Verwirrung nach angeblicher Hausbesetzung in der Stadt St.Gallen: Mit Transparenten Aufnahme von Flüchtlingen gefordert

In der Nacht auf Montag hat ein «Kollektiv solidarischer Menschen» an drei oder vier leerstehende Häuser in der St.Galler Innenstadt Transparente aufgehängt. Dass in der Medienmitteilung dazu von Hausbesetzungen geschrieben wird, hat bei nationalen Medien Verwirrung ausgelöst.

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Ein Kollektiv fordert dazu auf, Flüchtlinge aus Griechenland unkompliziert aufzunehmen: Transparente am Hotel Ekkehard und an der Felsenstrasse.

Ein Kollektiv fordert dazu auf, Flüchtlinge aus Griechenland unkompliziert aufzunehmen: Transparente am Hotel Ekkehard und an der Felsenstrasse.

Bild: PD (13.9.2020)

(vre/rms/lim) In der Nacht auf Montag hat das «Kollektiv solidarischer Menschen» in der St.Galler Innenstadt leerstehende Häuser höchstens symbolisch besetzt: An Abbruchhäusern an der Felsenstrasse, an der Villa Wiesental an der Rosenbergstrasse 95, am ehemaligen Hotel Ekkehard an der Rorschacher Strasse 50 sowie am ehemaligen Kino Rex am Blumenbergplatz seien Transparente aufgehängt worden, heisst es in einer Mitteilung. So will das Kollektiv darauf aufmerksam machen, dass es viele Häuser gibt, in denen sich Flüchtlinge unterbringen liessen.

Das Kollektiv, das hinter der Aktion steht, ist vorher noch nie in Erscheinung getreten. Seine Forderungen sind vor dem Hintergrund des Feuers im Flüchtlingslager Moria in Griechenland zu sehen: «Nachdem es letzte Woche niedergebrannt ist, sind aktuell Tausende Flüchtlinge ohne Unterkunft, Verpflegung und Gesundheitsversorgung», heisst es in der Mitteilung des Kollektivs. Es sei «eine Schande» für jedes Land, das nicht reagiere und Schritte unternehme, um diese Menschen aufzunehmen.

Polizei klärt allfällige rechtliche Folgen ab

Die Stadtpolizei St.Gallen war am Montagmorgen bei den Häusern und hat Kontrollen durchgeführt, wie Mediensprecher Dionys Widmer auf Anfrage bestätigt. «Personen haben wir keine feststellen können», sagt er. Transparente, die an die Fassaden gehängt wurden, habe die Polizei wieder abgehängt:

«Man darf nicht einfach an fremden Häusern Transparente aufhängen.»

Ob und inwiefern die Aktion für die Aktivistinnen und Aktivisten ein Nachspiel hat, kann der Mediensprecher am Mittag noch nicht sagen. «Interne Abklärungen laufen.»

Für die Stadtpolizei ist klar: «Es wurden keine Häuser besetzt»

In nationalen Online-Medien hat die Mitteilung des Kollektivs zur Aktion mit den Transparenten Verwirrung am Vormittag ausgelöst. «NZZ online» schreibt etwa auf Basis einer Meldung der «Nachrichtenagentur Keystone-SDA», dass in der Stadt St.Gallen Häuser besetzt worden seien. Was nach Angaben der Polizei definitiv nicht der Fall ist: Es seien keine Einbruchsspuren an den in der Mitteilung des Kollektivs genannten vier Adressen gefunden und auch keine Personen im Inneren dieser Häuser festgestellt worden.

«Wir haben Platz»: Das Transparent an der seit Jahren leerstehenden Villa Wiesental an der Rosenbergstrasse 95.

«Wir haben Platz»: Das Transparent an der seit Jahren leerstehenden Villa Wiesental an der Rosenbergstrasse 95.

Bild: PD (13.9.2020)

Ebenfalls nicht ganz klar ist, an wie viele Liegenschaften Transparente gehängt wurden: Die Medienmitteilung spricht von drei Häusern, die «besetzt» worden seien, listet aber vier Adressen auf. Die Stadtpolizei St.Gallen habe die vier Adressen kontrolliert, sagt dazu Mediensprecher Dionys Widmer. An drei Häusern seien Transparente festgestellt und abgehängt worden. Am alten Kino Rex am Blumenbergplatz habe man aber keines gefunden.

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