Urban Heating: St.Galler Stadtrat will begrünte Fassaden und Dächer fördern

Gebäudebegrünungen wirkten wie natürliche Klimaanlagen. Das antwortet der St.Galler Stadtrat auf eine Einfache Anfrage.

Daniel Wirth
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Der neue Vortragsraum beim Botanischen Garten in St.Gallen soll auf dem Dach und an der Fassade begrünt werden. Es wurde ein Gesuch um Fördergeld aus dem Fonds der Deponie Tüfentobel eingerecht.

Der neue Vortragsraum beim Botanischen Garten in St.Gallen soll auf dem Dach und an der Fassade begrünt werden. Es wurde ein Gesuch um Fördergeld aus dem Fonds der Deponie Tüfentobel eingerecht.

Visualisierung: Direktion Planung und Bau 

Den Vorstoss reichte Stadtparlamentarier Andreas Hobi (Grüne) an der Sitzung im Januar ein. Er wollte konkret wissen: Ist eine finanzielle Unterstützung von Dach- und Fassenbegrünungsprojekten aus dem Fonds für ökologische Ausgleichsmassnahmen der Deponie Tüfentobel für alle möglich? 

Andreas Hobi von den Grünen reichte die Einfache Anfrage ein.

Andreas Hobi von den Grünen reichte die Einfache Anfrage ein.

Bild: Benjamin Manser

Für ist Andreas Hobi ist unbestritten: Dach- und Fassadenbegrünungen stellen ein geeignetes Mittel gegen die Hitze in der Stadt dar und können sowohl einen Beitrag zur Biodiversität als auch zur Wohnqualität leisten.  

Im Kampf gegen Hitzeinseln

Aus der Suche nach allfälligen Fördermitteln für Begrünungen von Dächern und Fassaden sei er auf den Fonds für ökologische Ausgleichsmassnahmen der Deponie Tüfentobel gestossen, schreibt er in seiner Einfachen Anfrage, die nun vom Stadtrat beantwortet worden ist.

Die Stadtregierung widerspricht dem grünen Parlamentarier nicht. Im Gegenteil; er ist eins mit ihm, wie er schreibt: Städte stünden vor der Herausforderung, neben den CO2-senkenden Klimaschutzmassnahmen auch Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen.

In unseren Breitengraden seien die Städte vor allem mit Hitzewellen und Starkniederschlägen konfrontiert. "Gebäudebegrünungen wirken wie natürliche Klimaanlagen und können zudem einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität leisten", schreibt der St.Galler Stadtrat.

Im Einklang mit der Fondsbestimmung

Gebäude mit Dach- und Fassadenbegrünungen seien zudem ein Teil der urbanen grünen Infrastruktur, einem Netzwerk aus naturnahen und gestalteten Flächen und Elementen in Städten. Wie konventionelle Grünflächen könne die Dach- und Fassadenbegrünung als Vernetzungs- und Lebensraum von Tieren und Pflanzen in der Stadt von Bedeutung sein.

Die Schlussfolgerung der städtische Exekutive: Die Förderung von Dach- und Fassenbegrünungen aus Mitteln des Deponiefonds steht im Einklang mit dessen Zweckbestimmung. Diese lautet: Unterstützung nachhaltiger  ökologischer Massnahmen zur Förderung von Lebensräumen schützenswerter Tiere und Pflanzen in Gaiserwald und in St.Gallen.

Im Topf hat es fast eine Million Franken

2004 hatte das Baudepartement des Kantons St.Gallen die Erweiterung der Deponie Tüfentobel genehmigt. Deren fortlaufender Ausbau führt zu einem Verlust von Naturwerten, die durch Ersatzmassnahmen ausserhalb des Deponieperimeters zu kompensieren sind.  Im eigens dafür geäufneten Fonds liegen derzeit gemäss Stadtrat 924 000 Franken.

In den Fonds fliessen ein Prozent der jährlichen Gebühreneinnahmen der Deponie Tüfentobel. Eine vom Stadtrat gewählte Kommission beurteilt Fördergesuche auf ihre ökologische Bedeutung. Präsident der Kommission ist Marco Sonderegger, Unternehmensleiter von Entsorgung St.Gallen.

In den vergangenen zehn Jahren wurden aus dem Fonds der Deponie Tüfentobel, in der Aushubmaterial gelagert wird, 16 Beiträge in der Summe von 367 000 Franken ausbezahlt, wie aus der Antwort des Stadtrats auf Andreas Hobis Einfache Anfrage hervorgeht.

Grünes Dach auf dem Heizkraftwerk

Den grössten Brocken machte mit fast 100 000 Franken die Aufwertung des Moosweihers in Gaiserwald aus. Es wurden aber auch schon Beiträge an Dachbegrünungen ausbezahlt: Knapp 48 000 Franken für diejenige auf dem Kehrichtheizkraftwerk (KHK) im Sittertobel oder gut 2000 Franken an diejenige auf einem Mehrfamilienhaus an der St.Galler Lehnstrasse. 

Auch der neue Vortragsraum im Botanischen Garten im Osten der Stadt soll mit einer Dach- und einer Vertikalbegrünung versehen werden. Das Gesuch über einen Beitrag von 16 500 Franken wurde gemäss Stadtrat aber noch nicht behandelt. Die Beiträge sollen in der Regel die Hälfte der entstehenden Mehrkosten nicht übersteigen, wie der Stadtrat schreibt.

Andreas Hobi ist erfreut

Andreas Hobi freut die Antwort des Stadtrats. Ihm sei es darum gegangen, dass der Fördertopf breiter bekannt gemacht werde. Hier sei der Stadtrat in seiner Antwort zurückhaltend geblieben, findet Hobi.  Immerhin schalte Entsorgung St.Gallen im Internet einen Hinweis auf.

Hobi hat aufgrund zahlreicher Vorgespräche mit einer positiven Antwort des Stadtrats gerechnet. Allerdings sei das in Anbetracht des Sparpakets "Fokus 25", das die Verwaltung gerade schnürt und mit dem der Stadtrat die Ausgaben um 30 Millionen Franken im Jahr senken will, nicht selbstverständlich.