Auch in Gaiserwald unter Birken und nicht mehr in Beton ruhen

Auf den Friedhöfen in Abtwil und Engelburg werden bald neue Gemeinschaftsgräber eingeweiht. Sie sollen eine würdige Bestattung bieten. Ganz im Gegensatz zu den alten «Gräber der Einsamen».

Sebastian Schneider
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Ein neun Meter langer Klotz aus Travertin-Stein dient als Symbol für die neu geschaffenen Gemeinschaftsgräber in Abtwil. (Bild: Ralph Ribi)

Ein neun Meter langer Klotz aus Travertin-Stein dient als Symbol für die neu geschaffenen Gemeinschaftsgräber in Abtwil. (Bild: Ralph Ribi)

13 einheimische Bäume sind bereits gepflanzt. Hinzu kommen bald drei Tierkirschen. Auf dem Abtwiler Friedhof wird demnächst das neue Gemeinschaftsgrab fertiggestellt. Ein tröstender Friedwald mit Feldahorn, Hopfenbuche und Birke soll den Verstorbenen eine würdige Bestattung und Hinterbliebenen eine andächtige Atmosphäre bieten.

«Ich bin gespannt, wie das Gemeinschaftsgrab in Zukunft genutzt wird», sagt Urs Besmer, Gemeinderat und Präsident der Friedhofskommission. Denn in der Gemeinde Gaiserwald war diese Bestattungsform bis heute nicht allzu beliebt. Obwohl es diese Möglichkeit in Abtwil seit 2000 gibt, fanden bisher erst 40 solcher Beisetzungen statt. In Engelburg wurde das Gemeinschaftsgrab 2002 eingeweiht – und gerade einmal 18 Mal für eine Bestattung genutzt.

Kritik an der «Seelenabschussrampe»

Grund für das geringe Interesse war der als unwürdig beklagte Bestattungsvorgang. Die Asche in der Urne wurde in ein Zementrohr gekippt. Eine Betonplatte, die in der Mitte einen Deckel hat, bedeckt die Überreste der Verstorbenen. Die Seelsorger wollten den Trauernden das «Versorgen» im Rohr nicht zumuten und kippten die Asche jeweils in Abwesenheit der Trauergemeinde in den Untergrund.

Kaum verwunderlich beklagten sich regelmässig Bewohnerinnen und Bewohner von Abtwil, St.Josefen und Engelburg über die «Seelenabschussrampe» oder über den «Betonsarkophag», wie die bestehenden Gemeinschaftsgräber zuweilen genannt wurden.

280'000 Franken für neue Gemeinschaftsgräber

Die Gemeinde reagierte auf die negativen Reaktionen; 2009 wurden die beiden Gemeinschaftsgräber aufgewertet. Seither können immerhin die Namen der Verstorbenen auf Betonsockeln verewigt werden. Damit war aber der von vielen als unwürdig empfundene Vorgang bei der Bestattung noch nicht aus der Welt geschafft.

So kam es diesen März an der Bürgerversammlung zur Abstimmung über einen Kredit von 280'000 Franken. Die Stimmberechtigten genehmigten die Vorlage, worauf die Planung neuer Gräber in Abtwil und Engelburg begann. Fachkräfte der PR-Landschaftsarchitektur unterstützten die Friedhofskommission und überzeugten die Behörde mit ihrem Konzept.

Grünfläche, Bäume und der Blick auf eine Felswand

In Abtwil sei der Blick vom Friedhof über die Strasse an die Felswand sehr prägnant, sagt Landschaftsarchitektin Christine Grabs. Darum wollte man mit dem Friedwald auf der Grünfläche einen deutlichen Bezug zur Natur herstellen. «Die relativ grosse Fläche spielt uns dafür in die Karten», sagt Grabs.

Tatsächlich wuchs die freie Grünfläche auf dem Abtwiler Friedhof in den vergangenen Jahren. «Erdbestattungen sind selten geworden», sagt Gemeinderat Besmer. In fast allen Fällen werde eine Feuerbestattung gewünscht, wodurch es mehr Platz an der Urnenwand braucht und zugleich weniger Wiesenfläche beansprucht wird

Travertin in Abtwil, Kalkstein in Engelburg

Anstatt Beton gibt es im neuen Grab einen neun Meter langen Steinklotz. Das Grabsymbol aus italienischem Travertin-Stein stelle mit seiner Länge das Liegen dar, wie Christine Grabs weiter erklärt. Der Stein werde noch mit einer metallenen Platte versehen, auf welcher die Namen sowie die Geburts- und Todestage der Verstorbenen eingraviert werden können. Daneben lädt eine Sitzbank zum Verweilen ein.

Auf dem Friedhof in Engelburg, wo das Grab ebenfalls in den kommenden Tagen fertiggestellt wird, ist die Gestaltung ähnlich. Wobei die «strenge Geometrie» auf diesem Friedhof die Landschaftsarchitekten etwas einschränkt.

Der Platz wird dort mit einer Roteiche markiert. Das Grabzeichen besteht laut Christine Grabs aus drei Kalksteinblöcken, auf welchen ebenfalls die Namen der Bestatteten verewigt werden. Sitzmöglichkeiten werde es auch in Engelburg geben.

Einweihungen finden Anfang November statt

Die beiden Kirchgemeinden weihen die Gräber im November in einer kleinen ökumenischen Feier ein – am 4. November in Engelburg, eine Woche später in Abtwil. Obschon das Projekt laut Besmer ohne Verzögerung umgesetzt werden konnte, kommen die Gräber für einen umtriebigen Mann leider zu spät.

Der Engelburger Alois Bachmann setzte sich über 20 Jahre lang für die sogenannten «Gräber der Einsamen» ein. Die feierliche Einweihung der neu gestalteten Gemeinschaftsgräber wird er nicht mehr erleben: Er ruht seit einigen Monaten an der Urnenwand.