«Uns graut es vor dem 1. August»: Gemeinden am Bodensee rechnen mit viel Abfall nach Nationalfeiertag

Während des Lockdowns gab es mehr Littering in der Region Rorschach. Inzwischen ist wieder Normalität eingekehrt. Doch auch die normalen Abfallmengen sind bedenklich, wie Werkmeister aus Goldach und Rorschacherberg sowie der Stadtgärtner von Rorschach sagen.

Jolanda Riedener
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Täglich wird die Uferpromenade in Rorschach vom Abfall befreit. Auch in Rorschacherberg und Goldach sind Werkmeister im Dauereinsatz.

Täglich wird die Uferpromenade in Rorschach vom Abfall befreit. Auch in Rorschacherberg und Goldach sind Werkmeister im Dauereinsatz.

Bild: Jolanda Riedener

Der Spielplatz bei der Sportanlage Kellen ist einer der beliebtesten in der Region. An diesem Mittwochvormittag besuchen ihn einige Kinder mit ihren Eltern oder Grosseltern. Von Abfall ist weit und breit nichts zu sehen. Nur eine einzige PET-Flasche in der Nähe der Sportanlage ist auszumachen:

Praktisch kein Abfall war am Mittwochvormittag auf der Sportanlage Kellen auszumachen.

Praktisch kein Abfall war am Mittwochvormittag auf der Sportanlage Kellen auszumachen.

Bild: Jolanda Riedener (Goldach, 29. Juli 2020)

Auch Jugendliche, die sich gerne bei der Feuerstelle aufhalten, haben keine Spuren hinterlassen. Dass das nicht immer so ist, davon zeugt ein Leserbrief. Zwar zeigt der Leserbriefschreiber aus Goldach Verständnis für die Bedürfnisse der Jugendlichen. Viele würden den Platz in einwandfreiem Zustand verlassen, andere hingegen eine «Riesensauerei» hinterlassen.

Auch Hansruedi Geser, Werkhofleiter von Goldach, kann bestätigen, dass es auf der «Kellen» nicht immer so blitzblank aussieht. Es seien aber nicht ausschliesslich Junge, sondern Leute jeden Alters, die Abfall liegen liessen. Er sagt:

Hansruedi Geser, Werkhofleiter Goldach

Hansruedi Geser, Werkhofleiter Goldach

Bild: cot
«Es ist traurig, wie viel die Leute einfach wegschmeissen. Daran werde ich mich nie gewöhnen.»

Seit 20 Jahren arbeitet Geser in Goldach und bemüht sich mit seinem Team um Sauberkeit im Dorf.

Obwohl viele ihre Ferien daheim verbringen, habe Littering in diesem Sommer nicht spürbar zugenommen. Denn wie viel Abfall liegen bleibe, hänge vor allem mit dem Wetter zusammen. In den vergangenen 15 Jahren habe sich die jährliche Abfallmenge in Goldach von 35 Tonnen auf 60 Tonnen gesteigert. Dazu gehören auch Abfälle, die in öffentlichen Kübeln weggeworfen werden. Entsprechend den Wetterprognosen bereitet man sich in Goldach auch auf den Nationalfeiertag vor: «Uns graut es vor dem 1. August», sagt Hansruedi Geser.

Das bestätigt auch der Rorschacher Stadtgärtner Michael Heggli:

Michael Heggli, Leiter Stadtgärtnerei Rorschach.

Michael Heggli, Leiter Stadtgärtnerei Rorschach.

Bild: PD
«Nach dem Nationalfeiertag müssen wir immer viel wegräumen, und in diesem Jahr wird es wohl eher mehr.»

Dies, da die offizielle Feier der Gemeinden abgesagt wurde. Laut Heggli würden danach jeweils sieben bis acht Mitarbeiter der Stadtgärtnerei ab 5.30 Uhr Knallkörper, Scherben und Abfall wegräumen.

Erstmals mit separaten Kübeln Abfall trennen

Generell gebe es in Rorschach viel Abfall, der am See liegen bleibe, in den Sommerferien vermehrt auch unter der Woche. Das Ausmass sei aber auch in Rorschach vergleichbar mit den vergangenen Jahren. Weiter gebe es hier eine eher schlechte Abfallkultur und entsprechend Nachholbedarf, weshalb die Stadt auch Prävention in der Schule betreibe. Jeden Tag sammeln die Mitarbeitenden drei bis vier Lieferwagenladungen losen Müll, der danach gepresst wird.

Erstmals zum Einsatz kommen dieses Jahr Kübel, die Papier, PET und Alu trennen. Das Fassungsvermögen sei etwas zu klein, wie erste Erfahrungen zeigten.

Solche Abfallkübel, wie sie auch an Bahnhöfen zum Einsatz kommen, wurden bei Grillplätzen am Rorschacher Bodenseeufer installiert.

Solche Abfallkübel, wie sie auch an Bahnhöfen zum Einsatz kommen, wurden bei Grillplätzen am Rorschacher Bodenseeufer installiert.

Bild: Jolanda Riedener

Bei unterirdischen Abfallkübeln komme es zudem vor, dass die Öffnung verstopft werde, es aber noch viel Platz habe im Behälter.

Abfall ist für Saison nicht unüblich

Auch in Rorschacherberg hat sich die Abfallmenge für Sommerverhältnisse im normalen Bereich eingependelt, sagt Thomas Hürlimann, Stellvertretender Leiter des Werkhofs Rorschacherberg. Anders als im Frühling: «Der Hörnlibuck war damals die einzige Badi, die überhaupt offen hatte.» Da derzeit keine Garderoben und Flosse zur Verfügung stehen, lockt die Badi wieder weniger Gäste an und es bleibt auch weniger Abfall liegen.

Der Hörnlibuck ist eine beliebte Badi. Die vielen Abfallcontainer sollen die Wiesen sauber halten.

Der Hörnlibuck ist eine beliebte Badi. Die vielen Abfallcontainer sollen die Wiesen sauber halten.

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