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Verbrecherjagd auf eigene Faust: Arboner sucht Einbrecher via Facebook – die Polizei ist nicht begeistert

Während er in den Ferien weilte, wurde bei einem Arboner zu Hause eingebrochen. Mit Bildern seiner privaten Überwachungskamera sucht er nun in den sozialen Medien nach den Tätern. Das könnte rechtliche Konsequenzen haben.
Linda Müntener
Einbrechen, wenn niemand zu Hause ist: Während der Sommerferien haben es Einbrecher oft leicht. (Bild: Imago)

Einbrechen, wenn niemand zu Hause ist: Während der Sommerferien haben es Einbrecher oft leicht. (Bild: Imago)

Nach den Ferien wartet auf ihn eine böse Überraschung zu Hause. Während ein Arboner in den Sommerferien weilte, brachen Unbekannte in sein Haus ein. Das zeigen die Bilder seiner privaten Überwachungskamera. Darauf sind zwei Männer zu erkennen, einer maskiert, einer mit Brille. Der Arboner nimmt es mit Humor und wendet sich in einem satirischen Facebook-Beitrag direkt an den Täter:

«Lieber Einbrecher,
Während wir in den Ferien waren, hast du nachts unser Haus besucht. Sicher hat dich die Neugierde getrieben und du wolltest mal sehen, wie wir so wohnen. Dabei sind zahlreiche Wertgegenstände aus Schränken und Schubladen gefallen. Das hat dich so erschrocken, dass du die Dinge eingesammelt und mitgenommen hast.» [...]

Der Einbrecher habe seinen Rucksack im Haus vergessen. Er solle sich doch bitte melden – man wolle ihm sein Eigentum schliesslich wieder zurückgeben, schreibt der Arboner. Und: Wer den Mann kenne, solle sich ebenfalls bei ihm melden. Dazu veröffentlicht er drei Bilder der Überwachungskamera. Allem Anschein nach haben die Täter diese nicht bemerkt.

In über 2800 Kommentaren wird spekuliert

Der Facebook-Post hat eingeschlagen. Über 32'000 mal wurde der Beitrag auf der Plattform geteilt, auch von deutschen Usern. Über 2800 Kommentare finden sich darunter, minütlich kommen neue hinzu. Der Tenor ist deutlich: Gut gemacht, viel Glück bei der Suche, nur wer eine Fahndung selber in die Hand nimmt, erreicht etwas, und sowieso kommen Einbrecher, selbst wenn sie geschnappt werden, viel zu glimpflich davon!

«Das müsste viel öfter gemacht werden. Ich glaube, die Leute, die ihn kennen, sind geschockt. Ich sehe darin nichts Verbotenes», schreibt etwa eine Userin. Eine andere postet gleich ein Bild als Antwort, ebenfalls aufgenommen von einer Überwachungskamera: «Schau mal, könnte der gleiche Typ sein, ist im Oktober um unser Haus geschlichen, aber keine Schäden.» Ist es wirklich derselbe? Der andere sei doch viel schmaler im Gesicht, antwortet ein anderer User. Aber: «Vielleicht hat er abgenommen?»

Private Fahndungen sind beliebt

Fahndungen auf eigene Faust sind im Social-Media-Zeitalter keine Seltenheit. Anfang Jahr suchte die Inhaberin eines Güttinger Blumengeschäfts einen Dieb via Facebook. Er habe Blumensträusse, Dekorationsmaterial und ähnliches mitgehen lassen:

Ein Mann aus Ermatingen hatte ein paar Monate zuvor gar ein ganzes Video eines Einbruchs in sein Haus auf der Plattform veröffentlicht. Der Täter ist darauf deutlich zu erkennen:

In beiden Fällen hoffen die Geschädigten, die Täter auf eigene Faust zu finden. Die Persönlichkeitsrechte des Täters stünden seiner Meinung nach nicht über dem Recht der Geschädigten und der Bevölkerung, sagte der Hausbesitzer aus Ermatingen damals gegenüber dem «Tagblatt».

Wer Bilder veröffentlicht, muss mit Konsequenzen rechnen

Bei der Kantonspolizei Thurgau ist zum aktuellen Einbruch in Arbon keine Anzeige erstattet worden, heisst es auf Anfrage. Von solchen Alleingängen in den sozialen Medien ist man nicht begeistert. Eine Fahndung sei in erster Linie Sache der Polizei. Kapo-Sprecher Matthias Graf sagt:

«Private Fahndungsmassnahmen können unsere Arbeit behindern und allenfalls die Ermittlungen gefährden.»

