«Untereggen kann ein Zeichen setzen», ist sich Gemeindepräsident Norbert Rüttimann sicher

Seit rund fünf Jahren lenkt Norbert Rüttimann die Geschicke von Untereggen. Im «Tagblatt»-Sommerinterview erzählt er, was ihn an dem Amt dennoch immer mal wieder überrascht und warum er der nächsten Generation keinen Scherbenhaufen überlassen will.

Ines Biedenkapp
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Norbert Rüttimann beim Wappen von Untereggen im Gemeindehaus. (Bild: Ralph Ribi)

Norbert Rüttimann beim Wappen von Untereggen im Gemeindehaus. (Bild: Ralph Ribi)

Haben Sie selbst demnächst etwas Verrücktes vor?

Norbert Rüttimann: Ehrlich gesagt nicht. Es bleibt auch nicht viel Zeit bei all den vielen Projekten auf der Gemeinde. Und auch im Geschäft gibt es immer viel zu tun.

Sie haben einmal gesagt, Untereggen sei keine Schlafgemeinde. Sind Sie immer noch der Meinung?

Ja. Ich meine man muss es immer im Verhältnis sehen. Wir sind 1000 Einwohner, da läuft nicht jedes Wochenende etwas. Aber wir haben viele Anlässe, etwa das Dorfgrümpeli-Wochenende, da ist alles auf den Beinen. Die Unterhaltung der Bürgermusik, die Adventsfenster oder die Neujahrsbegrüssung. Demnächst machen wir hier auch einen Tag der offenen Tore, also Feuerwehr und Verwaltung. Ich denke, es läuft relativ viel und die Leute machen mit. Auch die Bundesfeier am 31. Juli ist trotz der Ferienzeit gut besucht. Ein Zeichen, dass die Leute hier leben, mitmachen und sich am Dorfleben beteiligen.

Sie sprachen einmal von Ideen, das Dorfleben weiter anzukurbeln. Was ist daraus geworden?

Leider nicht viel. Vor etwa drei Jahren brachten wir den Vorschlag, dass die Gemeinde eine Art Dorfladen bieten oder auch bauen würde, aber das haben die Leute so nicht gewollt. Dann gab es mal das Gespräch um eine Filiale einer Bäckerei, das ruht im Moment aber auch.

Das wäre vielleicht ein Punkt in der Ortsplanung, wie wir da gewisse Gebiete überbauen könnten, um eben dort vielleicht so etwas aufgleisen zu können.

Wir haben hier die Metzgerei, die auch Alltägliches wie Brot, Salat oder Gemüse anbietet. Da bekommt man eigentlich alles Notwendige. Aber klar, es wäre schöner, wenn man noch ein Angebot hätte, das ist so. Aber kommt Zeit, kommt Rat.

In den umliegenden Gemeinden wird derzeit viel gebaut. Sieht man hier das Bedürfnis mitzuziehen?

Das Gefühl mitzuziehen, haben wir so oder so nicht. Momentan läuft baulich eigentlich nicht viel. Ein Projekt haben wir bewilligt, das zweite ist derzeit im Rechtsmittelverfahren, da noch Einsprachen hängig sind. Es gibt das eine oder andere Vorprojekt, aber nichts im grossen Stil. Auch, weil wir eigentlich kein eigenes Bauland mehr frei haben. Dadurch sind wir automatisch ein wenig eingeschränkt.

Gibt es Pläne, dies zu ändern?

Da ist sicher das Ziel, die Ortsplanung generell und das Baureglement anzupassen, dass auch in Zukunft eine gewisse Innenentwicklung möglich ist. Da sind wir schon relativ weit. Das ist zur Vorprüfung bei den kantonalen Stellen und wir hoffen, dass wir das möglichst bald anfangen können. Aber derzeit sind relativ viele Gemeinden dran, das heisst, dass die Wartefristen dementsprechend auch ein wenig länger sind. Wir planen aber auch hier moderat und auf bereits bebauten Gebiet.

Was heisst das konkret?

Wir haben ein Projekt mit der SAK gehabt, um hier Fernwärme zu ermöglichen. Kurz vor dem Sommer haben sie sich jedoch zurückgezogen. Da für sie die Realisierung oder die Rendite, die sie sich vorstellen, nicht erreicht werden kann. Wir haben jetzt einen externen Berater hinzugezogen und die Zahlen verifiziert. Dennoch sind wir mit dem Planer zum Schluss gekommen, dass es theoretisch möglich wäre, in Untereggen Fernwärme anzubieten. Da sind wir jetzt mit Hochdruck dran, eine eigene Lösung zu finden. Wir haben wirklich das Gefühl, dass wir das im Kerngebiet, ausser natürlich bei den Aussenhöfen und Weihern, umsetzen können.

Warum haben Sie sich für Fernwärme entschieden?

Wir wollen von den jetzigen fossilen Heizstoffen wegkommen, und die Anlage mit regionalem und lokalem Holz betreiben. Ich denke, damit könnte Untereggen auch ein Zeichen setzen. Nicht, dass wir unserer nächsten Generation einen Scherbenhaufen hinterlassen. Ziel wäre, dass wir alles Ende Jahr vorstellen können. Dann können wir auch Ideen für ein Förderkonzept für Liegenschaften ausserhalb des Fernwärmeperimeters aufzeigen.

