Hiobsbotschaft am Informationsabend: Rorschach kann die innerstädtische Unterführung Bäumlistorkel nicht finanzieren

Rorschachs Stadtpräsident musste am Stadtapéro vom Montagabend schlechte Nachrichten verkünden: Die Kosten für die herbeigesehnte Unterführung laufen mit beinahe 35 Millionen Franken aus dem Ruder. Im Stadthofsaal werden an der Diskussion Stimmen laut, die Rorschacherberg auffordern, sich an den Kosten zu beteiligen.

Rudolf Hirtl
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Rorschachs Stadtpräsident Röbi Raths blickte beim Informationsabend in mit Masken geschützte Gesichter.

Rorschachs Stadtpräsident Röbi Raths blickte beim Informationsabend in mit Masken geschützte Gesichter.

Bild: Rudolf Hirtl

Die Einladung zum Stadtapéro klingt vielversprechend. Der Stadtrat informiert zu Finanzen und der allgemeinen Stadtentwicklung, heisst es in der amtlichen Mitteilung. Und nachdem auf der Homepage der Stadt Rorschach auch noch Neuigkeiten zur geplanten Unterführung beim Bäumlistorkel versprochen werden, erhofft sich männiglich endlich Klarheit bei diesem Thema.

Der Stadthofsaal in Rorschach ist denn am Montagabend mit gegen 400 Personen auch sehr gut besucht. Nach dem Hinweis von Röbis Raths, dass die Entwicklung des Finanzhaushaltes aufgrund von Corona und der anstehenden Unternehmenssteuerreform nur schwer vorhersehbar sei, der Stadtrat aber eine Erhöhung des Steuerfusses wenn immer möglich vermeiden wolle, lässt der Stadtpräsident eine kleine Bombe platzen.

«Die Unterführung beim Bäumlistorkel wird zum aktuellen Zeitpunkt nicht realisiert.»

Beobachten, wie es an der Industriestrasse läuft

Diese nicht nur für Rorschach, sondern für die ganze Region am See schlechte Nachricht wird im Saal mit einem Murmeln quittiert. Ursprünglich, mit der Abstimmung vom Februar 2016, haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger 13 Millionen Franken für die Unterführung genehmigt. Diese Zustimmung wurde aber nichtig, da in der Folge die zu erwartenden Kosten diesen Kreditrahmen sprengten. Der Termin für die neuerliche Abstimmung wurde daher mehrmals verschoben. Der aktuelle Stand der Planung geht nun von Gesamtkosten von 34,8 Millionen aus, wobei der Anteil der Stadt gegen 30 Millionen Franken betragen würde. «Das ist die Realität. Kosten in dieser Grössenordnung kann Rorschach nicht alleine stemmen und sind vom Stadtrat auch nicht verantwortbar», so Raths.

«Einen solchen Schuldenberg darf man der nächsten Generation nicht überlassen. »

Das Projekt sei allerdings nicht gestorben, bekräftigt der Stadtpräsident. Die Strassenunterführung soll als Option offen gehalten werden für einen späteren Zeitpunkt. Ausserdem sei es ja so, dass Rorschach mit dem neuen Autobahnanschluss an der Industriestrasse eine Umfahrung bekomme. «Wir werden uns nach der Eröffnung anschauen, wie es dort läuft und wie sie sich auf Rorschach auswirkt. Aufgrund dieser Erkenntnisse können wir dann eine Neubeurteilung vornehmen.»

Die Unterführung Bäumlistorkel wurde in der Vergangenheit von Verantwortlichen bei Kanton und Gemeinden als wichtiger Puzzlestein in der grossräumigen Verkehrsplanung von Rorschach, Goldach und Rorschacherberg bezeichnet. Insbesondere sollte die Unterführung auch die störungsfreie Zirkulation der Seebusse sicherstellen. Dafür wird auch der Bushof in die Nähe der SBB-Haltestelle Bahnhof Stadt verlegt. «Wir sind überzeugt, dass die Schnittstelle öffentlicher Verkehr auch ohne Unterführung mit wenigen Qualitätseinbussen sichergestellt werden kann», bekräftigt Raths.

Rorschacherberg soll zahlen, nicht nur profitieren

Er verstehe nicht, wieso Rorschach nicht in der Lage gewesen sei, die Kosten für die Unterführung genauer zu berechnen. Andere Gemeinden, etwa im Kanton Thurgau, könnten dies ja auch, moniert ein Votant bei der Diskussionsrunde. Das Publikum reagiert erst genervt, bricht aber sogleich in spontanen Beifall aus, als er hinzufügt, Rorschacherberg solle sich endlich finanziell beteiligen, schliesslich würde es von der barrierefreien Durchfahrt ja im gleichen Masse profitieren.

Unterstützung vom Nachbar am Berg nicht realistisch

Ein anderer Mann fordert Raths konkret auf, mit Rorschacherbergs Gemeindepräsident Beat Hirs in Verhandlungen zu treten. Der Stadtpräsident sichert dies auch zu, zeigt sich aber wenig zuversichtlich, dass der Nachbar am Berg das Portemonnaie grosszügig öffnet. Er würde die Unterführung Bäumlistorkel sofort zur Abstimmung bringen, sollte Rorschacherberg zehn Millionen Franken Beteiligung zusichern, betont Raths, doch leider sei ein solches Szenario nicht realistisch.