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«Die Kinder können nicht mehr so gut sprechen»: Untereggens Schulpräsidentin gibt ihr Amt nach 15 Jahren ab

Petra Gächter stand während 15 Jahren der Schule Untereggen vor. Sie half mit, die Einheitsgemeinde zu gründen, aber auch Absagen musste sie einstecken. Nun freut sie sich auf neue Aufgaben.
Jolanda Riedener
Ein bunter Elefant ist Maskottchen der Schule Untereggen. Petra Gächter verabschiedet sich mit einer sanften Berührung vom Riesen auf dem Vordach des Schulhauses. (Bild: Jolanda Riedener)

Ein bunter Elefant ist Maskottchen der Schule Untereggen. Petra Gächter verabschiedet sich mit einer sanften Berührung vom Riesen auf dem Vordach des Schulhauses. (Bild: Jolanda Riedener)

Eigentlich sei ihr die Entscheidung abgenommen worden. Denn hätte sich Petra Gächter in zwei Jahren überlegen müssen, ob sie nochmals für eine Legislatur als Schulpräsidentin von Untereggen antritt, wäre ihr die Wahl nicht leicht gefallen. Im April zog Gächter mit ihren vier Kindern nach St. Gallen um. Folglich muss sie auch ihr politisches Amt niederlegen.

Seit beinahe 15 Jahren präsidiert sie die Schule Untereggen. Acht Jahre als Schulrätin, vier Jahre als Schulratspräsidentin und seit der Bildung der Einheitsgemeinde weitere zweieinhalb Jahre als Schulpräsidentin. Als es darum ging, Schule und Gemeinde zu vereinen, war sie mitten drin. «Das System Einheitsgemeinde hat sich gut eingespielt», sagt Gächter. Obwohl es nicht unbedingt kostengünstiger sei. Bereits vorher habe man in der 1055-Einwohner-Gemeinde zusammengearbeitet. Dass es heute gut klappt, hänge aber in erster Linie von den Leuten ab.

Auch wenn von aussen seither vielleicht kein merklicher Unterschied erkennbar sei, so entstand für Gächter vor allem eine Mehrbelastung. Statt nur die Geschäfte der Schule, muss sie auch die Aufgaben als Gemeinderätin übernehmen. «Ich bin auch als Schulpräsidentin in anderen Kommissionen tätig», sagt sie. Spannend sei die Arbeit aber allemal und habe sie auch persönlich weitergebracht. Sie sagt:

«Auch nach 15 Jahren ist das Amt abwechslungsreich und spannend.»

Nichts passiere zweimal genau gleich. Denn es gehe um Menschen und somit um Einzelfälle.

Politische Ämter sind nicht sehr beliebt

Petra Gächters Lebenssituation hat sich verändert, deshalb zog sie vor gut zwei Monaten nach St. Gallen. Ihre Stelle als Primarlehrerin in Rorschacherberg hat sie ebenfalls gekündigt und eine Anstellung als Schulleiterin in Abtwil angenommen. Eine entsprechende Ausbildung wird die 46-Jährige ebenfalls in Angriff nehmen. «Ich freue mich auf diese Aufgabe», sagt sie.

Ihre Nachfolge tritt Gemeinderat André Habermacher an. Am 19. Mai wählten ihn die Unteregger als einzigen Kandidaten. Ein erstes «Übergabe»-Gespräch habe sie bereits mit ihrem Nachfolger geführt. «Ich bin auch für Nachfragen da», sagt Gächter. Einfach ist es in Untereggen nicht, Leute zu finden, die sich für ein politisches Amt zur Verfügung stellen – das zeigen vergangene Gemeinderatswahlen. Auch gibt es im Dorf keine Ortsparteien, was die Suche noch schwieriger mache.

Bürger wollen kein neues Schulhaus

Mit Gächters Weggang fehlt dem Gremium ausserdem eine Frau. «Natürlich wäre es toll, wenn wieder eine Frau im Gemeinderat vertreten wäre», sagt die amtsälteste Gemeinderätin.

Der Platzbedarf der Schule Untereggen ist knapp. In einer Umfrage wollte der Rat wissen, wie die Bevölkerung damit umgehen will und ob ein neues Schulhaus, allenfalls sogar eine neue Turnhalle gebaut werden soll. Die Bürger sprachen sich für die kostengünstige Variante aus: Eine Sanierung des 100-jährigen Schulhauses und allenfalls einen Ersatz für den Pavillon. «Die Zeit war damals nicht reif», sagt Petra Gächter rückblickend. Sie finde es aber auch schade, dass tiefe Steuern wichtiger sind, als sich für die Allgemeinheit einzusetzen.

Lieber am Telefon statt via E-Mail

Die Schule Untereggen arbeitet seit vielen Jahren integrativ. Man versucht, möglichst viele Kinder im Dorf zu unterrichten und bei Bedarf entsprechend zu fördern. «Die Gesellschaft hat sich mit der Digitalisierung stark verändert, darunter leidet die Kommunikation», sagt Gächter. Sie beobachte, dass viele Kinder nicht mehr gut sprechen können und vermehrt zum Beispiel logopädische Unterstützung benötigen.

Auch im beruflichen Alltag bevorzugt sie das Telefon anstelle der Tastatur: «Offen miteinander zu reden ist das A und O.» Das sei etwas, das sie ihrem Nachfolger mitgeben würde. Und auch ein weiterer Rat ist ihr wichtig:

«Es geht hier nicht um nackte Zahlen, sondern immer um ein Kind.»

Engagement ist ihr wichtig, deshalb kann sich die Parteilose auch gut vorstellen, in St. Gallen ein Amt auszuüben.

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