Verkehr
Der Fussgängerstreifen an der Seestrasse wurde vor zwei Jahren versetzt – für einige Goldacher ist das nach wie vor unlogisch

Vor zwei Jahren wurde der Fussgängerstreifen an der Seestrasse in Goldach verlegt. Weil der neue Standort für einige Bewohnerinnen und Bewohner unverständlich erscheint, hat Gemeinderat Urs Bücheler nun die Beweggründe erklärt. Es gibt noch weitere Übergänge, die verbessert werden sollten.

Perrine Woodtli/Jolanda Riedener
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Der Fussgängerstreifen befindet sich seit zwei Jahren gegenüber dem Rietli-Parkplatz.

Der Fussgängerstreifen befindet sich seit zwei Jahren gegenüber dem Rietli-Parkplatz.

Rudolf Hirtl (27. November 2020)

Rund zwei Jahre ist es her, seit der Fussgängerstreifen an der Seestrasse in Goldach um einige Meter in Richtung Rorschach verlegt worden ist. Befand sich der Fussgängerstreifen früher vor dem Bahnübergang, liegt er heute in der Verlängerung der Rietbergstrasse, direkt vor dem Rietli-Parkplatz.

Obwohl die neue Position inzwischen nicht mehr so neu ist, hat Gemeinderat Urs Bücheler dem Fussgängerstreifen kürzlich im «Wellenbrecher» eine Seite gewidmet. Dort erklärt er, warum dieser einst überhaupt verlegt wurde.

Für viele ist die Verlegung nicht logisch

Veranlasst haben ihn Rückmeldungen aus der Bevölkerung, wie Urs Bücheler auf Anfrage sagt. Er selber wohne am See und sei oft dort mit seinem Hund unterwegs.

Urs Bücheler, Gemeinderat Goldach.

Urs Bücheler, Gemeinderat Goldach.

Ralph Ribi (19. Oktober 2017)
«Immer wieder haben mich Leute auf den Fussgängerstreifen angesprochen und gefragt, wieso er verlegt wurde.»

Auch andere Personen aus der Gemeindeverwaltung sowie Behördenmitglieder seien darauf angesprochen worden, schreibt Bücheler im «Wellenbrecher».

Für viele Fussgängerinnen und Fussgänger sei das Versetzen zur Rietbergstrasse hin «unverständlich und nicht logisch». Für die meisten Parkplatzbenützer bedeute die neue Lage einen Umweg. Hingegen sei er für Fussgängerinnen und Fussgänger von der Rietbergstrasse her ideal.

Am alten Standort fehlte eine Mittelinsel

Gründe für die Verlegung im Jahr 2018 gab es mehrere: Im Auftrag des Kantons überprüften das Tiefbauamt und die Kantonspolizei rund 1500 Fussgängerübergänge. Jener an der Seestrasse wies erhebliche Mängel auf. «Negativ fiel insbesondere das Fehlen einer Mittelinsel ins Gewicht», heisst es im «Wellenbrecher».

Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik bei der Kantonspolizei St.Gallen.

Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik bei der Kantonspolizei St.Gallen.

Hanspeter Schiess (4. Oktober 2017)

Eine solche ist aufgrund des durchschnittlichen täglichen Verkehrs (DTV) aber notwendig. Gemäss den Richtlinien des Kantons ist eine Mittelinsel ab einem DTV von 3000 zu prüfen. Bei einem DTV von 8000 Fahrzeugen ist eine Mittelinsel zwingend erforderlich. Die Seestrasse wies damals einen DTV von 7140 auf, sagt Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik bei der Kantonspolizei St.Gallen.

Da der Bau einer Mittelinsel aus Platzgründen und aufgrund der Nähe zur Barriere nicht möglich war, wurde in Absprache mit der Gemeinde entschieden, den Fussgängerstreifen zu verlegen.

Das Überqueren an der vorherigen Stelle ist erlaubt

Der alte Fussgängerstreifen wurde daraufhin zwar aufgehoben, das Überqueren der Fahrbahn ist dort aber weiterhin gestattet. Grund dafür sei die 50-Meter-Regel, sagt Urs Bücheler.

In der Schweiz gilt folgende Regel: Fussgänger müssen Fussgängerstreifen, Über- oder Unterführungen benützen, wenn diese weniger als 50 Meter entfernt sind. Ist kein Übergang in weniger als 50 Metern in Sicht, darf die Strasse auch ohne entsprechende Markierung überquert werden.

Weil es auch am alten Ort des Fussgängerstreifens mehr als 50 Meter zum heutigen Übergang sind, ist es rechtlich erlaubt, die Strasse dort zu überqueren. Die Gemeinde hat aus diesem Grund darauf bestanden, dass das Trottoir auch an der alten Lage abgesenkt wird, um die Querungsmöglichkeit zu verdeutlichen und zu vereinfachen.

Weitere Zebrastreifen sollen dereinst optimiert werden

In Goldach gibt es laut Werner Lendenmann noch weitere Fussgängerstreifen, die Anpassungen benötigen. So gebe es einige im Zentrumsbereich, die zu verbessern seien. Diese Übergänge sollen im Rahmen der Zentrumsüberbauung angepasst werden. Als weiteres Beispiel nennt er den Fussgängerstreifen beim Kronekreisel bei der Ausfahrt Richtung Tübach. Dort seien bauliche Massnahmen, unter anderem eine Mittelinsel, nötig.

Wann immer möglich, sagt Lendenmann, versuche man solche Projekte mit anderen Bauprojekten in der Nähe, beispielsweise einer Strassensanierung, zu kombinieren.

Mit Überbauung kommt der Fussverkehr

An der St.Gallerstrasse in Rorschach haben die Fussgängerströme mit der Löwengartenüberbauung zugenommen. Aldi, Denner und das Rockstar-Café locken Passanten an, die hier die stark befahrene Kantonsstrasse überqueren. Die nächsten Fussgängerstreifen liegen rund 250 Meter voneinander entfernt, dazwischen befinden sich beidseitig Bushaltestellen.

Laut Rorschachs Stadtpräsident Röbi Raths habe man diese Entwicklung bisher nicht als Problem wahrgenommen. Reklamationen aus der Bevölkerung gab es keine, auch Handlungsbedarf sei nicht angezeigt.

Da zwischen den beiden Fussgängerstreifen fast 250 Meter liegen, überqueren Passanten die Strasse, wo es ihnen passt.

Da zwischen den beiden Fussgängerstreifen fast 250 Meter liegen, überqueren Passanten die Strasse, wo es ihnen passt.

Bild: Jolanda Riedener (Rorschach, 23.11.2020)

Dieses Jahr sei es ausserdem laut der Medienstelle der Kantonspolizei St.Gallen in diesem Bereich zu keinerlei Vorfällen im Zusammenhang mit Fussgängern gekommen.