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Verein für soziale Notfallhilfe: Millionen für Mittellose

Heute kommt ein prächtiges Jugendstilhaus an der Davidstrasse mit einem geschätzten Marktwert von 6,85 Millionen Franken unter den Hammer. Die Gant dürfte nicht das letzte Kapitel in der langen Geschichte des Vereins für soziale Notfallhilfe sein.
Daniel Wirth
Kommt heute unter den Hammer: Das Jugendstilhaus des Vereins für soziale Notfallhilfe an der Davidstrasse 25. Was mit dem Erlös passiert, ist ungewiss. (Bild: Urs Bucher)

Kommt heute unter den Hammer: Das Jugendstilhaus des Vereins für soziale Notfallhilfe an der Davidstrasse 25. Was mit dem Erlös passiert, ist ungewiss. (Bild: Urs Bucher)

«Die Geschichte ist sehr traurig»

Das sagt Jost Peter Leutwyler. Er suchte 2001 Mitglieder für einen neu zu gründenden Verein für Kinder in Not. Hiefür schaltete er nach eigenen Angaben in der NZZ ein Inserat, auf das sich Walter Strahm gemeldet habe, der Sekretär des Vereins für soziale Notfallhilfe in St. Gallen. Strahm habe ihm gegenüber geklagt, er gehöre einem Verein an, der nur noch aus ihm und einem Juristen bestehe, der als Präsident walte. In der Folge habe Strahm dem Präsidenten Leutwyler als neues Mitglied im Verein Sono vorgeschlagen. Leutwyler wurde aufgenommen, wie dieser die Vorgänge anno 2001 schildert.

Nachdem er und Strahm festgestellt hätten, dass der damalige Präsident des karitativen Vereins sich ein Honorar von gegen 100000 Franken pro Jahr habe zukommen lassen, hätten sie ihn absetzen und den Vorstand neu bestellen wollen, sagt Leutwyler.

Hardy Notter.

Hardy Notter.

Für diese Neuausrichtung des Vereins wandte sich der Zürcher an Rechtsanwalt Hardy Notter. Der ehemalige Kantonsrichter war seinerzeit Präsident des Administrationsrates (Regierung) des katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen. Notter übergab den Fall wenig später an Rechtsanwalt André Schlatter, der wie er in der bekannten St.Galler Anwaltskanzlei Grand & Nisple tätig ist.

Ehemaliger Sono-Präsident witterte ein Komplott

Schlatter liess sich gestern von Leutwyler vom Amtsgeheimnis entbinden, um dem «Tagblatt» die Vorgänge von Anfang der 2000er-Jahre rund um den Verein Sono zu schildern. Es sei damals zu einem Streit zwischen Leutwyler und dem vormaligen Sono-Präsidenten gekommen. Einem Mitglied des St. Galler Versicherungsgerichts. Es kam zum Prozess. Leutwyler sagt heute enttäuscht:

«Der Staat hat sich unrechtmässig in den Verein eingemischt, obwohl ich alle Organe rechtmässig wieder eingesetzt hatte.»

Leutwyler spricht von einer «unrühmlichen Geschichte für St. Gallen.» Er selbst sei in der Folge angeklagt worden, nicht ordentliches Mitglied des Vereins Sono zu sein, da er nur von einem einzigen Mitglied, seinem Vorgänger, aufgenommen wurde, was nicht rechtsmässig sei. Leutwyler wandte sich in der Folge an eine Zürcher Anwaltskanzlei, wohl weil er ein St. Galler Komplott gegen sich witterte. Der Rechtsstreit endete vor Bundesgericht mit dem Resultat: Jost Peter Leutwyler unterlag und wurde als Sono-Präsident abgesetzt. Seine Unterschrift wurde 2003 im Handelsregister gelöscht.

