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Verkehrsplaner sagt: «St.Gallen wird nie eine Velostadt wie Amsterdam werden, genauso wie der FC St.Gallen nie wie Barcelona sein wird»

An der Lindenstrasse hat die Stadt St. Gallen eine Strasse getestet, auf der Velos Vortritt haben. Die Idee kam gut an, weitere Velostrassen sollen folgen – noch fehlt aber die gesetzliche Grundlage.
Sandro Büchler
Die Lindenstrasse als Velostrasse: Das Verkehrssystem fand Anklang. (Bild: Urs Bucher (21. Oktober 2016))

Die Lindenstrasse als Velostrasse: Das Verkehrssystem fand Anklang. (Bild: Urs Bucher (21. Oktober 2016))

Ist der 830 Meter lange Abschnitt auf der Lindenstrasse die Zukunft für St.Galler Velofahrer? Seit zwei Jahren haben Velofahrer auf der Quartierstrasse im Osten der Stadt Vortritt.

Die bisherigen Rechtsvortritte wurden aufgehoben, nebeneinander fahren wurde erlaubt. Am Anfang und Ende des Strassenabschnitts signalisieren grosse blaue Bodenmarkierungen, dass hier Velos freie Fahrt haben.

Die geänderten Verkehrsregeln sind Teil eines Pilotversuchs des Bundesamts für Strassen (Astra). Neben St.Gallen testeten auch die Städte Basel, Bern, Luzern und Zürich, wie sicher und komfortabel Velostrassen für Velo- und Autofahrer sind.

Auch Fussgänger und Anwohner wurden befragt. Die vom Astra ausgewerteten Ergebnisse zeigen nun, dass das neue Verkehrssystem Anklang findet.

Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr beim Tiefbauamt der Stadt St.Gallen (Bild: Michel Canonica)

Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr beim Tiefbauamt der Stadt St.Gallen (Bild: Michel Canonica)

Über die Auswertungen freut sich Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr beim Tiefbauamt der Stadt St.Gallen. «Velostrassen sind ein weiterer Mosaikstein, um den Veloverkehr in der Stadt zu fördern.»

Haslers Ziel ist hoch gesteckt: In den nächsten 20 Jahren will die Stadt den Anteil der Velofahrer verdoppeln. So hat es die Stadt im Mobilitätskonzept 2040 festgehalten.

Holpriger Weg ins Stadtzentrum

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der Versuch an der Lindenstrasse habe gezeigt, dass man mit den Velostrassen erst am Anfang stehe, sagt Hasler. «Es gibt noch Problemstellen.»

Dort, wo die Lindenstrasse in die dicht befahrene Splügenstrasse münde, würden Velofahrer ausgebremst. Solche Unterbrüche würden Velostrassen wie in Amsterdam und Kopenhagen verhindern.

«St. Gallen wird nie eine Velostadt wie Amsterdam werden, genauso wie der FC St.Gallen nie wie Barcelona sein wird.»

Auch für Barbara Germann, Präsidentin von Pro Velo St. Gallen Appenzell, ist die Velostrasse erst ein kleiner Schritt zu einem flüssigen Veloverkehr durch die Stadt. «Vor dem Spital ist ein zügiges Vorwärtskommen abrupt zu Ende. Die Kreuzung ist ein Knackpunkt», sagt Germann.

Der ganze Weg ins Stadtzentrum sei für Velofahrer «holprig», wie Germann von Pro-Velo-Mitgliedern immer wieder zu hören bekomme. Holprig sei in diesem Fall durchaus zweideutig zu verstehen:

«Nicht nur die Beläge sind holprig, auch die Verkehrsführung ist teils wild.»

Christian Hasler betont die bisherigen Arbeiten für den Veloverkehr. «An der Rorschacher und an der Zürcher Strasse konnten wir viele Massnahmen umsetzen.» Velostreifen seien realisiert worden. Bei den beiden zentralen Achsen seien die breiten Strassen von Vorteil. Vor der Eröffnung der Stadtautobahn fuhren hier die Autos teils auf vier Spuren – heute sind es zwei. «So ist genug Platz vorhanden für Bus- und Velospuren», sagt Hasler.

Christian Hasler zeigt den Abschnitt der Lindenstrasse, der im Pilotprojekt zu einer Velostrasse umfunktioniert wurde. (Bild: Michel Canonica)

Christian Hasler zeigt den Abschnitt der Lindenstrasse, der im Pilotprojekt zu einer Velostrasse umfunktioniert wurde. (Bild: Michel Canonica)

Andere Verkehrsachsen, insbesondere die Langgasse, seien schmaler. Entsprechend schwieriger sei es dort, einen Velostreifen zu realisieren. «Es geht immer zu Lasten von anderem. Zu Gunsten allfälliger Velospuren müssten dann entweder Bäume oder Parkplätze entfernt werden.»

Die Velostrasse sei ein gutes Beispiel für ein «gelungenes Nebeneinander» von Autos und Velos, sagt Barbara Germann. Es brauche aber noch Zeit, um das neue Konzept kennen zu lernen. «Dass Velos Vortritt haben und nebeneinander fahren dürfen, daran müssen sich alle Verkehrsteilnehmer erst gewöhnen.»

Dies belegt der Pilotversuch: Nach der Einführung der Velostrasse fühlten sich auf der Lindenstrasse Velo- und Autofahrer verunsichert. «Nicht alle finden sich auf Anhieb mit der neuen Vortrittssituation zurecht», sagt Christian Hasler.

Augenmerk auf Vadianstrasse

Er würde der Lindenstrasse gerne weitere Velostrassen folgen lassen. Sein Augenmerk liegt auf der Vadianstrasse – beim Schulhaus St.Leonhard. Mit der Einführung der Tempo-30-Zone habe man dort die Velomarkierung aufheben und Rechtsvortritte signalisieren müssen.

«Für Velofahrer ist die Situation jetzt schlechter als vorher», sagt Hasler. Früher sei allen Velofahrern durch die rot markierten Streifen klar gewesen, dass sie freie Fahrt hätten. Nun sei die Verkehrssituation schwieriger.

Städte wollen Velostrasse im Gesetz verankern

Bislang gibt es keine gesetzliche Grundlage für Velostrassen in der Schweiz. In Tempo-30-Zonen ist bis heute Rechtsvortritt vorgeschrieben. «Das erhöht zwar die Aufmerksamkeit aller und drosselt die Geschwindigkeit, verhindert aber den Bau von Velostrassen», sagt Hasler. Deshalb sei nun der Bund gefordert.

Die fünf Pilotstädte sind von den Velo­strassen überzeugt. Auch die Stadt St. Gallen erachtet es deshalb als zentral, dass Velostrassen auf Bundesebene verankert werden. «Sobald die gesetzliche Grundlage kommt, ist die Velo­strasse an der Vadianstrasse der erste Abschnitt, den wir umsetzen wollen», sagt Hasler.

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