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«Undurchsichtig», «willkürlich», «eine Frechheit»: St.Galler Eltern ärgern sich über die Vergabe von Bus-Abos

Die Stadt bezahlt einer Fünftklässlerin aus Winkeln das Bus-Abo für den Schulweg. Ihre Gspänli aus der Nachbarschaft gehen leer aus.
Christina Weder
Wer einen zu weiten Schulweg hat, dem bezahlt die Stadt ein Bus-Abo. Jetzt gibt es Streit um deren Vergabe. (Symbolbild: Archiv/Hannes Thalmann)

Wer einen zu weiten Schulweg hat, dem bezahlt die Stadt ein Bus-Abo. Jetzt gibt es Streit um deren Vergabe. (Symbolbild: Archiv/Hannes Thalmann)

Eine Frechheit sei es, sagt Laura-Lena Kissling. Die vierfache Mutter wohnt mit ihrer Familie in unmittelbarer Nähe des Schulhauses Kreuzbühl in Winkeln. Da dieses aus allen Nähten platzt, musste einer ihrer Söhne im Sommer ins weiter entfernte Schulhaus Hof wechseln. Sein Schulweg ist damit fünfmal länger geworden. Statt 400 Meter muss der Fünftklässler neu zwei Kilometer zurücklegen. Zu Fuss braucht er dafür etwa 30 Minuten. Schneller ist er mit dem Velo oder mit dem Bus.

«Wenn wir schon damit leben müssen, dass unsere Kinder nicht unser Schulhaus besuchen können, dann soll die Stadt wenigstens fürs Bus-Abonnement aufkommen», findet Laura-Lena Kissling. Schliesslich werde es ihrem Sohn nicht immer möglich sein, mit dem Velo zu fahren – etwa bei Schnee, schlechtem Wetter oder Verletzungen. Doch die Stadt zahlt nicht. Denn der Schulweg ist ein paar Meter zu kurz.

Eine einzige Schülerin erhält ein Bus-Abo

Tatsächlich haben 21 von 22 Fünftklässlern, die seit den Sommerferien einen längeren Schulweg in Kauf nehmen müssen, von Schulleiterin Marian­ne Urbach eine abschlägige Antwort erhalten: Auf einem roten Zettel teilte sie ihnen mit, dass sie keinen Anspruch auf ein Abo für den öffentlichen Verkehr hätten.

Dies gelte nur für jene Schülerinnen und Schüler, deren Schulweg als unzumutbar gelte. Bei Erst- bis Drittklässlern ist dies der Fall, wenn sie mehr als 1,5 Kilometer zurücklegen müssen. Viert- bis Sechstklässler erhalten ein Abo, wenn der Schulweg mehr als zwei Kilometer misst. Die meisten der betroffenen Fünftklässler aus Winkeln befinden sich knapp unter diesem Richtwert. Ihr Schulweg beträgt knapp oder genau zwei Kilometer.

Platzmangel im Schulhaus Kreuzbühl: Deshalb müssen mehrere Kinder einen längeren Schulweg auf sich nehmen. (Bild: Ralph Ribi)

Platzmangel im Schulhaus Kreuzbühl: Deshalb müssen mehrere Kinder einen längeren Schulweg auf sich nehmen. (Bild: Ralph Ribi)

Abo-Vergabe gibt den Eltern Rätsel auf

Nur eine einzige Schülerin aus der Klasse hat einen grünen Zettel erhalten. Ihr Schulweg gelte als unzumutbar, teilte Schulleiterin Marianne Urbach ihr mit. Deshalb bekamen die Eltern des Mädchens ein Ostwind-Jahresabonnement in Aussicht gestellt. Der Entscheid hat im Quartier zu reden gegeben. Denn das betreffende Mädchen wohnt in direkter Nachbarschaft der Klassenkameraden, die kein Abo erhalten haben.

Eltern aus dem Quartier kritisieren die Abo-Vergabe deshalb als «undurchsichtig» und «willkürlich». Auch Laura-Lena Kissling findet:

«Alle Kinder haben ungefähr denselben Schulweg. Offenbar geben ein paar wenige Meter den Ausschlag, wer ein Abo erhält und wer nicht.»

Seither rätseln Eltern darüber, wie der Entscheid zustande gekommen ist.

Marianne Urbach, Schulleiterin Primarschule Hof. (Bild: pd)

Marianne Urbach, Schulleiterin Primarschule Hof. (Bild: pd)

Schulleiterin Marianne Urbach teilt auf Anfrage mit, sie habe sich lediglich an die städtischen Richtlinien gehalten. Um zu ermitteln, welche Kinder Anspruch auf ein Abo haben, hat die Schulleiterin den Schulweg für jedes einzelne Kind mit Google Maps berechnet. Dabei unterscheidet sie zwischen einem Sommer- und einem Winterweg. Letzterer ist beleuchtet und schneegeräumt.

Für den Sohn von Laura-Lena Kissling und einige seiner Klassenkameraden hat diese Unterscheidung Folgen. Da der Winterweg 100 Meter länger ist als der Sommerweg, berechtigt er sie zum Bezug eines Abos für den öffentlichen Verkehr. «Dieses wird den betroffenen Kindern in der Winterzeit ausgehändigt», teilt Urbach mit.

Kaum hat sich die Aufregung gelegt, flammt neuer Ärger auf

Nichtsdestotrotz hätte sich Kissling von der Stadt eine grosszügigere Handhabung gewünscht. Denn das Klima ist in Winkeln bereits aufgeheizt. Die Schulzuteilung hatte im vergangenen halben Jahr für Aufregung gesorgt. Eltern haben sich zur Interessengruppe Schulhaus Kreuzbühl zusammengeschlossen. Sie vermissen Lösungen, wie das Schulamt dem Platzproblem begegnen will, bis der geplante Neubau des Schulhauses steht. Kissling sagt:

«Wir können nichts dafür, dass die Stadt den Trend zu wachsenden Schülerzahlen verschlafen hat. Nun müssen wir die Konsequenzen tragen.»

Auch eine andere Mutter aus dem Quartier sagt, nach den Unruhen mit der Schulzuteilung wäre es angebracht gewesen, die Stadt hätte sich bei den Eltern erkenntlich gezeigt – dem Frieden zuliebe.

Schulleiterin Urbach sieht das anders: Eltern müssten damit rechnen, dass ihre Kinder nicht immer das nächstgelegene Schulhaus besuchen könnten. Was die städtische Regelung zur Schulweglänge betrifft, will sie keine Ausnahme machen: Diese gelte für die ganze Stadt. «Damit werden alle Familien gleich behandelt.»

Umfrage: Bus-Abo für ein Kind aus dem Quartier, andere gehen leer aus – handelt die Stadt richtig?

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