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Dreikampf ums Wittenbacher Gemeindepräsidium: Verwaltungsprofi Norbert Näf ist fachlich konkurrenzlos

Drei Kandidaten wollen Wittenbachs Gemeindepräsident werden: Georges Gladig (FDP), Oliver Gröble (parteilos) und Norbert Näf (CVP). Redaktor Johannes Wey empfiehlt Norbert Näf zur Wahl.
Johannes Wey
Georges Gladig, Norbert Näf und Oliver Gröble am "Tagblatt"-Podium. (Bild: Ralph Ribi)

Georges Gladig, Norbert Näf und Oliver Gröble am "Tagblatt"-Podium. (Bild: Ralph Ribi)

Ein «frischer Wind», einer «voller Energie» oder einer «von uns» – die Wittenbacherinnen und Wittenbacher haben am 23. September die Wahl zwischen drei Kandidaten für das Gemeindepräsidium. Mit Georges Gladig und Norbert Näf hat die überparteiliche Findungskommission schon Mitte Juni zwei Kandidaten der politischen Platzhirsche FDP und CVP präsentiert. Später stieg auch der parteilose Oliver Gröble ins Rennen. Diese Ausgangslage macht einen zweiten Wahlgang am 25. November wahrscheinlich. Ein Wermutstropfen ist, dass nur Männer kandidieren – doch das ist nicht allein ein Wittenbacher Problem. Immerhin wird mit Silvia Schlegel wieder eine Frau in den Gemeinderat einziehen.

Wer auch immer die Wahl für sich entscheidet, an Herausforderungen wird es ihm nicht mangeln. Zwar sind dem abtretenden Gemeindepräsidenten Fredi Widmer zum Schluss noch einige grosse Würfe gelungen: Der Kappelhof ist ausgegliedert und im Zentrum wird gebaut. Wenn dort nun tatsächlich ein Begegnungsort entsteht, wie ihn alle Kandidaten versprechen, wird das zu einem grossen Teil Widmers Verdienst sein.

Die Bürger über partizipative Verfahren besser ins Boot zu holen, ist ein weiteres Ziel, das die Kandidaten teilen. Diese müssen aber erst beweisen, dass sie daran tatsächlich interessiert sind. Denn auch in alter Besetzung hat sich der Gemeinderat jüngst an der Partizipation versucht. Doch als es im Rahmen von «Zukunft Wittenbach» dann um die Knochenarbeit ging, erschienen lediglich 35 Einwohnerinnen und Einwohner.

Ein Antrittsgeschenk Fredi Widmers an seinen Nachfolger ist die Finanzlage: Das strukturelle Defizit ist überwunden. Doch das kann sich schnell wieder ändern. Seit diesem Sommer wird für knapp 27 Millionen Franken ein neues Schulhaus gebaut. Bei der Gemeinde geht man davon aus, dass es dafür keine Steuerfusserhöhung braucht. Dies setzt aber voraus, dass das Schulhaus Dorf und die Neuhus-Wiese für einen zweistelligen Millionenbetrag verkauft werden können. Damit sind nicht alle Bürgerinnen und Bürger einverstanden. Und alle drei Kandidaten haben hier bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert.

In Sachen Schule wartet noch eine ganz andere Baustelle auf den neuen Gemeindepräsidenten. Von ihm wird erwartet, in Wittenbach endlich eine Einheitsgemeinde zu installieren. Auch hier sind sich alle Kandidaten einig und favorisieren die ambitionierte Variante: Die grosse Einheitsgemeinde inklusive Oberstufe. Damit haben sie Erwartungen geweckt, die schwer zu erfüllen sind. Nicht ohne Grund hat sich das Thema Einheitsgemeinde in Wittenbach zum Dauerbrenner entwickelt.

Von den drei Kandidaten lässt sich Oliver Gröble am schlechtesten einordnen – und es scheint, als stecke da Kalkül dahinter. Mit seiner Unabhängigkeit, sogar bei der Wahlkampffinanzierung, hat der parteilose Gröble viele Sympathien gewonnen.Konkrete Positionen hat er kaum bezogen. Er sei weder extrem links noch extrem rechts, «kein typischer Politiker» und könne sich je nach Thema mit Positionen aller Parteien identifizieren.

Gröble hat auch darauf verzichtet, sich der Findungskommission zu stellen. Um voll und ganz unabhängig zu bleiben, wie er sagt. Das ist sein gutes Recht und vermutlich hätte er vor einem Gremium eingefleischter Parteivertreter schlechte Karten gehabt. Doch dieser Verzicht macht es den Stimmbürgern nicht einfacher, den Kandidaten einzuschätzen. Unbestrittenermassen bringt der Rechtsanwalt und Standortförderer einen Leistungsausweis und ein grosses Netzwerk mit. Beim «Tagblatt»-Podium hat er sich aber keinen Gefallen getan, als er eingestand, dass er noch an keiner Bürgerversammlung teilgenommen hat. Der Grund: Er habe sich als Standortförderer «nicht einmischen» wollen. Zudem sei die Bürgerversammlung aus seiner Sicht zu wenig attraktiv. Gröble dürfte der Grund sein, weshalb es zu einem zweiten Wahlgang kommt. Zu mehr wird es ihm ohne grosse Partei im Rücken wohl nicht reichen.

Georges Gladig hält, was er mit seinem Slogan «einer von uns» verspricht. Er ist der Kandidat, den wohl jeder Wittenbacher schon vor dem Wahlkampf gekannt hat. Und das hat nicht nur mit seinem immensen Engagement in der Oberstufenschulgemeinde, im Sport oder im Serviceklub zu tun. Das Feuer, das ihm von verschiedenen Seiten attestiert wird, ist bei jeder Begegnung zu spüren. Georges Gladig kann es mit jedem, auch bei Meinungsverschiedenheiten. Das Feuer ist auch da, wenn Gladig von seiner Vision einer «Piazza» italienischen Zuschnitts in der Gemeinde spricht. Er hätte nicht nur kommunikativ das Zeug zum Gemeindepräsidenten, sondern auch von seinem breiten Erfahrungsschatz her – den man von einem 61-Jährigen auch erwarten darf. Für Gladig ist es allerdings sicher kein Vorteil, dass er bereits über 60 Jahre alt ist. Mit einem seiner mehr als zehn Jahre jüngeren Konkurrenten hätte Wittenbach einen grösseren Planungshorizont.

Weniger bekannt als Gladig ist der Kandidat von ausserhalb. Doch Norbert Näf hat aufgeholt und dabei Oliver Gröble überflügelt. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist sicher der intensive Wahlkampf, in den Näf mit 36000 Franken mit Abstand am meisten investiert – was er unumwunden zugibt. Auch diese klare Kante dürfte zur wachsenden Popularität des CVP-Kandidaten beigetragen haben. Von allen dreien macht er die konkretesten Aussagen, darunter auch unbequeme. Dabei lässt er wohlkalkuliert seine bereits beachtliche Kenntnis der Wittenbacher Verhältnisse aufblitzen.

Ein No-Name war Näf ohnehin schon vor dem Start in den Wahlkampf nicht. Voraus eilt ihm sein Ruf aus Heiden, wo er zehn Jahre lang erfolgreich Gemeindepräsident war. Näf ist unbestritten ein Verwaltungsprofi – in einer Gemeindeverwaltung von der Grösse Wittenbachs, die auch ein Eigenleben entwickeln kann, ein unschätzbarer Vorteil. Was ihm fehlt: Erfahrung in der Privatwirtschaft. Unter dem Strich aber ist er bei der Wittenbacher Wahl in Sachen fachlicher Eignung konkurrenzlos.

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