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Weltkulturerbe bedroht: St.Galler wehren sich mit Petition gegen Überbauung

Ein geplantes Gebäude am Mühlensteg in St.Gallen ist Anwohnern ein Dorn im Auge. Jetzt sammeln sie dagegen Unterschriften und setzen auf die Unesco. Sie soll dafür sorgen, dass der Blick auf das Weltkulturerbe Stiftsbezirk erhalten bleibt.
Roger Berhalter
Freie Sicht: Von der Berneggstrasse blickt man auf den Dom mit dem Gallus-Relief zwischen den Dachziegeln (Bildmitte). Wo heute noch Büsche wachsen (Vordergrund), sind 17 Wohnungen geplant. (Bild: Roger Berhalter)

Freie Sicht: Von der Berneggstrasse blickt man auf den Dom mit dem Gallus-Relief zwischen den Dachziegeln (Bildmitte). Wo heute noch Büsche wachsen (Vordergrund), sind 17 Wohnungen geplant. (Bild: Roger Berhalter)

«Möchten Sie unterschreiben für diese schöne Aussicht?», fragt Hanspeter Egloff die Passantin, die auf der Berneggstrasse hinab in Richtung Stadtzentrum eilt. Als sie «schöne Aussicht» hört, bleibt sie stehen, tritt näher – und unterschreibt. Egloff ist zufrieden. Seit zwei Wochen steht der 64-Jährige fast täglich an dieser Stelle, um Unterschriften für eine Petition zu sammeln.

Er möchte damit ein Bauprojekt verhindern. Im Steilhang zwischen dem Mühlensteg und der Berneggstrasse ist eine Überbauung mit 17 Kleinwohnungen geplant. Das Gebäude wird über die Berneggstrasse hinausragen und den Fussgängern den Blick auf den Dom versperren. Dagegen wehrt sich Egloff. «Ich mache das nicht aus privaten Interessen», betont er, der unmittelbar oberhalb der Bauparzelle wohnt. Er werde so oder so weiterhin auf den Dom blicken können – im Gegensatz zu den Touristen, die heute gerne von der Strasse aus ein Foto machen.

Das Gallus-Relief ist bestens zu sehen

Zusammen mit seiner Frau und seinem Nachbarn Richard Hirzel – besser bekannt als Clown Pic – bekämpft Egloff das Bauprojekt einerseits auf dem Rechtsweg. Ihr Rekurs beim kantonalen Baudepartment ist derzeit noch hängig, ein Entscheid ist frühestens im Herbst zu erwarten.

Parallel zu diesem Rechtsstreit haben die Anwohner eine Petition lanciert. Die Unesco soll’s richten, so lautet der Plan. Hanspeter Egloff möchte die Petition beim Unesco-Hauptsitz in Paris einreichen, ebenso bei der Schweizerischen Unesco-Kommission in Bern, und auch mit dem Verein Weltkulturerbe Stiftsbezirk St.Gallen ist er in Kontakt. Sein Anliegen: Der Blick auf den Stiftsbezirk, das Unesco-Weltkulturerbe, soll frei bleiben. Egloff deutet auf das Gallus-Relief im südlichen Giebel des Doms. Es zeigt die Legende von Gallus und dem Bären, und es ist von der Berneggstrasse aus bestens zu sehen. «Das wurde bewusst so gebaut.»

Anwohner Hanspeter Egloff

Anwohner Hanspeter Egloff

Egloff setzt mit der Petition auf das Konzept der wesentlichen Sichtachsen. Im Managementplan des St.Galler Vereins Unesco-Weltkulturerbe Stiftsbezirk sind solche Sichtachsen auf den Dom eingezeichnet. Demnächst soll gemäss dem Managementplan auch eine Schutzverordnung vorliegen, die «räumlich begrenzte Zonen für den Schutz der Sichtachsen und Sichtbereiche» definiert. Nicht nur der Stiftsbezirk, sondern auch der Blick darauf sei also zu schützen.

54 Welterbe-Stätten sind in Gefahr

Zum Weltkulturerbe zählen Kulturgüter von aussergewöhnlichem universellem Wert. Die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, zählt aktuell 1073 Natur- und Kultur-Stätten zu ihrem Welterbe. Davon befinden sich 12 in der Schweiz. Der St. Galler Stiftsbezirk gehört seit 1983 zum Weltkulturerbe. Die Unesco führt auch eine Rote Liste der gefährdeten Welterbe-Stätten. 54 Orte stehen aktuell auf dieser Liste. Sie liegen vor allem in Krisengebieten wie Syrien.

Das Gebäude am Mühlensteg liegt gemäss Hanspeter Egloff auf einer solchen Sichtachse. Mit der Petition möchte er erreichen, dass die Achse als solche definiert und nicht überbaut wird. Allenfalls könnte die Unesco den Stiftsbezirk auf die Rote Liste der bedrohten Welterbe-Stätten setzen. St.Gallen stünde dort in einer Reihe mit Wien, wo ein Hochhaus gemäss Unesco das Erscheinungsbild der Altstadt gefährdet. Letztlich könnte die Unesco St. Gallen sogar das Weltkultur-Label wieder entziehen, so die Drohkulisse.

Verdichtung am falschen Ort

Die Resonanz auf die Petition ist gross und mehrheitlich positiv. Fast 500 Personen haben schon unterschrieben, darunter auch Stiftsbibliothekar Cornel Dora. «Weil das Kloster St.Gallen die besondere Identität der Stadt wesentlich prägt und das auch sichtbar sein muss», schreibt er in einem Kommentar auf der Petitions-Webseite.

Auch Stadtparlamentarier Andreas Hobi (Grüne) ist gegen die Überbauung am Mühlensteg. Allerdings nicht wegen der Aussicht. Er sei grundsätzlich für Verdichtung im Stadtzentrum, doch bei diesem Projekt handle es sich um eine «unzumutbare Verdichtung». Unzumutbar vor allem für die Bewohner der Liegenschaft unterhalb der Bauparzelle, am Mühlensteg 3, deren Wohnqualität durch den Bau entscheidend beeinträchtigt würde. Hobi: «Man baut diesen Leuten direkt vor die Nase.»

Die Online-Petition zum Unterschreiben:
www.openpetition.eu/!gallus

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