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Familienstreit vor dem Kreisgericht: Vater entsorgt Auto des Sohnes

Ein Zwist zwischen Vater und Sohn hat vor das Kreisgericht St.Gallen geführt. Der Vater liess ein altes Auto seines Sohnes entsorgen. Dieser machte geltend, das sei gegen seinen Willen geschehen.
Claudia Schmid
Der Sohn wandte sich an die Polizei. Er wies darauf hin, dass er das Auto gekauft habe, um es wieder Instand zu setzen. (Symbolbild: Benjamin Manser)

Der Sohn wandte sich an die Polizei. Er wies darauf hin, dass er das Auto gekauft habe, um es wieder Instand zu setzen. (Symbolbild: Benjamin Manser)

Wie den Ausführungen des Beschuldigten und seiner Verteidigerin zu entnehmen war, dauert der Konflikt zwischen dem Vater und seinem ältesten Sohn bereits geraume Zeit. Früher habe der Sohn für ihn gegen Entlöhnung die Buchhaltung erledigt, erzählte der 59-jährige Schweizer in der Befragung des Einzelrichters. Nachdem es zwischen ihm und seine Frau zur Trennung und später Scheidung gekommen sei, habe ihm der Sohn aber nur noch «Prügel zwischen die Beine geworfen».

Laut des Beschuldigten rückte der Sohn dringend benötigte Buchhaltungs-Unterlagen nicht mehr heraus. Mit grossem Zeitaufwand habe er vieles rekonstruieren müssen, um die Geschäftsbuchhaltung bei der Steuerbehörde einreichen zu können. Der Zwist ging offenbar in eine weitere Runde, als der Vater beabsichtigte, mit seiner neuen Partnerin in sein Elternhaus zu ziehen. Dort wohnten noch immer die Exfrau und der Sohn. Man habe vor die Schlichtungsstelle und vor Gericht gehen müssen, bis schliesslich ein Datum festgelegt worden sei, wann die beiden das Haus freigeben würden. Er habe sich im Gegenzug dazu verpflichtet, Mulden zur Verfügung zu stellen, um den vielen Unrat in und um das Gebäude entsorgen zu können.

Auto neben Mulde abgestellt

Als der Beschuldigte im August letzten Jahres zu seinem Elternhaus kam, sah er auf dem Vorhof neben einer der Mulden ein Auto stehen, welches mit einer Plache abgedeckt war. Es habe sich um eine Rostlaube gehandelt, in deren Innerem verrostete Teile gelegen hätten, erzählte der Mann. Sogleich sei er vom Pächter des angrenzenden Wieslandes darauf angesprochen worden, dass das Auto weg müsse, da es ihm sein Wegerecht versperre.

Darauf schickte er der Exfrau eine Textnachricht, in der er ankündigte, er werde das Auto entsorgen lassen. Falls dies der Sohn nicht wolle, solle er sich melden. Dem Sohn habe er die Textnachricht nicht schicken können, da er in seinem Natel die Nummer seines Vaters gesperrt habe. Als keine Antwort kam, bestellte er eine Entsorgungsfirma und liess das Auto abtransportieren. Es wurde entsorgt. Die Kosten dafür übernahm der Beschuldigte.

Der Sohn wandte sich an die Polizei. Er wies darauf hin, dass er das Auto erst vor wenigen Monaten gekauft habe, um es wieder Instand zu setzen. Der Wagen habe durchaus noch einen Wert gehabt. Darauf erhielt der Vater von der St.Galler Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl wegen Sachbeschädigung. Als Sanktion bekam er eine bedingte Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 30 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem sollte er eine Busse von 400 Franken und Verfahrenskosten von 950 Franken bezahlen. Gegen diesen Strafbefehl erhob er Einsprache.

Verteidigerin fordert Freispruch

Seine Verteidigerin forderte einen Freispruch. Ihr Mandant sei davon ausgegangen, dass der Sohn das Auto zur Entsorgung neben die Mulde gestellt habe. Da der Wagen ausgeschlachtet und mit Schrott gefüllt gewesen sei, habe er zurecht geglaubt, es handle sich um ein wertloses Gefährt. Der Verdacht liege nahe, dass der Sohn mit dem Abstellen des Autos den Vater bewusst provoziert habe, um ihm «eins auszuwischen».

Der Einzelrichter attestierte dem Mann ein sehr geringes Verschulden. Dennoch verurteilte er ihn wegen geringfügiger Sachbeschädigung zu einer Busse von 100 Franken. Zudem hat er Verfahrenskosten von 1850 Franken zu bezahlen. Da der Beschuldigte vor dem Abtransport des Wagens eine Textnachricht versandt habe, gehe er davon aus, dass er sich doch nicht ganz sicher gewesen sei, dass der Sohn das Auto habe entsorgen wollen. Da der Wagen jedoch höchstens einen Wert von 300 Franken gehabt habe, liege nicht Sachbeschädigung, sondern lediglich geringfügige Sachbeschädigung vor.

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