Rorschacher Gwerbler bitten eindringlich: «Vergesst die kleinen Geschäfte in der Stadt nicht»

Bei Grossverteilern in Rorschach sind ganze Regale leer gekauft. Die Geschäfte laufen bestens. Das Kleingewerbe musste hingegen entweder ganz schliessen, oder steht wegen der ausbleibenden Kundschaft finanziell am Abgrund. Nun ist Solidarität mit den heimischen Kleinunternehmen gefragt. 

Rudolf Hirtl
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Metzger Michael Gehringer appelliert an die Solidarität der Rorschacherinnen und Rorschacher.

Metzger Michael Gehringer appelliert an die Solidarität der Rorschacherinnen und Rorschacher.

Bild: Rudolf Hirtl

«Ich habe Löhne und Miete bezahlt. Und jetzt habe ich noch genau 100 Franken im Portemonnaie. Ich weiss nicht, wie ich die nächsten Wochen über die Runden kommen soll», sagt ein seit über 15 Jahren in Rorschach tätiger Coiffure und zuckt resigniert mit den Schultern. Er ist einer von Dutzenden Kleinunternehmern in der Region Rorschach, die nun rasch finanzielle Hilfe benötigen. Die Beteuerungen aus Bundesbern, dass an einer schnellen Lösung gearbeitet wird, sind da nur ein schwacher Trost.

Schüler und Studenten bleiben aus

Während Coiffureläden geschlossen bleiben, sind die Türen der Stadtmetzgerei in Rorschach für die Kundschaft geöffnet. «Ich will nur rasch schauen, wie die Öffnungszeiten sind», sagt eine ältere Frau und macht vor der Türe wieder kehrt. Sie ist nicht die Einzige, die den Weg am Dienstag nicht in das Geschäft findet. Kurz vor Mittag stehen hier ansonsten Schüler und Studenten Schlange, um sich zu verköstigen, nun wartet Metzger Michael Gehringer geduldig auf Kundschaft. «Schüler machen einen bedeutenden Teil unseres Umsatzes aus», räumt er ein und appelliert an die Solidarität der Rorschacherinnen und Rorschacher: 

«Vergessen Sie bei den täglichen Besorgungen auf keinen Fall die kleinen Rorschacher Fachgeschäfte. Nur so haben wir eine kleine Chance, das Ganze auch betriebswirtschaftlich zu überstehen.»

Senioren profitieren von tieferen Preisen und gratis Lieferdienst

Aufgrund der aktuellen Problematik bietet die Stadtmetzgerei den Hauslieferdienst neu kostenlos an. Nicht nur das, älterere Leute, die zur Risikogruppe gehören, bekommen das Mittagessen erst noch vergünstigt für zehn Franken geliefert. Gehringer hofft, dass wider mehr Leute in die Metzgerei finden, wenn diese ihre Hamsterkäufe aufgebraucht haben. «Wenn alle nur noch die Grossverteiler berücksichtigen, wird das für uns kleine Fachgeschäfte ganz, ganz schwierig.»

Ein paar Schritte weiter oben an der Signalstrasse ist der Stadtimbiss zu finden. Den Gastraum hat Celal Uzunsoy mit Klebeband abgesperrt. Essen verkauft er gemäss Vorschrift nur noch Take-away durchs Fenster. Diese Möglichkeit hat Mahmoud Hussein vom «Newpoint» nicht. Er setzt auf Lieferservice. «Dies alleine reicht aber nicht zum wirtschaftlichen Überleben aus. Wir brauchen finanzielle Hilfe und haben daher Kurzarbeit beantragt.»

Hat ihr Lachen trotz der Einschränkungen durch das Corona-Virus nicht verloren, Fischhändlerin Regula Glintschnig.

Hat ihr Lachen trotz der Einschränkungen durch das Corona-Virus nicht verloren, Fischhändlerin Regula Glintschnig.

Bild: Rudolf Hirtl

Am Marktplatz wickelt Regula Glintschnig ein paar Forellenfilets in Papier und reicht sie der Kundschaft. Das Verkaufsfahrzeug der Inter-Fisch (Familie Gloor) steht jeden Dienstag auf dem Marktplatz. «Wir waren etwas unsicher, weil Märkte ja abgesagt sind, doch einzelne Fahrzeuge sollten kein Problem sein.» Dass nun mehr Kundschaft kommt, weil der Einkaufstourismus gestoppt ist, kann sie nicht bestätigen. Es seien zwar ein paar neue Gesichter auszumachen, doch einen eigentlichen Run auf den Fischwagen gebe es nicht.

Onlineshop als zweites Standbein

Erika Müller von Handarbeiten Müller am Marktplatz in Rorschach hat vor vier Jahren begonnen, Strickgarn, Handarbeitsartikel oder Stickhefte auch über ihren Onlineshop (www.mueller-handarbeiten.ch) zu verkaufen. Dies hilft ihr nun, über diese schwierige Zeit zu kommen. «Wenn ich sehe, dass eine Bestellerin nur wenige Häuser entfernt, wohnt, bringe ich die Ware auf Wunsch persönlich vorbei, ansonsten wird sie per Post versendet.» Sie ist nicht die Einzige, die in der Region einen Versandservice anbietet. Auf der Facebookgruppe «Du bisch vo Rorschach wenn...» werben zahlreiche Kleingewerbler für ihre Dienste.

Während Neugasse und Hauptstrasse in Rorschach wie ausgestorben sind, weil dort die meisten Geschäfte und Cafés schliessen mussten, scheint in Goldach alles seinen normalen Lauf zu nehmen. Zahlreiche Passanten sind an der Hauptstrasse unterwegs, wo sich Bäckerei, Optiker, Drogerie, Apotheke und Lebensmittelgeschäft reihen. Alles Geschäfte, die vom Schliessungsentscheid nicht betroffen sind.

Die Region Rorschach im Bann des Corona-Virus

Vor allem Restaurants und Bars, aber auch Kleinunternehmen wie Bäckereien, taumeln in der Region am See in eine wirtschaftliche Krise. Die Kundschaft bleibt zum Teil seit Januar aus. Seit der Restriktion durch den Bund verschärft sich die Situation rasant.
Rudolf Hirtl