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Interview

Urs Mauchle leitet seit einem Jahr die IG Kultur Region Gossau und sagt: «Ich bin nicht der ideale Präsident»

Auch unter neuer Führung liegt die IG Kultur scheinbar im Dornröschenschlaf. Laut Urs Mauchle ist zwar einiges in Gang, aber vorwiegend hinter den Kulissen – und beim «Haus der Kultur».
Johannes Wey
Urs Mauchle sieht die Prioritäten der IG Kultur derzeit nicht bei eigenen Veranstaltungen. (Bild: Michel Canonica, 21. Februar 2019)

Urs Mauchle sieht die Prioritäten der IG Kultur derzeit nicht bei eigenen Veranstaltungen. (Bild: Michel Canonica, 21. Februar 2019)

Seit ihrer Gründung im Frühling 2008 ist es ruhig geworden um die IG Kultur Region Gossau. Die Arte Notturna, der Anlass mit der grössten Strahlkraft, fand letztmals 2013 statt. Seit Jahren gibt die IG, die über 30 Kulturvereine umfasst, das Ziel aus, wieder mehr von sich hören zu lassen – geschehen ist wenig. Präsident Urs Mauchle findet, die IG müsse in erster Linie nach Innen wirken.

Sie sind seit bald einem Jahr Präsident der IG Kultur. Was hat sich seither getan?

Urs Mauchle: Nicht nur ich bin neu, sondern auch der übrige Vorstand. Ich bin als einziger seit mehr als einem Jahr Mitglied. Wir mussten uns als erstes organisieren. Ich habe schon vor meinem Amtsantritt analysiert, was die Mitglieder, aber auch andere Anspruchgruppen wie die Stadt, für Erwartungen an uns haben. Nun ist es unser Ziel, die Kontakte zu diesen Anspruchsgruppen zu vertiefen. Mir ist klar, dass man von aussen derzeit nichts von unserer Arbeit spürt.

Was sind denn die Erwartungen Ihrer Mitgliedervereine?

Das sind drei Punkte, die bereits in den Statuten stehen: die Vernetzung der Kulturvereine, der Kulturschaffenden und des Publikums. Das Schaffen einer Plattform für eine gemeinsame Kommunikation. Und das Angebot einer zentralen Anlaufstelle, an die sich beispielsweise die Stadt wenden kann, die aber auch die Interessen nach aussen vertritt.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass wir unglaublich heterogen zusammengesetzt sind. Die einen machen Kultur, die anderen veranstalten Kultur und die dritten unterstützen Kultur. All diese Ansätze unter einen Hut zu bringen ist für uns die grösste Herausforderung.

Es geht um das Konzeptuelle.

Genau. Allerdings haben wir bereits kurz nach meiner Wahl ein neues Logo und eine neue Website erstellt.

Dort ist seit Juni erst eine Mitteilung zu sehen, die Besucher auf der neuen Website begrüsst.

Das stimmt. Die Website ist nicht nur ein Instrument für die Kommunikation nach aussen, sondern auch eine Datenbank für uns und die Mitgliedervereine, mit den aktualisierten Adressen aller Ansprechpersonen. Die Arbeit dahinter sieht ein Aussenstehender nicht. Natürlich sieht die Website alleine damit noch nicht so aus, wie sie sollte.

Trotzdem: Seit Jahren gibt die IG Kultur das Ziel aus, wieder sichtbarer zu werden. Was geschieht diesbezüglich?

Zum einen stehen wir in Kontakt mit der IG Sport Region Gossau. Wir haben viele gemeinsame Ziele und es gibt keinen Grund, weshalb wir diese separat verfolgen sollen. Zum anderen soll unsere Website bald auch als Plattform für alle Mitglieder aber auch die IG dienen, beispielsweise als Veranstaltungsagenda. Am besten sichtbar sind die Planungen für das «Haus der Kultur», wo wir in der Projektgruppe mitarbeiten.

Was ist Ihr Beitrag beim «Haus der Kultur?»

Die Federführung liegt beim Gymnasium Friedberg, auf dessen Gelände das Haus entsteht. Das Gymnasium bringt natürlich seine Bedürfnisse ein, genau wie die Stadt. Wir kümmern uns um die Bedürfnisse der Kulturvereine als Benutzer dieses Hauses.

Sichtbarkeit verlieh der IG Kultur auch die Arte Notturna, bis sie eingestellt wurde.

Dieser Anlass war sehr publikumswirksam und ist noch in allen Köpfen. Das ist mit ein Grund, dass sich heute viele die Frage stellen, was die IG Kultur überhaupt treibt. Aber eigentlich zählen solche Veranstaltungen nicht zu unseren Kernaufgaben. Das steht auch nicht in unseren Statuten. Ich schliesse zwar nicht aus, dass wir uns künftig wieder an einen eigenen Grossanlass wagen, aber momentan haben wir andere Prioritäten.

Fehlt Ihnen damit nicht ein Flaggschiff, um einmal im Jahr im Gespräch zu sein?

Das stimmt sicher. Die Frage ist, was das richtige Flaggschiff ist. Wir haben diesbezüglich im Vorstand verschiedene Ideen entwickelt, die aber noch nicht in diesem Jahr verwirklicht werden.

Die IG Sport hat mit ihrem Engagement für ein Ja bei der Grundsatzabstimmung für das Hallenbad viel Popularität gewonnen.

Natürlich ist das Vertreten kultureller Interessen in der Politik eine unserer Aufgaben, die wir nun in Sachen «Haus der Kultur» auch wahrnehmen. Aber ich sehe derzeit kein kulturpolitisches Thema, dass für unsere Mitglieder existenziell wäre. Ich glaube nicht, dass unsere Mitgliedervereine primär aus politischen Motiven dabei sind.

Wie viele kulturelle Anlässe in Gossau – einmal abgesehen von den Auftritten der Stadtmusik – besuchen Sie?

Zu wenige. Ich denke daher auch, dass ich nicht der ideale Präsident für die IG Kultur bin. Das müsste jemand sein, der das kulturelle Leben in Gossau sehr gut kennt. Der Zeit und Musse hat, all diese Veranstaltungen zu besuchen.

Das fehlt mir aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit, aber auch wegen all meiner musikalischen Engagements. Ich habe immer eher selber Kultur gemacht, als kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Das bringt uns wieder zu der Heterogenität der Mitgliedervereine: Im Vorstand fehlen uns Vertreter der Vereine, die Kulturanlässe veranstalten.

Welche Herausforderungen stellt eine Kleinstadt an die kulturelle Tätigkeit?

Das Dorfleben ist noch ausgeprägt, aber nicht mehr so, wie in kleineren Gemeinden. Es spielen die Vor- und Nachteile des städtischen Charakters mit: Die Anonymität, die vielen Zu- und Wegzüger, die abnehmende Loyalität zu den Vereinen. Ich glaube, die Chance für Gossau liegt darin, im Gegensatz zu St. Gallen ein Zentrum für die Landgemeinden zu sein – auch kulturell. Wir sind ja die IG Kultur Region Gossau. Das wollen wir in Zukunft wieder stärker leben.

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