Verschmutzung
Quellwasser ist mit Perfluoroctansäure verunreinigt: Goldach nimmt zwei Quellen vom Netz der Wasserversorgung

Das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen hat das Wasser der Quellen Höhe, Altburg und Feldmoos einer chemischen Analyse unterzogen. Bei zwei Quellen wurde ein erhöhter Wert des Stoffes Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) festgestellt. Diese wurden vorsorglich vom Netz der Wasserversorgung genommen. Ständige Messungen zeigen laut Gemeindepräsident Dominik Gemperli, die Werte (ohne PFOS) im Netz sind jetzt gut.

Rudolf Hirtl
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Gemeindepräsident Dominik Gemperli betont, dass die Qualität des Goldacher Trinkwassers nach wie vor einwandfrei ist.

Gemeindepräsident Dominik Gemperli betont, dass die Qualität des Goldacher Trinkwassers nach wie vor einwandfrei ist.

Bild: Ralph Ribi

Am Montagnachmittag hat der Goldacher Gemeinderat darüber informiert, dass die Quellen Höhe und Altburg vorsorglich vom Netz der Wasserversorgung genommen wurden. Dies, weil bei diesen Quellen bei Messungen vor drei Wochen ein erhöhter Wert des Stoffes Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) festgestellt worden sei. Die Quelle Feldmoos ist nicht betroffen und wird weiter genutzt. Ansonsten erfolgt die Versorgung nun vollumfänglich mit Seewasser.

Eine gesundheitliche Gefährdung besteht nicht

«Es ist nicht auszuschliessen, dass die Grenzwerte beim Trinkwasser in der Vergangenheit sporadisch leicht überschritten waren,» räumt Dominik Gemperli ein. Das Thema Perfluoroctansulfonsäure bekomme in der wissenschaftlichen Wahrnehmung zunehmend Beachtung, so sei die Messkampagne des Kantons erstmals auch auf diesen Bereich ausgerichtet gewesen. Aber auch wenn PFOS erst in der jüngsten Vergangenheit an Aktualität gewonnen habe, sei ein Nachweis davon selbstverständlich schlecht. Das könne und wolle man nicht wegdiskutieren. Fakt ist laut Gemperli aber auch: «Die Gemeinde Goldach prüft mit Messungen die Qualität des Wassers regelmässig und sehr sorgfältig. Grundsätzlich ist die Wasserqualität in Bezug auf alle Werte, die von uns in der Vergangenheit gemessen wurden (ohne PFOS) einwandfrei.»

PFOS in Skiwachsen und Feuerlöschern

PFOS ist eine Verbindung, die in der Schweiz seit 2011 auf der Verbotsliste steht, aber jahrzehntelang bei der Herstellung einer Vielzahl von Produkten verwendet wurde: Beispielsweise in der Beschichtung von Outdoor-Kleidung, als Imprägnierung, in Backpapier, in Skiwachsen oder Feuerlöschern. So wird etwa der Fischrückgang in den Engadiner Seen mit dieser giftigen Fluorverbindung in Verbindung gebracht, die vor allem über den Skiwachs der Langläufer ins Gewässer gelangt. Im März 2018 gingen Tausende Plastikharassen und ein Kühllager der Tobi Seeobst AG in Egnach in Rauch auf. Angeblich hat Löschschaum eine nahe Wiese vergiftet. Ob die PFOS tatsächlich aus dem Löschschaum stammte, ist allerdings noch Gegenstand von Untersuchungen.

Keine nachvollziehbare Rückschlüsse

Derartige konkrete Rückschlüsse gibt es in Goldach nicht. Im Moment ist es nicht wirklich erklärbar, wie PFOS in das Quellwasser gekommen ist. Gemperli sagt:

«Das Unschöne ist, dass wir die Belastung nicht auf ein bestimmtes Ereignis zurückführen können.»

Es gebe mögliche Ursachen, etwa das Ausbringen von Klärschlamm, oder alte, unbekannte Deponien, doch seien dies momentan nicht mehr als Vermutungen.

Das Goldacher Trinkwasser wird regelmässig kontrolliert.

Das Goldacher Trinkwasser wird regelmässig kontrolliert.

Symbolbild: Reto Martin

Im schweizerischen Lebensmittelrecht liegt der aktuelle Höchstwert von PFOS für Trinkwasser bei 0,3 Mikrogramm pro Liter. In den Reservoirs selbst haben keine Messungen stattgefunden. Vor den Quellen war der Wert mit 0,4 Mikrogramm pro Liter leicht erhöht. Im Reservoir selber wird das Wasser mit anderem Quellwasser und auch mit Seewasser vermischt. Daher dürfte die Belastung im Reservoir deutlich unter 0,4 Mikrogramm pro Liter gewesen sein.

Spezialisten sind auf Ursachensuche

Laut Mitteilung sind Spezialisten der kantonalen Ämter daran, die Ursache für die Verschmutzung zu eruieren. Das Einzugsgebiet der Quelle liegt auf Gemeindegebiet von Eggersriet. Sobald bezüglich Verschmutzung Klarheit herrsche, werde der Gemeinderat entscheiden, ob die Quellen Höhe und Altburg wieder für die Trinkwasserversorgung von Goldach genutzt werden können.

Perfluoroctansäure

Langfristig sind gesundheitliche Schädigungen möglich

Perfluoroctansäure gilt nicht als akut toxisch. Bei längerfristiger Aufnahme können PFOS allerdings einen negativen Einfluss auf das Immunsystem und die menschliche Entwicklung haben. Heisst: Es kann toxische Auswirkungen auf die menschliche Leber, Niere, Schilddrüsen und Fruchtbarkeit haben. In Gewässern kann es langfristige Schädigungen hervorrufen. (eti/rtl)

Goldach beliefert auch Untereggen

Untereggen kauft bei Versorgungsengpässen Wasser der Trinkwasserversorgung Goldach zu, was bei anhaltender Trockenheit oder aber starken Regenfällen der Fall sein kann. Dieses wird dann im Gebiet Iltenriet direkt in die Hauptversorgungsleitung eingespeist. Die Wasserversorgung Untereggen wurde von den Technischen Betrieben Goldach darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Quellen Höhe und Altburg vorsorglich vom Netz genommen wurden, weil sporadische Überschreitungen des zulässigen Höchstwertes festgestellt wurden. Das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen hat auch alle Quellen in Untereggen beprobt und dabei keine erhöhten Werte von PFOS festgestellt.

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