Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Theaterdirektor Werner Signer über das Provisorium auf dem Unteren Brühl: «Uns wird der Bühnenturm fehlen»

Während zwei Saisons muss das Theater St.Gallen in ein kleineres Provisorium auf dem Unteren Brühl zügeln. Die knapperen Platzverhältnisse erschweren die Planung und Gestaltung der Produktionen. Trotzdem freut sich der Direktor.
Interview: Christoph Renn
Die Visiere fürs Provisorium auf dem Unteren Brühl stehen. (Bild: Benjamin Manser)

Die Visiere fürs Provisorium auf dem Unteren Brühl stehen. (Bild: Benjamin Manser)

Stadt und Kanton haben entschieden: Das Provisorium fürs Theater St.Gallen soll auf dem Unteren Brühl stehen. 4,5 Millionen Franken wird der Bau kosten und zwei Saisons lang als grosse Bühne dienen. Vorerst gab es viel Kritik gegen den Standort auf dem Unteren Brühl. Nun wird das Provisorium aber kleiner und deshalb müssen keine Bäume gefällt werden und auch der Park wird weniger beansprucht wie bei den ersten Projekten. Über diesen Entscheid freut sich vor allem Werner Signer, Direktor des Theaters St. Gallen. Er sieht die zwei Saisons im Provisorium gar als Chance. Verhalten positiv äussert sich der St.Galler Naturschutzverein. Auf dem Unteren Brühl dürfen aber die Bäume nicht leiden und auch die Spazierwege müssen frei bleiben (siehe Zweittext).

Das Provisorium für das Theater St.Gallen soll nun doch auf dem Unteren Brühl stehen, anstatt im Stadtpark. Was halten Sie von diesem Entscheid von Kanton und Stadt?

Werner Signer: Ich stehe voll und ganz hinter diesem Entscheid. Für uns bringt der Standort auf dem Unteren Brühl zwei Vorteile. Erstens können wir an die Tonhalle andocken und zweitens bleibt die Nähe zum Theater.

Können Sie diese Vorteile weiter ausführen?

In der Tonhalle stehen uns Räume zur Verfügung, in denen insbesondere die Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchesters sich einspielen und auf den Auftritt vorbereiten können. Zudem bleiben die Werkstätten auf der Seite Rorschacher-Strasse des Theaters auch während der Sanierungsarbeiten bestehen. So haben wir kurze Wege beim Transport der Bühnenbilder.

Ursprünglich war ein Provisorium für das Theater mit 700 Plätzen vorgesehen, jetzt sind es noch 500. Reicht dies aus?

Das wird sicherlich eine Herausforderung für uns. Momentan verfügen wir über knapp 800 Plätze. Und wir haben im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Auslastung von 75 Prozent erreicht. Die grossen Produktionen sind vielfach ausverkauft. Wichtiger ist aber, dass die Sichtqualität für die Besucherinnen und Besucher gut ist. Und das wird sie sein.

Werner Signer, Direktor des Theaters St. Gallen.Bild: PD

Werner Signer, Direktor des Theaters St. Gallen.Bild: PD

Apropos grosse Produktionen. Sind solche im Provisorium überhaupt noch möglich?

Ja. Aber wir können im Provisorium wegen der knapperen Platzverhältnisse nicht das vollständige Programm bieten. Momentan laufen fünf Produktionen parallel. Im Provisorium können wir voraussichtlich noch drei Stücke parallel zeigen.

Gibt es auf der neuen Bühne denn genug Platz für die Bühnenbilder?

Uns fehlen die Seitenbühne und der Bühnenturm mit dem Schnürboden. Das fordert uns bei den Szenenwechseln. Wir müssen die Stücke anders gestalten.

Kann das Theater mit diesen Einschränkungen den Anforderungen der Besucher noch genügen?

Ganz bestimmt. Ich sehe diese zwei Saisons nicht als Problem, sondern als Chance fürs Theater. Das hat auch das Provisorium in Bern gezeigt. Dieses war für kürzere Zeit konzipiert und bescheidener gestaltet. Trotzdem ist es beim Berner Publikum sehr gut angekommen.

Wie will das Theater das Publikum im Provisorium begeistern?

Wir müssen unsere Hausaufgaben erledigen. Wir wollen auch im Provisorium das passende Theater-Ambiente schaffen. Das Gebäude wird seinen eigenen Charme entwickeln. Und natürlich muss das Programm stimmen, das für die Saison 2020/2021 bereits in Planung ist und einige Highlights verspricht.

