Vereinsleben
Seit 1972 sportbegeistert: Die Leichtathletikgruppe Gossau feiert ihren 50. Geburtstag

Die Leichtathletikgruppe Gossau (LAG) fördert bereits seit 50 Jahren Leichtathletinnen und Leichtathleten. Zur Feier starten an diesem Samstag alle aktiven Mitglieder am Gossauer Weihnachtslauf.

Rita Bolt
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Norbert «Nöbi» Wenk, Franziska Geser-Burch und Dölf Gmür (von links nach rechts) prägten und prägen die Geschichte der Leichtathletikgruppe Gossau.

Norbert «Nöbi» Wenk, Franziska Geser-Burch und Dölf Gmür (von links nach rechts) prägten und prägen die Geschichte der Leichtathletikgruppe Gossau.

Rita Bolt

Wer Fakten und Daten über die Leichtathletikgruppe Gossau (LAG) wissen möchte, fragt Norbert – genannt Nöbi – Wenk. Er kennt die LAG wie kein anderer. «Nöbi ist das Gewissen und das Gedächtnis des Vereins», sagt Dölf Gmür, der die LAG seit 2019 präsidiert. Wenk hat kürzlich die Ausstellung zum 50-jährigen Bestehen der LAG in der Acrevis-Bank in Gossau im Alleingang auf die Beine gestellt – und dafür viele positive Reaktionen erhalten. «Nicht nur von Vereinsmitgliedern», weiss Gmür.

Gratuliert haben dem Verein viele Sportler und Nichtsportler, Grüsse zum Jubiläum sind sogar aus Bundesbern gekommen, von Bundesrätin Viola Amherd. Sie schreibt:

«Allen Menschen, die sich in der Vergangenheit, heute und in der Zukunft für die LAG ehrenamtlich engagiert haben und engagieren, gehört ein grosser Dank.»

Ehrenamtlich engagieren sich neben Ehrenmitglied Nöbi Wenk und Präsident Dölf Gmür noch weitere, auch Franziska Geser-Burch. Sie ist 1994 zur LAG gekommen und hat 2004 die technische Leitung übernommen. Wer etwas zu den Athleten, Trainingsplänen, Meisterschaften oder Wettkämpfen des Vereins wissen möchte, meldet sich bei ihr. «Sie hat alle Fäden seit fast 20 Jahren in den Händen und im Griff», anerkennen Wenk und Gmür. Franziska Geser-Burch habe die LAG zu einem leistungsstarken Verein geführt.

Bruno Damann war massgeblich beteiligt

Die LAG trägt seit vielen Jahren das Gütelabel der IG St.Galler Sportverbände «Sport verein-t». Sie zählt heute 79 Aktivmitglieder, 27 Leiterinnen und Leiter sowie elf Kindergärtler. Gesamthaft mit den Frei- und Ehrenmitgliedern sowie weiteren Ehrenamtlichen sind es 136. Gegründet wurde der Verein 1972; erster Präsident war Max Bont. Er war am Gymnasium Appenzell und am Gymnasium Friedberg in Gossau Sportlehrer.

Nöbi Wenk, damals 18-jährig, besuchte den Turnunterricht bei Bont im «Friedberg». «Ich konnte von interessanten Turnstunden profitieren», sagt Wenk. Er absolvierte nach der Matura die Ausbildung zum Turn- und Sportlehrer in Basel. Bont holte Wenk nach Gossau zurück und die beiden träumten davon, Mädchen und Buben zu Leichtathletinnen und Leichtathleten ausbilden zu können. Aus einer losen Trainingsgemeinschaft wurde schliesslich die LAG.

Massgeblich daran beteiligt war auch der heutige St.Galler Regierungsrat Bruno Damann aus Gossau, der damals noch als Arzt praktizierte. Damann präsidierte den Verein von 1990 bis 1997 und veranlasste, dass die Leichtathletikgruppe Statuten erhielt. Dies habe dem Verein Sicherheit gegeben. Die Zahl der Mitglieder sei stetig gestiegen und es seien immer mehr Trainerinnen und Trainer gefragt gewesen, erzählt Wenk weiter. Junge J+S-Leiter hätten in der LAG eine wertvolle Aufgabe gefunden. Der sportbegeisterte Max Bont hatte aber noch einen grösseren Traum: Er wollte einen Gossauer Stadtlauf ins Leben rufen. Dazu kam es nicht mehr: Unerwartet verstarb er am 27. Juli 1984.

