Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Geisterspiele des FC Lugano im Kybunpark: Viel Aufwand für wenige Zuschauer

Der FC Lugano spielt in der Europa League im Kybunpark. Das stellt Polizei und VBSG vor Herausforderungen – trotz leerer Ränge.
Christoph Renn
Tessiner im Exil: Gerade einmal 1200 Zuschauer haben sich das Spiel zwischen dem FC Lugano und Dynamo Kiew im Kybunpark angeschaut. Bild: Samuel Golay/Ti-Press

Tessiner im Exil: Gerade einmal 1200 Zuschauer haben sich das Spiel zwischen dem FC Lugano und Dynamo Kiew im Kybunpark angeschaut. Bild: Samuel Golay/Ti-Press

Aus sportlicher Sicht war das Spiel in der Europa League gegen Dynamo Kiew für den FC Lugano erfolgreich. Die Tessiner holten mit dem 0:0 ihren ersten Punkt in der diesjährigen Europa-League-Kampagne. Doch spielten die Luganesi vor lediglich knapp 1300 Zuschauern.

Es handelte sich dabei aber nicht um ein Geisterspiel. Weil das Stadion Cornaredo nicht Europa-League-tauglich ist, spielen die Tessiner ihre Heimspiele im 265 Kilometer entfernten Kybunpark in St.Gallen. Trotz weniger Fans waren die Stadtpolizei und die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) im Einsatz. Lohnt sich das?

Wie viel Stadionmiete Lugano an den FC St.Gallen zahlt, sagt Mediensprecher Daniel Last nicht. «Die Kampagne von Lugano ist für uns aber in keinem Fall ein Verlustgeschäft.» Für das Catering lohnen sich die Spiele in einem fast leeren Stadion mässig.

«Natürlich bedeuten mehr Zuschauer auch mehr Umsatz.» Aber das Catering sei bei weniger Zuschauern nicht automatisch ein Minusgeschäft. Die Spiele der Tessiner bringen aber noch ein weiteres Problem mit sich. Die Anspielzeit des nächsten Matches am 7.November ist auf 18.55 Uhr angesetzt. Eine Vereinbarung besagt aber, dass während der Öffnungszeiten der Shopping-Arena nicht gespielt werden darf.

«Es ist richtig, dass es einer Zustimmung seitens Shopping-Arena, Ikea und West-Center bedarf», sagt Last. Diese liege bereits vor. Eine Belastung sind die zusätzlichen Lugano-Spiele im Kybunpark auch für den Rasen. «Der Platz präsentiert sich derzeit aber in einem sehr guten Zustand», sagt Last. Auch der Pilz, der den Rasen in diesem Jahr wiederholt angegriffen hat, sei komplett unter Kontrolle.

Für alle Fälle bereit

Einen zusätzlichen Aufwand bringen die Gastspiele des FC Lugano im Heimstadion des FC St.Gallen für die Stadtpolizei. Obwohl die Tessiner das Heimteam sind, müssen die St.Galler Polizisten rund ums Stadion für Sicherheit sorgen. Obwohl der Fussballabend vergangene Woche mit offiziell 1281 Zuschauern und nur wenigen Gästen aus Kiew ruhig verlief, musste die Polizei für alle Fälle vorbereitet sein.

«Wir klären auf verschiedenen Kanälen ab, mit wie vielen Besucherinnen und Besuchern zu rechnen ist», sagt Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. Diese seien neben anderen die institutionalisierte nationale Fussballinformationsstelle (NFIP), eigene Quellen wie die Fachstelle Hooliganismus, Vertreter der Gastmannschaft und der Kontakt mit den Veranstaltern.

Dabei gehe es um Gewaltbereitschaft und Verhalten bei früheren Spielen. «Mit diesen Informationen wird eine Risikoeinschätzung vorgenommen. Es werde jeweils auch geprüft, ob sich eine spezielle Fantrennung mit baulichen Massnahmen anbiete. Aus diesen Informationen werde berechnet, wie viel Personal für ein Spiel aufgeboten werden müsse.

«Uns waren einige Problemgruppen bekannt»

In Bezug auf das Spiel zwischen Lugano und Kiew waren laut Roman Kohler nur wenige Informationen vorhanden. «Uns waren einige Problemgruppen bekannt.» Zudem achte bei solchen Spielen auch der Zoll darauf, ob solche Gruppen einreisen wollten. Von einer Gruppe aus der Fankurve von Dynamo Kiew hatte die Polizei gewusst, dass sie individuell ans Spiel im Kybunpark anreiste.