Im April 2004 ernannte die Vormundschaftsbehörde der Stadt St. Gallen den Flawiler Rechtsanwalt Thomas Eisenring zum Verwaltungsbeistand des Vereins. Das sei nicht unüblich, wenn ein Verein über keine Organe mehr verfüge, sagt Schlatter. Wegen des Rechtsstreits zwischen Leutwyler und seinem Vorgänger kam es gemäss dem Anwalt zu einer Pattsituation und der Verein wurde handlungsunfähig.

Leutwyler lässt kein gutes Haar am Verwaltungsbeistand. Dieser habe ihm allerhand Delikte vorgeworfen und ihn mehrfach bei der Staatsanwaltschaft in Winterthur angeklagt, sagt er. Allerdings sei keine der Klagen durchgekommen und er sei vom Staat entschädigt worden.

Thomas Eisenring sagte gestern auf Anfrage, er unterstehe dem Amtsgeheimnis; er könne nichts zum Fall sagen. 2017 löste die Präsidentin der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Region St. Gallen die Verwaltungsbeistandsschaft auf. Wenig später entschied das Kreisgericht St. Gallen, der Verein Sono sei nach den Vorschriften über den Konkurs zu liquidieren. Heute kommt die Liegenschaft Davidstrasse 25, die seit 1973 im Eigentum des Vereins ist (siehe Infobox unten), unter den Hammer.

Es dürfte eine stattliche Summe übrig bleiben nach der Gant

Der Verein für soziale Notfallhilfe St. Gallen ist längst inaktiv; 2002 spendete der Verein dem Sozialamt der Stadt St. Gallen 75000 Franken für Feriengutscheine für Arme. Ein Jahr darauf wurde die Aktion wiederholt. Dann ging nichts mehr – zumindest floss kein Geld mehr ab. Indes generierte der Verein Einnahmen: Seit 2002 zahlt ihm der Kanton jährlich 300000 Franken Miete für das Haus an der Davidstrasse 25; die Berufsmaturitätsschule ist darin untergebracht.

Die Liegenschaft hat einen geschätzten Marktwert von 6,85 Millionen Franken. Die Mieteinnahmen hinzugerechnet, könnte Sono nach der Gant locker über einen zweistelligen Millionenbetrag verfügen. Da der Verein längst keine handlungsfähigen Organe mehr hat, sollte nach Meinung Hardy Notters nach der Liquidation vom Staat ein unabhängiges behördliches Organ eingesetzt werden, das den statutarischen Willen der Gründer bei einer Vereinsauflösung erfülle. In den Sono-Statuten heisst es gemäss Amt für Handelsregister relativ unverbindlich: Das Vermögen soll «gemeinnützigen Zwecken» zufliessen.

2001 hat sich der Verein Sono neue Statuten gegeben

Die Geschichte des Vereins für soziale Notfallhilfe geht zurück in die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre. In verschiedenen Städten wurden Schreibstuben für Stellenlose gegründet, so auch in St. Gallen. Diese schlossen sich zur Schweizerischen Adressen- und Werbezentrale (AWZ) zusammen.

1973 kaufte die AWZ St. Gallen das aus der Jahrhundertwende stammende imposante Haus an der Davidstrasse 25.

2001 und 2002 waren für den Verein Sono in St. Gallen ereignisreiche Jahre, wie aus einer seinerzeitigen Broschüre hervorgeht. Der statutarische Auftrag des Vereins wurde in der Broschüre so formuliert: Der Verein Sono in St. Gallen bezwecke die aktive Unterstützung sozialer Notfälle. Er fördere den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen aus seiner 70-jährigen Tradition.

Er beteilige sich an Unternehmen und diene dadurch dem Vereinszweck in dreifacher Weise: durch Unternehmensbeteiligungen werden Arbeitsplätze erhalten und geschaffen;die durch die Arbeitsplätze erwirtschafteten Gewinnen werden karitativ eingesetzt;die Unternehmensbeteiligungen stärken kontinuierlich die finanzielle Substanz des Vereins Sono.(dwi)

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