Bonts Traum wurde vier Jahre später 1988 wahr: Der Stadtlauf ist der Gossauer Weihnachtslauf und gleichzeitig der Max-Bont-Gedenklauf. Und wer stellte sich wohl als erster OK-Präsident zur Verfügung? Nöbi Wenk. Es hätten sich noch viele andere LAG-Mitglieder an der Organisation beteiligt. Die LAG wird am Weihnachtslauf – der an diesem Samstag, 3. Dezember, stattfindet – in verschiedenen Alterskategorien sowie in der Kategorie Gruppe am Weihnachtslauf mitlaufen – in orangen Shirts mit dem Aufdruck «Seit 50 Jahren unschlagbar».

Nachdem der Gossauer Weihnachtslauf aufgrund der Coronapandemie 2020 und 2021 nicht stattfinden konnte, verwandelt sich die Innenstadt am 3. Dezember nun wieder in eine Laufstrecke.

Nachdem der Gossauer Weihnachtslauf aufgrund der Coronapandemie 2020 und 2021 nicht stattfinden konnte, verwandelt sich die Innenstadt am 3. Dezember nun wieder in eine Laufstrecke.

Michel Canonica (7. Dezember 2019)

LAG ist auch «Ausbildungsbetrieb»

«Unschlagbar» bezieht sich vor allem auf den Verein: «Auf die Kameradschaft untereinander und den Zusammenhalt», sagt Dölf Gmür. Beweis dafür sei, dass nach der Pandemie keine nennenswerten Abgänge verzeichnet werden mussten. Im Gegenteil: «In den vergangenen Monaten konnten 17 Neumitglieder aufgenommen werden», ergänzt Franziska Geser-Burch.

«Die wenigsten stammen aus Gossau, wir haben ein grosses Einzugsgebiet.»

Die LAG habe in der Leichtathletikszene einen guten Namen, werde auch als «Ausbildungsbetrieb» bezeichnet. In der LAG trainiert haben beispielsweise die ehemalige Bobfahrerin Ariane Walser oder der Bobfahrer Jack Frei. Oder Manuel Gerber, der die Sportschule Appenzellerland und die Fachmittelschule besucht und gerne einmal Profisportler werden möchte.

Auch die ehemalige Schweizer Meisterin im Diskuswerfen, Chantal Tanner, war Mitglied der LAG und leitet immer wieder Gastlektionen. Der Schweizer Hoffnungsträger im Zehnkampf, Andrin Huber (TV Teufen), trainierte bis 2020 in der LAG Gossau. «Aushängeschilder sind wichtig für einen Sportverein», weiss Franziska Geser-Burch aus Erfahrung. Die Schweizer Leichtathletin und Rekordhalterin Mujinga Kambundji sei aktuell eines der grössten Aushängeschilder für junge Sportlerinnen und Sportler.

Talent Card ist Ansporn

«Als leistungsorientierter Verein starten wir an zahlreichen Wettkämpfen», sagt die technische Leiterin. Regelmässig gelinge es den LAG-Sportlern, auf das Podest zu steigen und Erfolge zu feiern. Die LAG starte beispielsweise am UBS Kids Cup; der durch die LAG organisierte Wettkampf in Gossau bilde den Startschuss auf dem Weg in das Stadion von Weltklasse Zürich, wo der prestigeträchtige Schweizer Final des nationalen Leichtathletik-Cups von Swiss Athletics und Weltklasse Zürich stattfindet.

Reizvoll sei es auch, im Besitz einer Swiss Olympic Talent Card National und Regional zu sein. Es sei eine Anerkennung für eine talentierte Athletin oder einen talentierten Athleten, die oder der Mitglied eines nationalen oder regionalen Nachwuchskaders sei. «Auch diese Talent Card sei Ansporn für viele», weiss der Präsident.

Dieser Tage haben drei junge Leichtathletiktalente aus Gossau die Swiss Olympic Card erhalten. Die Vergabe bestätige, dass sie in einer lokalen Leistungssportstruktur gefördert würden, und Swiss Olympic anerkenne ihr sportliches Potenzial. Es sind dies derzeit in der LAG Gossau Manuel Gerber, Silvan Geser und Souleymane Keita.