schweiz, Österreich und Deutschland pendeln.

· In der Erlebnisrundfahrt ist alles enthalten. Eine Fahrt mit der Zahnradbahn, mit dem Postauto sowie dem Schiff. Ebenfalls dabei ist ein Abstecher auf den Witzwanderweg.

· Wer abheben möchte, kann eine Trainingsstunde beim Aero Center St. Gallen vereinbaren. Diese trainieren jeweils unterhalb der Wartensee Haltestelle in Rorschacherberg.

· Das Museum im Kornhaus, sowie verschiedene Ausstellungen im Würth Haus sind immer ein Abstecher wert.

· Wer sich für Flugzeuge interessiert, für den lohnt sich ein Besuch am Flughafen St. Gallen-Altenrhein. Gleich daneben befindet sich das Flieger- und Fahrzeugmuseum Altenrhein.

· Für den Wasserspass, ohne gross nass zu werden, bietet sich der Tretboot-Verleih neben dem Kornhaus.

· Beliebt bei Einheimischen, wie Gästen sind auch die zahlreichen Badis entlang des Bodenseeufers. Wer gleich in den See eintauchen will, für den ist die Badehütte das Passende. Ansonsten bieten Goldach, Horn, Staad und Altenrhein Frei- und Strandbäder. (vat)