Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Verkehrsbetriebe St.Gallen legen den Vorwärtsgang ein: Passagierrückgang endlich gestoppt

Trendwende bei den VBSG: Nach drei Jahren in Folge mit stark sinkenden Fahrgastzahlen sind diese 2017 wieder stabil geblieben. Eine teilweise Erneuerung der Busflotte und ein Leistungsausbau sollen wieder auf den Wachstumspfad zurückführen.
Daniel Wirth
Ein Autobus der Linie 10 auf dem Bahnhofplatz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein Autobus der Linie 10 auf dem Bahnhofplatz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Etwas mehr als 25 Millionen Fahrgäste haben die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) im vergangenen Jahr befördert. Das sind zwar marginal weniger als 2016, aber die Zahl von 25,073 Millionen Passagieren kann als stabil bezeichnet werden. Denn in den Jahren 2014 bis 2016 gingen die Fahrgastzahlen der VBSG zum Teil stark zurück.

Gut 25 Millionen Passagiere im Jahr; das entspricht 68'700 Fahrgästen am Tag. Weshalb die VBSG im vergangenen Jahr die Trendwende schafften, hat gemäss Unternehmensleiter Ralf Eigenmann verschiedene Gründe. Ganz exakt liessen sich die Ursachen aber nicht beweisen. Die Winter 2014, 2015 und 2016 waren relativ mild. Milde Winter wirkten sich im Nahverkehr auf die Fahrgastzahlen aus, sagt der VBSG-Chef.

Bei nicht allzu tiefen Temperaturen zögen auch im Dezember noch viele Leute das Velo dem Bus vor oder gingen zu Fuss zur Arbeit. Nicht unerwähnt lässt Eigenmann den E-Bike-Boom. Ohne den anhaltenden Trend verteufeln zu wollen, wie er sagt, glaubt er, wirke sich dieser negativ auf die Passagierzahlen der VBSG aus.

Verändertes Regime wegen Bahnhofplatz

Ein weiterer Grund für den damaligen Rückgang der Passagierzahlen könnte gemäss Eigenmann die laufende Erneuerung des Bahnhofplatzes und das damit temporär verfügte Verkehrsregime mit Haltekanten an der St.-Leonhard-Strasse vor dem Einkaufszentrum Neumarkt stadteinwärts und vor der Hauptpost stadtauswärts gewesen sein.

Da hätten viele ÖV-Passagiere, die normalerweise Busse der VBSG nutzten, aber ein Ostwind-Abonnement hätten, gemerkt, dass sie auch mit dem Postauto oder dem Regiobus auf dem Stadtgebiet von A nach B kommen. «Und das zum Teil noch schneller», sagt Eigenmann. Mittlerweile halten die Busse der VBSG und anderer ÖV-Anbieter wieder auf dem Bahnhofplatz.

Förderung öV nicht überholt

In Zusammenhang mit der bürgerlichen Mobilitäts-Initiative, die von den Stimmberechtigten der Stadt im März 2017 bachab geschickt worden ist, führten die Verfechter des motorisierten Individualverkehrs (MIV) gebetsmühlenartig ins Feld, die Passagierzahlen der VBSG gingen zurück, was ein Indiz dafür sei, dass die Förderung des Öffentlichen und Langsamverkehrs überholt sei.

Ralf Eigenmann will das so nicht stehen lassen. Die Passagierzahlen der VBSG seien kurzfristigen Schwankungen ausgesetzt; das sei normal. Im Vergleich mit dem Jahr 2010 lägen die 2017er-Fahrgastzahlen 6,9 Prozent im Plus. Das sei für ihn wichtig, sagt Ralf Eigenmann. Nach einer totalen Erneuerung der Busflotte 2007 und dem Ausbau des Leistungsangebotes stiegen die Fahrgastzahlen 2011 gemäss dem VBSG-Chef sprunghaft an; dieser Trend habe sich 2012 und 2013 fortgesetzt, aber nicht mehr im gleichen Ausmass. Dann gingen die Zahlen 2014 bis 2016 zurück.

