Interview
Umstrittene Aufteilung der St.Galler Sekundarschüler: «Im März wissen wir, ob es einen Losentscheid braucht»

Das Schuljahr 2019/20 markiert tiefgreifende Veränderungen an der Katholischen Kantonssekundarschule, der Flade in St.Gallen. Schulpräsidentin Margrit Stadler nimmt im Interview Stellung zu aktuellen Fragen - auch dem umstrittenen Losentscheid bei der Zuteilung von Schülerinnen und Schülern.

Christina Weder
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Der Schulalltag an der Flade hat sich durch die Schaffung von fünf Realklassen verändert. Das bestätigt Schulpräsidentin Margrit Stadler im Interview. (Bild: Adriana Oritz Cardozo - 26. März 2019)

Der Schulalltag an der Flade hat sich durch die Schaffung von fünf Realklassen verändert. Das bestätigt Schulpräsidentin Margrit Stadler im Interview. (Bild: Adriana Oritz Cardozo - 26. März 2019)

Nach den Sommerferien haben 255 Schülerinnen und Schüler neu an der Flade begonnen. Es ist ein besonderer Jahrgang. Mit ihm gehen tiefgreifende Änderungen an der Katholischen Kantonssekundarschule einher. Zum einen entfällt der Katholikenvorrang. Zum anderen nimmt die Flade neu auch Real­schülerinnen und Realschüler auf.

Nach dem Losentscheid an der Flade gingen in manch einer Familie die Emotionen hoch. Das ist ein halbes Jahr her. Hat sich die Situation unterdessen beruhigt?

Margrit Stadler: Ja, sie hat sich beruhigt. Nach dem Losentscheid haben wir mit vielen Eltern und Grosseltern intensive Gespräche geführt. Für sie ist der negative Bescheid nicht einfach vom Tisch, er beschäftigt sie vielleicht immer noch. Es bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, als sich mit der Situation zu arrangieren und das Beste daraus zu machen.

Wie sind die Schüler an der Flade ins neue Schuljahr gestartet?

Es hat sich natürlich nicht alles verändert. Bei den Zweit- und Drittklässlern läuft alles noch nach altem Muster. Bei den Erstklässlern führen wir neu fünf Realklassen. Sie sind gut gestartet.

Wie hat sich der Schulalltag an der Flade verändert?

Margrit Stadler, Schulpräsidentin der Flade. (Bild: Urs Bucher - 1. April 2019)

Margrit Stadler, Schulpräsidentin der Flade. (Bild: Urs Bucher - 1. April 2019)

Es fällt noch nicht so auf, aber der Schülermix ist bunter geworden. Auch was die Leistungsfähigkeit, die Herkunft oder Religionszugehörigkeit anbelangt. Zudem haben wir nun vier Klassen mehr als im vergangenen Schuljahr. Das merkt man in den Schulhäusern. Mit mehr Kindern herrscht sofort mehr Betrieb.

Wir sind stärker gefordert, von der Klasseneinteilung bis zur Raumfrage. Zudem haben wir neu vier schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen angestellt und bauen eine integrierte schulische Förderung auf. Diese gab es bisher nur begrenzt an der Flade. Auf der Sekundarstufe war sie nur vereinzelt nötig.

An der städtischen Oberstufe beobachtet Schuldirektor Markus Buschor eine Verschiebung hin zu leistungsfähigeren Kindern. Welche Entwicklung stellen Sie an der Flade fest?

Durch die Einführung der Realklassen besuchen nun Kinder mit einem anderen Leistungsspektrum unsere Schule. Endlich haben wir ein Angebot für sie. Man hat uns immer vorgehalten, dass wir die Zukunft unserer Schüler nur auf weiterführende Schulen ausrichten. Was das angeht, spüren wir nach wie vor eine grosse Erwartungshaltung von Seiten der Eltern, der wir weiterhin gerecht werden möchten.

Bei den Realschülerinnen und -schülern gibt es andere Zielsetzungen. Wir wollen für sie spezifische Angebote schaffen, die der beruflichen Orientierung dienen. Sie sollen früh in Kontakt mit Betrieben kommen.

Wie sieht es mit den religiösen Aktivitäten aus: Führen Sie diese im gleichen Stil durch wie bisher?

Ja, das wird gleich gehandhabt. Die Schuleröffnungsfeiern und auch die Schulgottesdienste laufen genau gleich weiter. Sie gehören zu unserem Schulalltag. Daran wollen wir nicht rütteln. Bisher waren 65 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler katholisch. Neu sind es 59 Prozent. Die Verschiebung ist also noch nicht gross. Wenn eine katholische Feier stattfindet, wird für evangelische oder andersgläubige Kinder ein alternatives Programm angeboten. Das halten wir schon länger so.

Bald entscheiden sich die heutigen Sechstklässler für eine Oberstufenschule. Müssen auch sie mit einem Losentscheid rechnen?

Das hängt davon ab, wie viele Schülerinnen und Schüler sich anmelden. Die von der Stadt gewünschte und mit ihr vereinbarte 30-Prozent-Obergrenze bleibt bestehen. Da wird nichts über Bord geworfen. Anfang März werden wir die definitive Anmeldeliste erhalten. Dann wird sich zeigen, ob es den Losentscheid wieder braucht oder nicht.