«Der Abend verlief aus unserer Sicht aber ruhig und anständig. Es gab lediglich kleinere Auseinandersetzungen zwischen Einzelpersonen aus den beiden Fanlagern, aber keine Schlägereien», sagt Kohler. Wegen der Präsenz der Polizisten, zivilen Szenenkenner und mobilen Zugriffteams konnten Probleme frühzeitig erkannt und Zwischenfälle verhindert werden. Trotzdem wurde ein Dynamo-Kiew-Fan in einer Toilette blutig geschlagen. «Das geschah in der Shopping-Arena, sprich auf Privatgrund. Da sind wir nicht für die Sicherheit zuständig.»

Für die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) stand die Arbeit vor allem vor dem Spiel im Kybunpark an. «Wir wussten, dass nicht allzu viele Fans kommen werden», sagt Martin Meier, Verantwortlicher für die Fussballspiele bei VBSG. So hätten sie zuerst einen Einsatzleiter und vier Busse eingeplant.

Wenige Tage vor dem Match hätten sie jedoch vor der Polizei eine erwartete Zuschauerzahl von 2800 erhalten. «Dann haben wir entschieden, dass ein Bus, der zweimal vom Kybunpark in die Stadt fährt, ausreicht.» Als sie dann aber gemerkt hätten, dass das Stadion fast leer sei, habe eine Fahrt mit einem Bus ausgereicht. Gestern standen bei St.Gallen-Basel 13 Busse im Einsatz.

Reise über den San Bernardino ist nicht lukrativ

Die FC St. Gallen Event AG vermietet dem FC Lugano den Kybunpark für dessen drei Heimspiele in der Gruppenphase der Europa League. Zu welchem Preis? Darüber schweigen sich die Verantwortlichen des FC St. Gallen und des FC Lugano freilich aus. Der Grund für die drei Reisen des FC Lugano über den San Bernardino nach St. Gallen ist ein einfacher: Das Stadion Cornaredo genügt den strengen Auflagen der Uefa nicht.

Das kennen die St. Galler aus eigener Erfahrung. Nach dem Gewinn der Meisterschaft im Jahr 2000 spielte der FC St. Gallen ebenfalls europäisch. Seine Heimspiele gegen Galatasaray Istanbul in der Qualifaktion für die Champions League und im damaligen Uefa-Cup gegen Chelsea London und gegen den FC Brügge trug der FC St. Gallen 2000 im Stadion Hardturm in Zürich aus und nicht im altehrwürdigen «Espenmoos». Es genügte der Uefa auch nicht.

Dasselbe ein Jahr später: Nach dem Erreichen des dritten Platzes spielte der FC St. Gallen im Uefa-Cup gegen Steaua Bukarest und gegen den SC Freiburg. Wieder musste er nach Zürich ausweichen und er liess Abertausende mitgebrachter Olma-Bratwürste vor dem «Hardturm» grillen. Das Stadion in Zürich war bei den Heimspielen des FC St. Gallen ausverkauft oder die Ränge waren gut besetzt. Der Uefa-Cup war für St.Gallen ein lukratives Geschäft.

Aber: St. Gallen-Zürich ist nicht der gleiche Weg wie Lugano-St. Gallen. Und Chelsea London und der SC Freiburg sind nicht die gleichen Gegner wie Dynamo Kiew, Kopenhagen oder Malmö. Am Donnerstagabend verliefen sich 1281 Zuschauer in den Kybunpark, um sich den Match der Tessiner gegen den ukrainischen Meister anzusehen.

Die Ostschweizer werden vom FC Lugano gelobt. «Der FC St. Gallen ist ein professioneller und aufmerksamer Gastgeber», sagt Stefano Trabattoni, Mediensprecher des FC Lugano. «Wir sind sehr zufrieden in St. Gallen». Übernachtet haben die Mannschaft und der Staff des FC Lugano im Hotel Uzwil in Uzwil. Das machten die Luganesi immer so, wenn sie nach St. Gallen reisten, sagt Trabattoni. Die Tessiner fühlen sich wohl dort.

Für das 0:0-Unentschieden erhielten die Tessiner von der Uefa eine Prämie von 210000 Franken. Für die Stadionmiete, den Car und die Übernachtung dürfte schon einen Grossteil des Geldes weg sein. Mit einem Sieg hätten sie 630000 Franken eingespielt. Gut: Allein für die Teilnahme an der Gruppenphase erhält der FC Lugano eine Startprämie von 3,2 Millionen Franken. Nach Mailand hatte der FC Lugano nicht ausweichen dürfen (Luftlinie 60 Kilometer). Ein Ausweichen ins Ausland ist nicht zulässig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.