Podium zu Wahlen in Wittenbach: Näf punktet mit Wissen und Offenheit

Georges Gladig, Norbert Näf und Oliver Gröble, die drei Kandidaten für das Wittenbacher Gemeindepräsidium, haben am Dienstag am «Tagblatt»-Podium vor 350 Zuhörern die Klingen gekreuzt. Der auswärtige CVP-Mann Näf überraschte mit Dossierkenntnis.

Daniel Wirth
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Volles Haus beim «Tagblatt»-Podium in der Aula des OZ Grünau (Bild: Ralph Ribi)

Volles Haus beim «Tagblatt»-Podium in der Aula des OZ Grünau (Bild: Ralph Ribi)

Eines vorweg: Von den drei Kandidaten, die sich am 23. September um die Nachfolge des zurücktretenden Gemeindepräsidenten Fredi Widmer (CVP) bewerben, fiel keiner ab am «Tagblatt»-Podium in der Aula des Oberstufenzentrums Grünau – bis zur Fragerunde. Aber es gab einen Sieger nach Punkten: Norbert Näf.

Der CVP-Mann, der Gemeinderatsschreiber in Untereggen ist, bestach durch Dossierkenntnis und Offenheit. Er hob sich von Georges Gladig (FDP) und Oliver Gröble (parteilos) ab. Auf die Frage des Moderatorenduos Noemi Heule und Adrian Lemmenmeier nach dem Wahlkampfbudget antwortete Näf: «36000 Franken.» Gladig sprach von «mehreren Tausend Franken», während Gröble Wert darauf legte, er habe kein Spendenkonto und wende aus eigenem Sack «gut 8000 Franken» auf.

Auf die Frage, ob er mit seinen 61 Jahren nicht zu alt sei für das Amt des Gemeindepräsidenten, antwortete Gladig:

«Die 60-Jährigen von heute sind die 50-Jährigen von damals.»

Der Freisinnige las den Brief einer 86-jährigen Frau vor, die wie er voll im Saft stehe und ihn vorbehaltslos als Gemeindepräsident wähle. Für die Lektüre setzte sich der Präsident der Oberstufenschulgemeinde eine Lesebrille auf die Nase.

Gladig kennt man in Wittenbach. Die politische Ausrichtung des Freisinnigen ist bekannt. Er sei kein FDP-Hardliner und er könne es auch mit den Sozialdemokraten.

Näf sagte von sich, er sei in der CVP daheim, wobei bei einer Majorzwahl die Parteizugehörigkeit nicht prioritär sei. Gröble, Leiter der kantonalen Standortentwicklung, wand sich: Er sei «weder extrem links noch extrem rechts». Er sei auch kein typischer Politiker, sondern ein Brückenbauer, Kommunikator und Motivator.

Alle drei Kandidaten sind für eine Einheitsgemeinde

Wittenbach kennt heute drei Gemeinden: die Politische, die Primarschul- und die Regionale Oberstufengemeinde Grünau. Alle drei Kandidaten für das Gemeindepräsidium sind dafür, aus den drei Körperschaften eine Einheitsgemeinde zu bilden.

Gladig will «Lösungen finden mit allen Parteien», Gröble hat «kein Patentrezept», bevorzugt aber einen Zusammenschluss «in zwei Schritten», und Näf sagte, er könne sich vorstellen, gerade mit Blick auf die Eltern aus Muolen und Berg einen Elternbeirat parallel zur ordentlichen Schulkommission zu bilden. Der auswärtige Kandidat bestach mit den konkretesten Vorschlägen für die Bildung einer Einheitsgemeinde Wittenbach.

Gesellige Stimmung bei Oliver Gröble, Norbert Näf und Georges Gladig vor der Podiumsdiskussion. (Bild: Ralph Ribi)

Gesellige Stimmung bei Oliver Gröble, Norbert Näf und Georges Gladig vor der Podiumsdiskussion. (Bild: Ralph Ribi)

Ein weiterer Themenschwerpunkt des «Tagblatt»-Podiums waren die Finanzen und der Steuerfuss, der in diesem Jahr erstmals seit 2010 gesenkt wurde. Gladig sagte, Wittenbach habe viele gebundene Ausgaben und es stünden grosse Investitionen an beispielsweise mit dem Bau eines neuen Schulhauses. Für ihn stehe darum das Halten des momentanen Steuerfusses im Fokus.

Das sieht auch Gröble so, wie er ausführte. Der Parteilose, der seit acht Jahren in Wittenbach lebt, will das Steuersubstrat der Gemeinde verbessern. Hier könne der Gemeinderat mit einer gesunden Bodenpolitik das seine beitragen, um gute Steuerzahler anzulocken. Ganz schlecht findet Gröble beim Steuerfuss einen Jo-Jo-Effekt; ein solcher verursache Unsicherheit.

Näf sagte, die Gemeinde verfüge über ein Eigenkapital von rund acht Millionen Franken. Der CVP-Mann bezeichnete die Sozialhilfequote der Gemeinde Wittenbach als «sehr hoch» mit einem exakten Hinweis auf das kantonale Ranking. Und obschon Investitionen anstünden in nächster Zeit, sieht Näf in Wittenbach das Potenzial für eine weitere Steuerfusssenkung, wie er sagte – um zu betonen, er sei ein Verfechter des Steuerwettbewerbs unter Gemeinden. Während Gröble und Gladig sich beim Steuerfuss etwas beliebig ausdrückten, sprach Näf Klartext und machte als Einziger Hoffnung auf eine weitere steuerliche Entlastung der Einwohnerschaft.

Näf bis am Schluss mit den pointiertesten Aussagen

Das Bruggwald-Quartier an der Grenze zur Stadt St. Gallen war ebenfalls ein Thema. Dort leben Wittenbacher, die sich als St. Galler fühlen und gerne zur Stadt gehörten. Eine Grenzbereinigung halten alle drei Kandidaten für ein schwieriges Unterfangen. Wichtig sei, darin waren sich Gladig, Näf und Gröble einig, dass die Gespräche mit der Stadt weitergeführt würden. Eine Fusion mit St. Gallen würden alle drei möglichen Gemeindepräsidenten nicht forcieren; Kooperation statt Fusion war der Tenor. Aber auch hier lehnte sich Näf am weitesten aus dem Fenster: «Wittenbach hat das Potenzial zur Eigenständigkeit.» Bei der kantonalen Abstimmung über ein Verhüllungsverbot stimmen alle drei Nein, wie sie sagten. Genau so bei den Agrar-Initiativen auf Bundesebene. Ja sagen sie zum Veloweg-Beschluss.

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