2017 mit Gewinn abgeschlossen

Während 2013 noch 27,5 Millionen Leute befördert worden waren, waren es 2017 knapp 2,5 Millionen weniger. Trotzdem: Die VBSG fuhren im vorigen Jahr einen Gewinn von rund 500'000 Franken ein; im Jahr zuvor war das Unternehmensergebnis noch ein Minus von 300'000 Franken gewesen. Zum besseren finanziellen Resultat trug aber nicht etwa ein höherer Verkehrsertrag aus dem Verkauf von Billetten und Abonnements bei, sondern ein geringerer Aufwand beim Fahrzeugunterhalt, wie dem Geschäftsbericht 2017 zu entnehmen ist.

Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St.Gallen (Bild: Benjamin Manser - 18. Juli 2017)

Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St.Gallen (Bild: Benjamin Manser - 18. Juli 2017)

Die Flotte der VBSG umfasst gegenwärtig 77 Fahrzeuge. Die meisten von ihnen haben Dieselmotoren. Noch. Denn gemäss Ralf Eigenmann soll ein Teil der Autobusse durch batteriebetriebene Trolleybusse ersetzt werden (siehe Zweittext). Dabei handelt es sich gemäss dem VBSG-Unternehmensleiter um Busse, deren Batterie sich beim Fahren an der Oberleitung und beim Bremsen aufladen. So sind sie in der Lage, kurze Streckenabschnitte auch ohne Fahrleitung und ständige Stromzufuhr zu bewältigen.

Diese Elektrifizierungsstrategie, die die VBSG-Leitung verfolge, sei «state of the art» und werde auch in anderen Schweizer Städten wie Zürich oder Bern umgesetzt. Eigenmann kann die Kritik aus Quartieren, in denen im beschränkten Ausmass neue Fahrleitungen installiert werden sollen, nicht nachvollziehen:

«Eine Fahrleitung ist doch das viele kleinere Übel als Dieselgestank.»

Weiterer Leistungsausbau ab Winter

Die VBSG weiten ihr Angebot mit dem Fahrplanwechsel diesen Dezember weiter aus: Es gibt neue Linien und bestehende Linien werden auch neu verknüpft.

Das Stadtparlament stimmte kürzlich drei Kreditvorlagen in Zusammenhang mit dem neuen Buskonzept zu. Insbesondere die CVP/EVP-Fraktion reklamierte dabei, dass das Stadtparlament bei der Ausgestaltung des ÖV nicht mitbestimmen, sondern bloss abnicken könne, was der Kanton plane.

Ralf Eigenmann sagt, es sei sinnvoll, dass das zuständige kantonale Amt den Lead habe beim öffentlichen Verkehr. Dieser mache nicht Halt an einer Gemeinde- oder Stadtgrenze. Das Einvernehmen mit den Fachleuten des Kantons sei «sehr gut», betont der VBSG-Chef. Er hofft, dass die Busflotten-Vorlage im Stadtrat und im Juni im Stadtparlament durchkommen wird.

17 neue Batterie-Trolleybusse für 37 Millionen Franken

Die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) wollen die Elektrifizierung ihres Streckennetzes um rund ein Drittel oder 7,1 Kilometer oder von heute 22,6 auf 29,6 Kilometer ausbauen. Die mit konventionellen und neuen batteriebetriebenen Trolleybussen zurückgelegte Strecke könnte dadurch von heute 29,1 auf 58,6 Kilometer mehr als verdoppelt werden.

Gemäss Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der VBSG, steht diese Elektrifizierungsstrategie in Einklang mit dem Energiekonzept 2050 der Stadt St.Gallen. Die Anschaffung von elf Doppelgelenk-Trolleybussen und sechs Gelenktrolleybussen beispielsweise des Typs «Swiss Trolley plus» oder ähnlicher Produkte sowie der Ausbau der Fahrleitungen kostet rund 37 Millionen Franken, wie Eigenmann gegenüber dem «St.Galler Tagblatt» sagte.

Stimmt der Stadtrat in den nächsten Wochen und danach im Sommer auch das Stadtparlament der teilweisen Erneuerung der VBSG-Flotte und der Elektrifizierungsstrategie zu, werden voraussichtlich im November die Stimmberechtigten der Stadt das letzte Wort zur Richtung der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Stadt St.Gallen haben. Eine Volksabstimmung ist nötig, weil das obligatorische Finanzreferendum in der Stadt bei 15 Millionen Franken liegt und die Anschaffung der neuen Trolleybusse und der Fahrleitungsausbau diese Summe übersteigt. (dwi)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.