Die Volleyballer von Andwil-Arnegg setzen auf das Götti-System

Richard Stolz trainierte in 35 Jahren fast jedes Team des VBC Andwil-Arnegg. Seit Januar 2018 betreut er die erste Mannschaft. Um den Umbruch zu bewältigen, schwört er auf eine spezielle Methode.

Pascal Koster
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Richard Stolz ist seit vielen Jahren Coach im Volleyballclub Andwil-Arnegg. (Bild: Urs Bucher)

Richard Stolz ist seit vielen Jahren Coach im Volleyballclub Andwil-Arnegg. (Bild: Urs Bucher)

«Ich bin einfach ein langweiliger Mensch», sagt Richard Stolz mit leicht sarkastischem Unterton. Für mehr als 40 Jahre hat er als Lehrer in der Schulgemeinde Andwil-Arnegg gearbeitet. Seit zwei Jahren ist Stolz im Ruhestand; doch selbst als Pensionär sind seine Dienste gefordert. Derzeit unterrichtet er, weil eine Berufskollegin schwanger ist.

Ein Spielertrainer genügt nicht

Ebenso ausdauernd ist Stolz’ Engagement an der Seitenlinie des Volleyballclubs Andwil-Arnegg. Seit rund 35 Jahren ist er beinahe ununterbrochen Trainer im Verein. Die meiste Zeit betreute er Junioren. Auf dieses Jahr hin übernahm er die erste Mannschaft, obwohl er seit 2009 eigentlich bereits zweimal zurückgetreten war. «Viele junge Spieler haben das Zeug, um in der ersten Mannschaft Fuss zu fassen, aber es braucht jemanden, der sie ans Team heranführt», begründet Stolz seinen neuerlichen Amtsantritt. Vor ihm führte Silvan Ledergerber die Mannschaft als Spielertrainer. Er habe super Arbeit geleistet, sagt der 64-jährige Stolz. Doch um einen Umbruch durchzuführen, sei das Modell des Spielertrainers nicht optimal. «Es braucht jemanden, der sich zu hundert Prozent aufs Coaching konzentrieren kann.»

Das «Götti-System» soll weiterhelfen

Im Kader des Erstligisten stehen derzeit sechs Spieler, die noch auf Juniorenebene antreten könnten, also unter 23 Jahre sind. Dem Coach gefällt’s: «Sie sind in den Trainings und im Team integriert.» Kräftemässig seien sie teils zwar noch unterlegen, doch daran werde gearbeitet. Stolz’ Ziel ist, dass Andwil-Arnegg in zwei bis drei Jahren ein konkurrenzfähiges 1.-Liga-Team stellt, in dem die Jungen fest eingebunden sind. Er rechnet damit, dass in absehbarer Zeit einige der arrivierten Spieler aufhören werden. «Der eine hat einen verantwortungsvollen Beruf, der andere ist Familienvater. So verschieben sich die Interessen.»

Um den Generationenwandel zusätzlich zu beschleunigen, trainiert das Team von Stolz nach dem «Götti-System», wie er es nennt. Jedem verdienten ist ein junger Spieler, ein «Göttibueb», zugeteilt. Götti und Göttibueb müssen auf derselben Position spielen, sodass ein effektiver Lernprozess stattfinden kann. Das Konzept intensiviert dementsprechend den Konkurrenzkampf um die einzelnen Positionen.

«Alt und Jung müssen Reife zeigen, damit das System funktioniert», sagt Stolz

Bis anhin kann er mit der Entwicklung des Teams zufrieden sein. Die Fürstenländer stehen auf Rang drei und müssen sich langsam Gedanken machen, den Aufstieg in die NLB ins Visier zu nehmen. Ob der zweite Platz, der zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen berechtigt, angepeilt wird, entscheiden die Verantwortlichen erst in der Winterpause. Man tendiere zu einem Nein, sagt Stolz. «Für die meisten älteren Spieler wäre die ganze Reiserei ein zu grosser zeitlicher Aufwand.» Dass die St.Galler durchaus ein NLB-taugliches Team hätten, zeigten sie vergangenes Wochenende beim knappen Cup-Out in vier Sätzen gegen Traktor Basel, den Tabellenersten der NLB West.