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Ein Wittenbacher vermacht der Gemeinde Land und stellt eine Bedingung

Josef Steigmeier setzte sich zeit seines Lebens für Wittenbach ein. Auch nach seinem Tod widmete er einen Teil seines Erbes der Gemeinde – unter einer Bedingung.
Noemi Heule
Zwischen dem Schloss Egg mit Umschwung und dem Restaurant Hirschen findet sich noch ein Stück grüne Wiese. Es gehörte einst Dorfchronist Josef Steigmeier und ging nun in den Besitz der Gemeinde über. (Bild: Michel Canonica/Benjamin Manser)

Zwischen dem Schloss Egg mit Umschwung und dem Restaurant Hirschen findet sich noch ein Stück grüne Wiese. Es gehörte einst Dorfchronist Josef Steigmeier und ging nun in den Besitz der Gemeinde über. (Bild: Michel Canonica/Benjamin Manser)

Noch mit 89 Jahren kämpfte Josef Steigmeier. Er kämpfte für eine Grünfläche im Wittenbacher Zentrum. Ein kleiner Park, drei Bänke und ein paar Bäume, die nun der Überbauung Oedenhof weichen müssen. Es war sein letzter politischer Akt, bevor er nach einem Schlaganfall mit 90 Jahren verstarb. Auch nach seinem Tod allerdings setzt sich der ehemalige Dorfchronist für das Gemeinwohl ein. Per Testament.

Und wieder geht es um eine Grünfläche. Auf rund 720 Quadratmetern erstreckt sich an der Dorfstrasse eine Wiese, zwischen dem Restaurant Hirschen und dem Schloss Egg. Dieses Stück Land vermachte Josef Steigmeier der Gemeinde für einen Verkaufspreis von rund 290'000 Franken. Der Verkehrswert der Parzelle beträgt dagegen 430'000 Franken. Ein unverhofftes Geschenk für die Gemeinde: «Davon wussten wir im Vornherein nichts», sagt denn auch Gemeindepräsident Fredi Widmer. Das Geschenk ist aber an eine eigenwillige Bedingung geknüpft.

Eine «Herzensangelegenheit» war die Alte Konstanzerstrasse für Josef Steigmeier, der 2016 mit 90 Jahren verstarb. (Bild: Ruedi Steiner)

Eine «Herzensangelegenheit» war die Alte Konstanzerstrasse für Josef Steigmeier, der 2016 mit 90 Jahren verstarb. (Bild: Ruedi Steiner)

Einen «politisch Aktiven», nennt Fredi Zwickl vom Wittenbacher Ortsmuseum den Verstorbenen in seinem Nachruf. Aber auch einen «Sammler und geschichtlich Forschenden». Auf Auktionen, Flohmärkten und in Antiquariaten suchte Steigmeier nach Raritäten. Eine besonders fleissig gehegte Sammlung über den Zweiten Weltkrieg vertraute er später der Vadiana in St. Gallen an. Auch in Wittenbach dokumentierte er in unzähligen Bildern den historischen Wandel. Zum 1150-jährigen Bestehen der Gemeinde publizierte er auf eigene Kosten eine Kurzfassung der Gemeindegeschichte. Über 100 Bilder und noch mehr Ratschläge lieferte er später für die offizielle, 600 Seiten umfassende, Gemeindegeschichte.

Vom Säumerweg zum Wanderweg

Ganz besonders hatte es ihm die Alte Konstanzerstrasse angetan. Fredi Widmer spricht denn auch von einer «Herzensangelegenheit». Steigmeier selbst wohnte an der einstigen Verbindung zwischen dem Kloster St. Gallen und der Reichsstadt Konstanz. Die Bedingung, die er in seinem Nachlass festhielt, war denn auch der Alten Konstanzerstrasse gewidmet: Sollte die Gemeinde die Parzelle dereinst verkaufen, hat sie den Gewinn für den Unterhalt der historischen Strasse einzusetzen. Dieser Vorbehalt gilt für die kommenden 20 Jahre.

Konkret geht es um jenes Teilstück der historischen Strasse, das auf Wittenbacher Boden liegt. Dort, wo die Strasse beim Peter und Paul aus der Stadt hinaus, über Bruggwald nach Wittenbach und später in Richtung Häggenschwil wieder aus der Gemeinde hinausführt. Über Muolen, Amriswil und Kreuzlingen führt der Weg schliesslich nach Konstanz. Der mittelalterliche Säumerweg ist heute vor allem Wanderweg und nur noch teilweise im Original erhalten.

Das Stück Land von Josef Steigmeier, der 2016 als Junggeselle verstarb, steht so schnell nicht zum Verkauf. Was die Gemeinde mit der Parzelle auf dem Dorfhügel anstellen will, ist laut Fredi Widmer noch offen. Die Grünfläche zwischen dem Restaurant Hirschen und dem verwunschenen Schloss Egg soll jedenfalls noch eine Weile erhalten bleiben.

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