Auf welche Stücke dürfen sich die Zuschauer freuen?

Das verrate ich noch nicht. Fest steht, dass wir im Provisorium vor allem auf das Musiktheater setzen werden. Es wird auch einen Orchestergraben geben. Die Planung der Produktionen ist aber bereits jetzt eine Herausforderung.

Wieso?

Wir müssen die Produktionen mit ihren Ausstattungen planen, obwohl wir noch gar nicht im Detail wissen, wie die Bühne dereinst aussehen wird.

Sie setzen vor allem auf Musiktheater. Gibt es in den Saisons 2020/21 am Theater St. Gallen kein Schauspiel mehr zu sehen?

Doch, doch. Wir werden mit dem Schauspiel aber noch stärker in der Lokremise vertreten sein. Zudem planen wir, vermehrt auch in der Region unterwegs zu sein und Stücke zu zeigen.

Sie werden ihr Programm von fünf auf drei parallel laufende Produktionen verringern. Braucht es noch gleich viele Angestellte oder kommt es deswegen zu Entlassungen?

Wir müssen wegen des provisorischen Betriebs niemandem kündigen. Die Zahl der Produktionen bleibt gleich, aber sie werden innerhalb der Saison kompakter terminiert sein. Das feste Ensemble wird auch während der beiden Übergangsjahre genügend Arbeit haben. Quantitative Abstriche werden wir wohl bei unseren Gästen bei den Musiktheaterproduktionen machen müssen, nicht aber im qualitativen Bereich.

Die Bäume und Spazierwege bleiben

Die Visiere stehen. Zum ersten Mal sind die Dimensionen des Theaterprovisoriums am Unteren Brühl vor Ort sichtbar. Entlang der Spazierwege an der Museumsstrasse und am Sportplatz ragen die Visiere in die Höhe. Sie fassen eine Fläche ein, die fast die ganze Wiese vor der Tonhalle bedeckt. Der eigentliche Park bleibt vom temporären Bau aber unberührt. Zwar rücken die Visiere nahe an eine Birkengruppe und an die mit Gräsern bewachsenen Inseln des Parks heran. Doch die Birken, die persischen Buchen, die Kuchenbäume sowie die Platane bei der Tonhalle bleiben alle stehen. Baumfällungen sind wegen des Provisoriums keine nötig. «Den Bäumen passiert nichts», sagt Christoph Bücheler, Leiter der Dienststelle Stadtgrün. Dies, nachdem der Kanton als Bauherr das ursprünglich geplante Provisorium verkleinert hat. Statt 700 haben nur noch 500 Zuschauer Platz, und das Provisorium hat nun zwischen den bestehenden Spazierwegen und Bäumen Platz.

Naturschützer einigermassen zufrieden

Robert Schmid, Präsident des Naturschutzvereins St. Gallen und Umgebung, äussert sich auf Anfrage verhalten positiv zum Provisorium auf dem Unteren Brühl. «Wir können damit leben, es ist das kleinere Übel», sagt Schmid in Anspielung auf den anderen Standort des Provisoriums zwischen dem Kunstmuseum und dem Historischen und Völkerkundemuseum, der bis vor kurzem als der vom Kanton bevorzugte Standort galt. Naturschützer und Anwohner hatten sich gegen diese Baupläne im Stadtpark gewehrt. Auf dem Unteren Brühl hingegen müssten keine Bäume gefällt werden, und auch die Spazierwege würden frei bleiben, sagt Schmid. Unter diesen Umständen sei das Provisorium an diesem Standort vertretbar und vom Naturschutzverein kein weiterer Widerstand zu erwarten.

Dennoch ist der Präsident des Naturschutzvereins nicht vollends zufrieden und bleibt skeptisch. Er hätte das Provisorium am liebsten auf einem befestigten Platz gesehen, nicht auf einer Grünfläche. Unter diesem Gesichtspunkt sei auch der Standort Unterer Brühl nicht optimal.

Baugesuch liegt demnächst öffentlich auf

Entscheidend sei, dass das Provisorium unmittelbar nach der Sanierung des Stadttheaters entfernt und der Standort ökologisch sinnvoll gestaltet werde. «Wir werden ein Auge darauf haben, ob in den Kosten des Rückbaus auch die Wiederherstellung des Unteren Brühls enthalten ist», sagt Schmid. Das Baugesuch dürfte demnächst öffentlich aufliegen. Noch ist dies nicht der Fall, bestätigt das Amt für Baubewilligungen. (rbe)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.