Unter freiem Himmel: Michael Finger über die Herausforderung an Steinachs Festspielen

Michael Finger ist einer der Hauptdarsteller der Festspiele Wasserland in Steinach. Dafür zog er kurzerhand während des Sommers mit seiner Familie an den See. Die Festspiele stellen für ihn auch eine persönliche Premiere dar.

Lisa Wickart
Merken
Drucken
Teilen
Michael Finger ist nicht nur auf der Bühne von Fabelwesen umgeben. Mit seiner Familie und zwei Wohnwägen lebt er momentan in Steinach. (Bild: Rudolf Hirtl)

Michael Finger ist nicht nur auf der Bühne von Fabelwesen umgeben. Mit seiner Familie und zwei Wohnwägen lebt er momentan in Steinach. (Bild: Rudolf Hirtl)

«Ich bin ein fremder Fötzel in Steinach und bin nur auf einen guten Deal aus», sagt Michael Finger. So beschreibt der Schauspieler seine Rolle, die er am Festspiel Wasserland verkörpert. Als Gredmeister Mathis kommt er für die Arbeit nach Steinach, will aber für die Liebe bleiben: «Am Anfang ist Mathis hochnäsig und er denkt schlecht über die Provinzler, bis er sich in eine von ihnen verliebt.»

Jedoch komme es für ihn nicht so wie geplant:

«Was genau passiert, verrate ich aber nicht», sagt er und grinst.

Mit Michael Finger haben sich die Organisatoren des Festspiels einen ausgebildeten Schauspieler mit Erfahrung ausgesucht. So spielte der 44-Jährige unter anderem im Schweizer Film «Zwingli» mit und seit über zehn Jahren ist er mit seiner Zirkuskompanie Cirque de Loin unterwegs auf Tournee.

Eine persönliche Premiere

Obwohl er schon auf vielen Bühnen gestanden habe, sei das Theaterstück in Steinach etwas besonderes: «Als Schauspieler bin ich noch nie auf einer Freilichtbühne aufgetreten, das wird meine Premiere», sagt er. Das Stück unter freiem Himmel sei eine Herausforderung. Wie Finger sagt, sei es bei so einer grossen Bühne wichtig, dass man nicht nur da stehe und rede, sondern dass man sich auch viel bewege:

«Körperlich war ich auf der Bühne schon lange nicht mehr so gefordert wie hier.»

Zu der Rolle in Wasserland ist Finger durch den Regisseur des Stücks gekommen: «Oliver Kühn und ich kennen uns schon lange», sagt er. Sie hätten sich vor Jahren an der Schauspielschule angefreundet. Zudem habe ihm die spezielle Kulisse sofort zugesagt: «Das Gredhaus am Wasser hat es mir wirklich angetan», sagt er. Das riesige, alte Haus berühre ihn.

Schauspieler proben bis zu acht Stunden am Tag

Momentan stecke das Schauspielensemble mitten in den Proben. Die fünf Profischauspielerinnen und -schauspieler proben jeden Tag bis zu acht Stunden: «Jetzt ist quasi Schichtbetrieb bei uns», sagt Finger. Die Steinacher Laien kämen am Abend und am Wochenende zu den Proben hinzu. Die Zusammenarbeit mit den unausgebildeten Schauspielern empfindet Finger als entspannend: «Das coole an den Laien ist, dass dieses Egogetue viel weniger da ist», sagt er.

Als Profischauspieler in einem Beruf, wo es oft darum gehe, gesehen zu werden, gebe es so einige Narzissten:

«Die Laien hingegen sind auf dem Boden geblieben.»

Um nicht jeden Tag von seinem Wohnort Trogen nach Steinach fahren zu müssen, hat sich der gebürtige Zürcher auf einer Wiese in der Nähe der Bühne eingerichtet. Mit seiner Frau und drei seiner Kinder wohnt Finger vorübergehend in zwei Wohnwägen am Seeufer: «Als Zirkusheini bin ich das gewöhnt.» Ungewohnt sei hingegen die schöne Umgebung. Seine Familie bleibe die ganzen Sommerferien lang in Steinach:

«Was sollen wir in Trogen, wenn es hier einen See gibt? Es ist perfekt.»