Viel zu viele Fragezeichen: Dringlichkeit der Sanierung einer Bushaltestelle wurde im St.Galler Stadtparlament bezweifelt

Der St.Galler Stadtkasse stehen schwere Zeiten bevor. Trotzdem will der Stadtrat für die Sanierung der Bushaltestelle Rosenbergstrasse 742'000 Franken aufwerfen. Für die SVP war das im Stadtparlament zu viel. Ein Grünliberaler kritisierte die fehlende Koordination der Sanierung mit einer geplanten Unterführung für den Langsamverkehr.

Reto Voneschen
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Die Bushaltestelle Rosenbergstrasse zwischen Reithalle (hinten links) und Villa Wiesental. Die Perrons sind hier zu kurz für die vielen haltenden Busse und Postautos. Für Velo und Fussgänger ist einer Unterführung in Planung.

Die Bushaltestelle Rosenbergstrasse zwischen Reithalle (hinten links) und Villa Wiesental. Die Perrons sind hier zu kurz für die vielen haltenden Busse und Postautos. Für Velo und Fussgänger ist einer Unterführung in Planung.

Bild: Reto Voneschen (7.6.2011)

Manchmal sind es die kleinen Beträge, über die im Stadtparlament am engagiertesten gestritten wird. Kurz nachdem der Rat am Dienstagabend 20,2 Millionen für den Ausbau der Kläranlage Au genehmigt hatte, entbrannte über die 742'000 Franken für die Sanierung der Bushaltestelle Rosenbergstrasse eine heftige «Spardebatte».

SVP: Schlechtes Koste-Nutzen-Verhältnis

Angesichts der angespannten Lage der Stadtkasse wundere sich seine Fraktion, sagte Christian Neff (SVP). Man sehe den dringlichen Sanierungsbedarf der Haltestelle bei der Reithalle nicht, halte das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Projekts für schlecht und vermisse eine koordinierte Planung mit der angedachten Unterführung für den Langsamverkehr. Aus diesen Gründen beantragte Neff Rückweisung des Geschäfts an den Stadtrat, bis Klarheit darüber herrsche, wie es mit der Unterführung weitergehen soll.

Schon seit Jahren wird diskutiert, ob zwischen Reithalle und Villa Wiesental eine Unterführung für den Langsamverkehr gebaut werden könnte. Dazu gibt's interessante Studien, wie der Tunnel nicht zum Unort verkommt.

Schon seit Jahren wird diskutiert, ob zwischen Reithalle und Villa Wiesental eine Unterführung für den Langsamverkehr gebaut werden könnte. Dazu gibt's interessante Studien, wie der Tunnel nicht zum Unort verkommt.

Bild: Heliobus

Jacqueline Gasser-Beck liess durchblicken, dass das Geschäft in der grünliberalen Fraktion zu einer heftigen Debatte geführt hatte. Grossmehrheitlich sehe man aber den Sanierungsbedarf und anerkenne die ökologischen Massnahmen, die mit dem Projekt verbunden seien. Der Grünliberale Marcel Baur votierte als Einzelmaske gegen die Vorlage; für ihn ist das Vorgehen ohne wirkliche Abstimmung aufs Unterführungsprojekt nicht akzeptabel.

Christian Huber kritisierte namens von Grünen und Jungen Grünen ebenfalls etliche Punkte am Sanierungsvorhaben. Er monierte vor allem, dass man die alten, durchaus noch tauglichen Wartehäuschen für 110'000 Franken durchs neue Modell «Gallus» ersetzen wolle. Das sei vor dem Hintergrund der Sparbeschlüsse des Stadtrats fürs Budget 2021 schwer nachvollziehbar. Seine Fraktion werde aber Ja zum Geschäft sagen; es habe für sie letztlich mehr Vor- als Nachteile.

Ja zur Vorlage, gekoppelt mit Sparappellen

SP/Juso/PFG-Sprecherin Beatrice Truniger kündigte für ihre Fraktion ein Ja zur Vorlage an – und setzte gleichzeitig aufs Prinzip Hoffnung: Die Baudirektion habe die Kritik am Projekt sicher gehört und werde jetzt abwägen, was davon berechtigt sei und was nicht. Da sie nicht wolle, dass Busse in der zu kurzen Haltestelle den Fussgängerstreifen oder die Strasse blockierten, werde die CVP/EVP-Fraktion Ja zum Geschäft stimmen, kündigte auch Ivo Liechti an – und rief den Stadtrat dazu auf, wirklich nur das Geld auszugeben, das nötig sei.

Stadträtin Maria Pappa.

Stadträtin Maria Pappa.

Bild: PD (29.6.2020)

Stadträtin Maria Pappa verteidigte die Vorlage. Sie bezweifelte, dass Laien den Sanierungsbedarf im Untergrund beurteilen könnten. Dieser Bedarf sei angesichts von Verwerfungen gegeben; verschiedentlich habe man in der Haltestelle die Betonplatten der Fahrbahn deswegen reparieren müssen.

Der Rat lehnte den SVP-Rückweisungsantrag mit zehn zu 41 Stimmen bei drei Enthaltungen ab. Die Vorlage wurde danach mit 44 Ja gegen sieben Nein und vier Enthaltungen gutgeheissen.