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Viel Glanz, wenig Inhalt: Professor kommentiert Gossauer Labelsammlung

Gossau nennt sich nun «Blue Community». HSG-Professor Christian Laesser bezweifelt, dass das etwas nützt.
Melissa Müller
Hahnenburger ist in. Auch in Gossau.

Hahnenburger ist in. Auch in Gossau.

An offiziellen Anlässen soll in Gossau ab sofort Hahnenburger statt «Blöterliwasser» ausgeschenkt werden. Denn die Stadt schmückt sich neuerdings mit der Auszeichnung «Blue Community» («Tagblatt» vom 9. September). Die «Blue Community», ein internationales Netzwerk, dem auch das Hilfswerk HEKS angehört, will für die Bedeutung von Wasser als öffentliches Gut sensibilisieren. Die Botschaft: Wer lokales, nicht abgefülltes und nicht transportiertes Wasser trinkt, schone die Umwelt.

Labels und Zertifizierungen sind in Mode. Ob Energiestadt, Smart City, Schmetterlings-Gemeinde oder Kinderfreundliche Gemeinde: Die Behörden lassen sich einiges einfallen, um im Namen der Standortförderung ihr Image aufzupolieren. Gossau etwa nennt sich seit 1999 Energiestadt und trägt seit diesem Jahr die Auszeichnung «Fair-Trade-Town». Und nun also auch noch «Blue Community».

Christian Laesser, HSG-Professor

Christian Laesser, HSG-Professor

«Die Absicht dahinter mag ehrenwert sein, aber das klingt nach wenig Inhalt», sagt Christian Laesser, Titularprofessor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der HSG. Er frage sich: Was ist der Hintergrund, so etwas zu machen? Ist Wasser ein Problem in Gossau? Muss man etwa dringend Wasser sparen? «Wir leben im Wasserschloss Europas», so Laesser. Ein solches Label mache eher Sinn in einem Land, das unter Wassermangel leidet. «Ist es Aufgabe der Stadt, ihre Bürgern dazu zu erziehen, dass sie Hahnenwasser trinken, obwohl dazu keine Notwendigkeit besteht?»

«Ohne Regeln ist es nur ein Lippenbekenntnis»

Die Aktion erinnert den Professor an «jene austauschbare Claims, die sich Gemeinden verpassen, um sie erst hinterher mit Sinn zu füllen.» Seine Prognose: «Das bleibt relativ wirkungslos.» Man begegnet auf Ortstafeln und Webseiten oft solchen Labels. «Ich glaube, dass man sich damit längerfristig eher schadet», sagt Laesser. Für ein ernst zu nehmendes Label brauche es erstens klare, allgemein verbindliche Regeln. Und zweitens Kontrollen. «Ohne striktes Regime bleibt es beim Lippenbekenntnis.»

Beides ist bei der Auszeichnung «Blue Community» nicht der Fall. Die Organisation regt dazu an, mehr Leitungswasser zu trinken. Dabei auferlegt sich die Stadt Gossau eine Selbstverpflichtung. Kontrollen, ob die Grundsätze tatsächlich eingehalten werden, gibt es nicht. Laesser hinterfragt auch das Label «Fair-Trade-Town». Es bedeutet zum Beispiel, dass in Gossauer Altersheimen Fair-Trade-Honig aufs Brot geschmiert wird und Angestellte der Stadtverwaltung Fair-Trade-Kaffee trinken.

Zu Gunsten des Titels «Fair-Trade-Town» verpflichten sich Gossauer Restaurants dazu, drei fair gehandelte Produkte zu verwenden. «Mit solchen Massnahmen gleich auf die ganze Stadt zu schliessen, ist vermessen», sagt Laesser. Dann müsste man eher von einem «Fair-Trade-Altersheim» sprechen und dort eine üppige Bandbreite an fairen Produkten anbieten, meint er.

Wegen Greta weniger fliegen?

Haltung und Verhalten würden bei solchen Projekten oft auseinander klaffen, sagt der Professor. Er spricht von einem «Attitude Behaviour Gap». Die meisten Menschen würden auch nicht weniger fliegen wegen Greta Thunberg, so Laesser. Es sei schwierig, sich als Einzelperson altruistisch zu verhalten, wenn alle anderen sich nicht darum scheren.

Ein Individuum verändere sein Verhalten nur, wenn es daraus einen direkten Nutzen ziehen könne. «Es ist absolut richtig, dass Greta Thunberg Massnahmen fordert», sagt Laesser. «Bei solchen Themen bewegt sich nur etwas, wenn die Politik Regeln aufstellt und alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Opfer bringen müssen.»

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