Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Ich schrie, bis die Nachbarn kamen» - Rorschacher wird wegen Vergewaltigung an seiner Ehefrau schuldig gesprochen

Ein 51-jähriger Rorschacher ist vom Kreisgericht wegen Vergewaltigung und Körperverletzung an seiner Ehefrau schuldig gesprochen worden. Nach einem handgreiflichen Streit verlor sie ihr Bewusstsein.
Jolanda Riedener
Ein Rorschacher muss ins Gefängnis, weil er seine Ehefrau vergewaltigt und geschlagen hatte. (Symbolbild: Getty)

Ein Rorschacher muss ins Gefängnis, weil er seine Ehefrau vergewaltigt und geschlagen hatte. (Symbolbild: Getty)

Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei nach einem Streit der Rorschacher Eheleute eingreifen muss. Ihr Mann habe sie schon mehrmals ins Gesicht geschlagen, sie regelmässig beschimpft und als Schlampe bezeichnet. Im Juni 2018 begab sich der Beschuldigte in die Wohnung seiner Ehefrau, die seit dem 1. April 2018 von ihm getrennt lebt.

Sie sollte an diesem Nachmittag mit den Kindern nach Appenzell mitkommen, forderte er sie auf. «Ich habe ihm gesagt, dass er gehen soll», sagt die Frau als Zeugin vor dem fünfköpfigen Kollegialgericht aus. Sie hatte andere Pläne und musste arbeiten. Nach einem kurzen Gespräch kam es zu gegenseitigen Handgreiflichkeiten. Die Frau rutschte darauf nach eigenen Angaben aus und fiel zu Boden. Ihr Ehemann habe sie am Hals gepackt, hielt ihr den Mund zu, damit man ihre Schreie nicht hörte. Sie verlor darauf ihr Bewusstsein. «Mein Körper wurde schlapp, mir wurde schwarz vor Augen», sagt sie mit leiser Stimme und wischt sich immer wieder die Tränen aus dem Gesicht.

Beschuldigter habe seiner Frau nicht wehtun wollen

Als sie wieder zu Bewusstsein kam, wehrte sie sich erneut und schrie. Erst als die Nachbarn an der Haustür klingeln, lässt ihr Mann von ihr ab. Es sei alles sehr schnell passiert, erklärt sie. Nach dem Vorfall habe sie Probleme mit dem Gehörorgan gehabt und Töne wahrgenommen. Allerdings habe sie bereits im Vorfeld Probleme mit den Ohren gehabt, die ebenfalls auf Schläge ins Gesicht von ihrem Mann zurückzuführen seien. Eine Anzeige gegen ihn hatte sie bereits zurückgezogen.

Anders schildert der Beschuldigte den Vorfall: «Mehr als die Hälfte von dem, was sie sagt, stimmt nicht.» Er sei ebenso Opfer, seine Frau habe mit den Tätlichkeiten angefangen. Seit einem Jahr befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug. Während der Verhandlung trägt er Fussfesseln. Der deutsch-albanische Doppelbürger wendet sich gelegentlich an den Dolmetscher. Er habe ihr nicht wehtun wollen und ihr nie gedroht.

Die Ehefrau sagt vor Gericht aus, dass der Beschuldigte folgendes zu ihr gesagt habe:

«Ich komme durchs Fenster und erwürge dich.»

Ob er das ernst gemeint hat, könne sie nicht sagen. Sie habe ihm jedoch immer die Türe zu ihrer Wohnung geöffnet.

Sie sagte «Nein»

Wegen Vergewaltigung muss sich der Beschuldigte Rorschacher ebenfalls verantworten. Dazu sei es im Februar 2018 gekommen. Zum Vorfall will sich die Ehefrau erst nicht äussern. Im Balkan könne ein Mann mit seiner Frau machen, was er wolle. Sie habe im Kinderzimmer geschlafen, ihr Mann kam am frühen Morgen herein, schloss die Tür ab und wollte Sex mit ihr, schildert sie auf Nachfrage des Staatsanwaltes. Sie habe «Nein» gesagt. Er habe sie ausgezogen und sich ein Kondom übergestülpt, während sie auf dem Rücken im Bett lag, ihre Hände vors Gesicht legte und weinte. Zum Samenerguss sei es nicht gekommen, weil ihr Mann Erektionsprobleme hatte. Er sei noch nicht fertig und werde es später nochmals probieren, sagte er zu ihr.

Häusliche Gewalt

Im vergangenen Jahr sind die Stadtpolizei St.Gallen und die Kantonspolizei St.Gallen über 1000 mal wegen häuslicher Gewalt ausgerückt.

«Damals habe ich mir gesagt, dass ich mein Leben selber in die Hand nehmen werde», sagt die Ehefrau vor Gericht. Kurz danach sei sie in eine eigene Wohnung gezogen. Er habe sie immer wieder gebeten, zu ihm zurückzukommen. Seit 23 Jahren sind sie verheiratet. Er habe ihr auch immer wieder vorgeworfen, dass sie in der Hochzeitsnacht keine Jungfrau mehr war.

Staatsanwalt fordert Fünf Jahre und sechs Monate

«Der Beschuldigte akzeptiert das in der Schweiz geltende Selbstbestimmungsrecht der Frauen über Leben und Körper nicht», sagt der Staatsanwalt. Der Beschuldigte sei der versuchten (eventual)-vorsätzlichen Tötung, Vergewaltigung, mehrfachen einfachen Körperverletzung und des Vergehens gegen das Waffengesetz schuldig zu sprechen. Bei einer Hausdurchsuchung wurde eine Pistole sichergestellt. Der Staatsanwalt fordert eine unbedingte Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten, sowie eine bedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je 100 Franken.

Einen Freispruch der versuchten (eventual)-vorsätzlichen Tötung fordert die Verteidigung. Beim Vorfall im Juni 2018 handle es sich lediglich um einfache Körperverletzung. «Häusliche Gewalt kam in dieser Ehe vor, jedoch gegensätzlich», sagt die Verteidigerin. Es würden keine typische Täter-/Opferrollen vorliegen. Der Beschuldigte habe die Ehefrau nicht gewürgt, sondern lediglich am Hals festgehalten. Es habe keine Lebensgefahr für sie bestanden.

Keine versuchte vorsätzliche Tötung

Das Kreisgericht spricht den Beschuldigten von der versuchten (eventual)-vorsätzlichen Tötung frei, befindet ihn der Vergewaltigung, einfachen Körperverletzung, mehrfachen Tätlichkeiten sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig. Er wird verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, unter Anrechnung der 136 Tage Untersuchungshaft, davon 12 Monate mit einer Probezeit von drei Jahren.

Weiter muss er eine bedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je 30 Franken leisten, ebenfalls unter einer Probezeit von drei Jahren, sowie eine Busse von 400 Franken. Die Verfahrenskosten von 40532 Franken hat der Beschuldigte zur Hälfte zu zahlen. Das Urteil kann ans Kantonsgericht weitergezogen werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.