Verlassener Posten in Abtwil: Die Polizei ist auf und davon

Ab Anfang Dezember ist der Abtwiler Polizeiposten offiziell geschlossen. Die SVP Ortspartei klagt über einen vorzeitigen Abzug, weniger Polizeipräsenz und lange Anfahrtswege. Polizei und Gemeinde relativieren.

Noemi Heule
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Statt vor Ort auf dem Posten ist die Polizei künftig öfter auf Patrouille anzutreffen. (Bild: Keystone)

Statt vor Ort auf dem Posten ist die Polizei künftig öfter auf Patrouille anzutreffen. (Bild: Keystone)

Die Polizei hat den Posten in Abtwil geräumt. Seit heute wird die Gemeinde Gaiserwald offiziell vom Stützpunkt in Gossau aus betreut. Die Polizei sei schon länger weg, heisst es von Seiten der SVP Gaiserwald. Seit vergangener Woche wird der Posten im Internet als geschlossen vermeldet. Klammheimlich hätten sie sich aus dem Staub gemacht, wirft die Ortspartei den Ordnungshütern vor. Auch habe die Präsenz vor Ort merklich nachgelassen.

Der Mietvertrag sei Ende November ausgelaufen, sagt Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei, und die Zügelaktion im November durchgeführt worden, begründet er den vorzeitigen Rückzug.

«Der Übergang war somit fliessend und die polizeiliche Grundversorgung war, ist und wird jederzeit gewährleistet.»

Vor allem in Engelburg, entgegnet SVP-Vertreter Bruno Stump, sei die Polizei kaum noch unterwegs – und dies ausgerechnet in der Einbruchsaison. Als Beleg zeigt er Fotos von Wildparkierern in Engelburg. «Und die Polizei ist nicht da», sagt er, «oder sie schaut nicht hin.»

Gemeindepräsident stellt keinen Unterschied fest

Die Kantonspolizei nehme den Vorwurf zur Kenntnis, sagt Hanspeter Krüsi. «Das Empfinden stimmt jedoch mit der Wirklichkeit nicht überein.» Auch Boris Tschirky, Gemeindepräsident von Gaiserwald teilt die Auffassung nicht. Er sei viel unterwegs in der Gemeinde, stelle jedoch keinen Unterschied fest. Für Tschirky kam auch der Zeitpunkt des Umzuges nicht überraschend. Die neuen Einsatzkräfte, die künftig zusammen mit dem bestehenden Personal den Gaiserwalder Boden bewirtschaften, hätten sich bereits bei der Gemeinde vorgestellt. Bedenken, wie sie die SVP ausdrückt, seien bis anhin ebenfalls keine an ihn herangetragen worden – weder aus der Bevölkerung noch von anderen Ortsparteien. Dennoch versprach der Gemeinderat im Mai, als der Entscheid zur Schliessung des Postens definitiv gefällt wurde: Man werde die Entwicklung ab Dezember genau beobachten.

«Für jedes Portemonnaie nach Gossau reisen»

Die Gemeinde hatte sich in einer Stellungnahme gegen den Schritt ausgesprochen. Sie konnte den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements aber nicht mehr abwenden. Der Gemeinderat befürchtete damals eine «Anonymisierung und Entfremdung» zwischen Polizei und Bevölkerung.

«Die Nähe zur Bevölkerung kann die Polizei von Gossau aus nicht mehr gewährleisten», sagt denn auch Philipp Köppel, Präsident der SVP Gaiserwald. Vorher hätte jedermann kurz entschlossen auf dem Posten vorbeischauen können, um etwa eine Anzeige aufzugeben oder ein Fundstück abzugeben. «Nun muss man für jedes gefundene Portemonnaie nach Gossau reisen.» Von Abtwil und Engelburg aber, ohne direkte ÖV-Verbindung nach Gossau, sei diese Reise langwierig. Für die SVP hätte es deshalb mehr Sinn gemacht, die Gemeinde von St. Gallen aus zu betreuen. Auch, weil dieser Weg für die Einsatzkräfte im Notfall schneller zu bewältigen sei.

Schneller vor Ort

Polizeisprecher Krüsi dementiert: Im Notfall werde ohnehin jene Polizeipatrouille beauftragt, die am schnellsten vor Ort sei. «Es ist nicht von Bedeutung, woher die Einsatzkräfte kommen.» Die Polizei verstehe sich als Dienstleister und wolle nahe an der Bevölkerung sein, ergänzt er. Letztere könne sich über verschiedenste Kommunikationsformen an die Kantonspolizei St. Gallen wenden.

«Und wenn es wirklich nicht anders geht, wird die Polizei auch ausnahmsweise zum Bürger nach Hause kommen.»

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