Wer Bilder einer privaten Überwachungskamera im Internet veröffentlicht, muss mit möglichen rechtlichen Konsequenzen rechnen. Die gefilmte Person kann dagegen vorgehen, es geht um das Recht am eigenen Bild. Inwiefern jemand rechtlich belangt werden kann, wenn Fotos veröffentlicht werden, hängt vom Einzelfall ab. Grundsätzlich gilt: Zivilrechtlich handelt es sich mutmasslich um eine widerrechtliche Persönlichkeitsverletzung, strafrechtlich könnte eine Ehrverletzung – zum Beispiel üble Nachrede oder Beschimpfung – vorliegen.

Tipps gegen Einbrüche während der Ferien

Während der Ferienzeit haben es Einbrecher oft leicht. Überquellende Briefkästen oder heruntergelassene Rollläden sind sichere Zeichen dafür, dass die Bewohner nicht zu Hause sind. Wenn das Haus hingegen einen bewohnten Eindruck mache, sei die Hemmschwelle für Einbrecher höher, hält die Kantonspolizei Thurgau fest. Dazu gibt sie folgende Tipps:

- Lassen Sie den Briefkasten regelmässig leeren
- Organisieren Sie einen «Hütedienst», der regelmässig vorbeischaut
- Lassen Sie zwischendurch Licht einschalten oder die Rollläden betätigen
- Lassen Sie in der Winterzeit den Schnee räumen
- Informieren Sie Ihr Umfeld über den Zeitpunkt Ihrer An- und Abreise
- Deponieren Sie Wertsachen in einem Bankschliessfach
- Hinterlassen Sie keine Abwesenheitsmeldung auf dem Telefonbeantworter
- Veröffentlichen Sie im Internet keine Fotos oder Beiträge aus Ihren Ferien

Neben rechtlichen Konsequenzen besteht die Gefahr von falschen Verdächtigungen. Vor allem dann, wenn die Bilder der Überwachungskamera nur in schlechter Qualität vorliegen. Eine zu Unrecht beschuldigte Person kann Anzeige erstatten. Verbieten könne die Polizei private Aufrufe allerdings nicht, sagt Kapo-Sprecher Matthias Graf:

«Ob Geschädigte Bilder veröffentlichen wollen, müssen wir ihnen selbst überlassen.»

Die Kantonspolizei ruft die Geschädigten allerdings dazu auf, das Bildmaterial in jedem Fall der Polizei zur Verfügung zu stellen. «Dies könnten wichtige Fahndungsansätze sein.»

Erst melden, dann posten

Ein verwackeltes, unscharfes Video wurde am Wochenende in der öffentlichen Facebook-Gruppe «Du bisch vo Arbon wenn…» gepostet. Eine Gruppe, in der sich Arboner online über lokale Ereignisse austauschen. Man erkennt zwei Gestalten, die einen Molotov-Cocktail auf die Strasse werfen und wegrennen. Beschädigt wurde nichts. Trotzdem handelt es sich dabei um eine Tat, die auch ungut hätte enden können. Die Polizei wurde über diesen Vorfall nicht in Kenntnis gesetzt. «Manchmal werden wir erst durch Medienanfragen auf Vorkommnisse aufmerksam gemacht», sagt Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Heutzutage würden strafrechtlich relevante Aktionen oft lieber zuerst gefilmt und bei sozialen Netzwerken gepostet, als dass man sich bei unserem Freund und Helfer meldet. «Klar, Videos können uns bei den Ermittlungen helfen. Es ist aber wichtig, dass man, sobald man etwas Verdächtiges sieht, die 117 anruft. So können wir schnell eine Patrouille losschicken und uns selber vor Ort ein Bild machen sowie nach der Täterschaft fahnden», so Graf. Je mehr Zeit zwischen dem Vorfall und der Polizeimeldung vergeht, umso schwieriger kann es sein, den Fall zu lösen. Die Polizei habe keine Kapazität, die sozialen Netzwerke ständig nach Straftaten zu durchforsten, erklärt Matthias Graf. Aus diesem Grund sollte die Bevölkerung in solchen Situationen in der Regel immer zuerst zum Hörer greifen und die Polizei informieren. (svr)

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