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Vereint gegen leere Läden in St.Gallen

Der neu gegründete Verein Leerraum will leere Ladenflächen mit Zwischennutzungen beleben. Die Gründer Marcio Ferreira und Melanie Diem zeigen derzeit in zwei Lokalen auf, wie das gehen könnte.
Luca Ghiselli
Frische Kräfte gegen das Ladensterben: Marcio Ferreira und Melanie Diem haben einen Verein gegründet, um Zwischennutzungen zu ermöglichen. (Bild: Ralph Ribi)

Frische Kräfte gegen das Ladensterben: Marcio Ferreira und Melanie Diem haben einen Verein gegründet, um Zwischennutzungen zu ermöglichen. (Bild: Ralph Ribi)

Von gähnender Leere zu einem pulsierenden Lokal: Das haben Melanie Diem und Marcio Ferreira innert zehn Tagen geschafft. Wo bis vor etwas mehr als einem Jahr noch das Kleidergeschäft Hugentobler eingemietet war, ist jetzt das «Ladencafé» einquartiert. Das grosse Lokal an der Ecke Poststrasse/Schützengasse haben die beiden binnen etwas mehr als einer Woche hergerichtet.

Sie strichen Wände, zogen Leitungen, bauten einen Bar-Betrieb auf und richteten eine kleine Ladenecke mit Produkten von lokalen Kreativen an. Seit Anfang Dezember läuft der Betrieb, noch bis Ende Februar können Gäste hier Cappuccino schlürfen. «Die Resonanz ist durchwegs positiv», sagt Melanie Diem, die unter anderem als Gründerin des Kafi Franz die St.Galler Gastroszene geprägt hat.

Hinter der Zwischennutzung in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof steckt mehr als nur ein weiterer Pop-up-Store, wie sie dieses Jahr im Advent fast wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Die Initianten haben im September den Verein Leerraum gegründet – und sagen damit den leer stehenden Ladenlokalen in der St. Galler Innenstadt den Kampf an.

«Wir haben beide Erfahrungen im Aufbau von Zwischennutzungen gesammelt und können diese nun weitergeben.»

Das sagt Marcio Ferreira, der vor Jahren das Atelier im Sandkasten mitgegründet hat und in Zürich bei diversen Zwischennutzungen mitwirkte.

Der Verein soll ein Bindeglied sein

Diem und Ferreira verstehen ihren Verein als Anlauf- und Koordinationsstelle. «Wir wollen das Bindeglied zwischen Liegenschaftsbesitzern und potenziellen Zwischennutzern sein.» Dank des Vereins könne man die nötige Professionalität sicherstellen und für beide Seiten garantieren, dass Regeln befolgt und Bewilligungen eingeholt werden. Ferreira macht ein Beispiel: «Es gibt Interessierte, die ein Lokal nur einmal in der Woche bespielen wollen – oder nur abends.»

Durch den Verein als informelle Koordinationsstelle könnten Mehrfachnutzungen ermöglicht und für Interessenten die Kosten gesenkt werden. In einem ersten Schritt sind die beiden Leerraum-Initianten mit gutem Beispiel vorangegangen. Neben dem «Ladencafé» betreiben sie an der Davidstrasse 21 die kulturelle Zwischennutzung «Haus Famos». Es bietet Platz für temporäre Ateliers und Co-Working-Spaces. «Wir wollten zuerst einmal aufzeigen, was alles möglich ist. In einem zweiten Schritt helfen wir aber anderen, ihre Zwischennutzung zu ermöglichen», erklärt Diem.

Der Verein Leerraum steht ganz am Anfang seines Wirkens. Diem und Ferreira legen dabei Wert darauf, Konzepte auf die Probe zu stellen und sich die Freiheit zum Experimentieren zu nehmen.

«Wir wollen machen statt reden»

Das kostet Zeit – und bedarf viel ehrenamtlicher Arbeit. «Aber das ist es wert», sagen Ferreira und Diem. Ihr Motto: «Machen statt reden.» Sie wollen durch das unkomplizierte Experimentieren mit verschiedenen Ansätzen schnell Feedback generieren und so zeitnah sehen, was mehr und was weniger funktioniert.

Marcio Ferreira sagt, bei anderen Initiativen werde zwar viel diskutiert und konzeptioniert. «Der Output ist aber verhältnismässig gering.» Deshalb sehen die beiden den Verein Leerraum als ideale Ergänzung zu den bestehenden Bestrebungen von Stadt und Detailhandel, die Innenstadt zu beleben. Unterstützung seitens der Stadt erhält er bisher nicht. «Das Problem ist, dass Konzepte wie das ‹Ladencafé› schnell als zu kommerziell gelten, um von der Stadt einen Beitrag zu erhalten», sagt Melanie Diem. Sie bemühen sich aber um einen Austausch mit der Stadt und anderen Interessensgruppen, um eine möglichst grosse Basis für ihr Vorhaben aufzubauen: Gemeinsam gegen leere Schaufenster kämpfen.

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