Was ist derzeit noch in Planung?

Die Fussgänger- und Veloverkehrsbrücke in Richtung St. Gallen. Das ist natürlich auch ein zukunftsgerichtetes Projekt. Und die Schule ist natürlich auch immer ein Thema. Da haben wir die Antwort der Unteregger ja bereits bekommen. Sie wollen, dass man das Schulhaus nicht abbricht und neu baut. Nichtsdestotrotz müssen wir an Schulhauserweiterungen denken, da der Pavillon seine Lebensdauer langsam erreicht hat. Da sind wir zwar nicht mit Hochdruck dran, aber doch immer wieder. Wir wollen da wirklich eine gute Lösung präsentieren. Derzeit sind wir also an verschiedenen Abklärungen dran.

Wie sehen die Unteregger eigentlich dem geplanten Autobahnanschluss entgegen? Etwas, dass auch hier bewegt?

Wir sind nicht direkt betroffen. Wir können aber sagen, dass in den letzten Jahren der Durchgangsverkehr, vor allem am Morgen und am Abend, doch massiv zugenommen hat. Das spüren wir auch. Ich möchte mich nicht in andere Gemeinden einmischen. Wenn man sich das allerdings so anschaut, könnte es wirklich eine Chance sein, vor allem für Goldach, aber auch für die Region. Dass es immer Gewinner und Verlierer bei einer solchen Angelegenheit gibt, ist aber auch klar.

Fühlt sich der Wechsel zwischen Gemeindepräsident und eigenem Betrieb immer noch wie ein Spagat zwischen zwei Welten an?

Es ist ein Spagat, fühlt sich mit der Zeit aber nicht mehr so an. Es sind auch zwei verschiedene Welten. Aber sehr spannend. Persönlich kann ich und werde ich in Zukunft auch viel lernen, wo ich im Betrieb vielleicht nie dazu gekommen wäre. Es hat einen Haufen spannender Aufgaben in der Gemeinde.

Gleichzeitig ist der Handwerksbetrieb etwas erdend, habe ich das Gefühl.

Man ist damit auch bei den Problemen von jedermann oder jederfrau, auch der Mitarbeiter. Das ist auch ein gewisser Ausgleich, das muss ich sagen. Manchmal ist es echt schön, wenn man einfach mal wieder am Auto daheim flicken kann. Obwohl das auch immer ein klein wenig weniger wird. Schlussendlich ist es aber nur möglich, da es gute Leute auf der Verwaltung und im Betrieb hat. Sonst wäre es vielleicht manchmal ein wenig arg schwierig.

Überrascht Sie noch etwas in Ihrer Amtszeit?

Manchmal die Abläufe, vor allem im Zusammenhang mit den kantonalen Ämtern und wie lange etwas gehen kann. Wenn man eben aus der Privatwirtschaft kommt wie ich, dann ist es meistens schneller oder man macht es einfach selbst. Und bei den Ämtern dauert es halt einfach ein wenig länger. Das will nicht heissen, dass es schlechter ist. Manchmal bekommt man dadurch auch neue Erkenntnisse. Aber das ist sicher immer noch eine kleine Umstellung. Und manchmal wäre es einfach schön, wenn man das Grosse und Ganze in Untereggen anschauen würde. Nicht nur auf sein eigenes kleines Gärtchen.

Was liegt Ihnen derzeit besonders am Herzen?

Das Thema Gemeinderat. Nachdem André Habermacher ja zum Schulpräsidenten gewählt wurde, haben wir eine Vakanz. Bisher ist mir noch nicht bekannt, dass jemand sein Interesse gemeldet hätte. Aber das hat auch noch ein wenig Zeit, bis zum 22. August.

An wen richtet sich die Stellenausschreibung?

Schön, denke ich, wäre es, wenn wir wieder eine Frau hätten. Das täte unserem Männergremium gut. Und die Leute brauchen keine Angst vor der Tätigkeit zu haben. Wir haben da auch gute Leute auf der Verwaltung, die einen unterstützen. Von dem her braucht es keine spezifische Ausbildung. Wichtig ist das Interesse und Freude, dass man sich da einsetzen und einbringen kann für die Gemeinde.

Warum Untereggen und nirgends sonst?

Es hat trotz allem seinen Charme bewahren können. Und da ist das Ziel, dass wir das auch weiterhin tun. Weil ich hier aufgewachsen bin und einen grossen Teil dieser Entwicklung miterlebt habe. Auch die Aussichtslage ist nicht ausser Acht zu lassen. Man ist wirklich auf dem Land und gleichzeitig schnell in der Stadt. Für mich ist es Heimat, und solange es möglich ist, möchte ich auch hier bleiben. Man kennt die Leute, hat die Dorfanlässe, wo man sich trifft. Und natürlich haben wir hier auch den Schlossweiher, ein schönes Naherholungsgebiet.

Ein gutes Stichwort. Wie erholen Sie sich vom Arbeitsalltag?

Ich bin noch immer in der Bürgermusik und das ist für mich Erholung. Kollegen treffen, Musik machen: Das beruhigt mich. Und sonst gehe ich hier auch gerne laufen, in die Stadt oder an den See. Wenn ich denn mal frei habe, hab ich es mittlerweile doch gerne ein wenig ruhiger.