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Umgestaltung St.Galler Marktplatz: Den «Calatrava» darf man wegplanen

Die Stadt St.Gallen hat den Wettbewerb für den dritten Anlauf zur Neugestaltung des Marktplatzes lanciert. Ein Satz in der Ausschreibung könnte noch heftige Diskussionen auslösen. Nicht ausgeschlossen, dass er letztlich sogar zum Stolperstein für die dritte Marktplatz-Abstimmung werden könnte.
Reto Voneschen
Die Calatrava-Wartehalle auf dem Bohl: Wird sie wieder zum Stolperstein für eine Marktplatz-Vorlage? (Bild: Hanspeter Schiess - 14. April 2015)

Die Calatrava-Wartehalle auf dem Bohl: Wird sie wieder zum Stolperstein für eine Marktplatz-Vorlage? (Bild: Hanspeter Schiess - 14. April 2015)

«Die Calatrava-Halle kann zurückgebaut werden – sofern sich dies in einem Gesamtkonzept als notwendig erweist.» Dieser Satz in der Ausschreibung des Wettbewerbs für den St.Galler Marktplatz weckt Erinnerungen. Und zwar keine guten, wenn man für eine Neugestaltung des zentralen Freiraums in der Altstadt ist.

Opposition wegen «Calatrava»-Abbruch

Bereits zweimal, 2011 und 2015, hat das Stimmvolk Anläufe für einen neuen Marktplatz abgelehnt. Beim ersten Nein hat – neben anderen Aspekten – die Calatrava-Wartehalle eine wichtige Rolle gespielt. Die Marktplatz-Vorlage sah damals die Verlegung der Bus- und Bahnhaltestellen in beide Fahrtrichtungen vom Bohl auf den Marktplatz vor. Damit hätte der «Calatrava», wie die Wartehalle heute im Volksmund heisst, ihre Funktion verloren.

Die Bushaltestelle auf dem Bohl von oben. Bus, Postauto und Trogenerbahn halten in Fahrtrichtung stadtauswärts bei der Calatrava-Wartehalle. (Bilder: Benjamin Manser und Michel Canonica - 2. Mai 2018)

Die Calatrava-Wartehalle beim Einnachten. (Bild: Hanspeter Schiess - 13. April 2015)
Der «Calatrava», wie die Wartehalle auf dem Bohl im Volksmund heisst, hat aufgrund ihrer filigranen Konstruktion viele Fans. (Bild: Hanspeter Schiess - 14. April 2015)
Details der Konstruktion der Calatrava-Wartehalle auf dem Bohl. (Bild: Michel Canonica - 18. Januar 2009)
Die Calatrava-Halle während eines St.Galler Festes. (Bild: Hannes Thalmann - August 2003)
Grosse Schneemengen müssen jeweils vom Dach der Calatrava-Halle entfernt werden. (Bild: Ralph Ribi)
In Zusammenhang mit der ersten Marktplatz-Abstimmung war 2011 die Rede davon, die Calatrava-Halle auf dem Bohl abzubrechen und zu einem späteren Zeitpunkt auf die Wiese links beim Bahnhof Winkeln zu verlegen. (Bild: Urs Jaudas - 28. April 2010)
Stararchitekt Santiago Calatrava bei einem Auftritt am «St.Gallen Symposium». (Bild: Urs Bucher - 4. Mai 2017)
Ein weiteres Werk von Santiago Calatrava in der Stadt St.Gallen: die kantonale Notrufzentrale an der Moosbruggstrasse von 1998. (Bild: Urs Bucher - 13. April 2015)
Im Inneren der kantonalen Alarmzentrale. (Bild: Ralph Ribi -
Der ebenfalls von Santiago Calatrava geplante Pfalzkeller entstand 1999. Im Bild der bewegliche Eingang. (Bild: Urs Bucher - 13. April 2015)
Im Pfalzkeller: Dieser dient unter anderem bei eidgenössischen und kantonalen Wahlen als öffentlicher Treffpunkt und Informationszentrum. Im Bild Paul Rechsteiner (SP) und Karin Keller-Sutter (FDP) bei einem Interview zu den Ständeratswahlen 2015. (Bild: Michel Canonica - 18. Oktober 2015)
Der Musiksaal in der Musikschule St.Gallen von 1986. (Bild: PD)
Der erste Auftrag von Santiago Calatrava in St.Gallen: 1983 erstellt er kurz nach dem ETH-Abschluss die Dächlein bei der Bushaltestelle beim «Hirschen» St.Fiden. (Bild: Ralph Ribi - 2. August 2016)
14 Bilder

Die Calatrava-Wartehalle auf dem Bohl: ein St.Galler Wahrzeichen

Folgerichtig sollte sie für rund eine Million Franken abgebrochen und später an einem neuen Standort – im Gespräch war Winkeln – wieder aufgebaut werden. Dagegen gab’s scharfe Opposition. Die Freunde der Calatrava-Halle taten sich im Internet zusammen und beteiligten sich an der Abstimmungskampagne, die letztlich zum Volks-Nein führte.

Eine politische Hypothek für den dritten Anlauf

Und jetzt, beim neuen Gestaltungswettbewerb, steht der «Calatrava» wieder zur Disposition. Wieso ist der Stadtrat bereit, diese politische Hypothek für die dritte Marktplatz-Vorlage zu akzeptieren? Der Grund ist einfach.

Für viele gehört der Calatrava inzwischen fix zum Marktplatz und ist ein Wahrzeichen der Stadt St.Gallen. (Bild: Urs Jaudas - 24. August 2012)

Für viele gehört der Calatrava inzwischen fix zum Marktplatz und ist ein Wahrzeichen der Stadt St.Gallen. (Bild: Urs Jaudas - 24. August 2012)

Wie ausführliche Studien gezeigt haben, sind die ÖV-Haltestellen in beide Fahrtrichtungen auf dem Bohl mittelfristig aus Kapazitätsgründen nicht mehr möglich. Wenn ein Teilnehmer am Gestaltungswettbewerb beide Haltestellen vom Bohl auf den Marktplatz zügelt, verliert die Calatrava-Halle aber ihre Funktion. Was einen Abbruch des nicht denkmalgeschützten Baus nahe legt, weil eine Umnutzung kaum möglich sein wird.

Bei einer Haltestellen-Verschiebung würde der «Calatrava» seine Funktion verlieren. (Bild: Urs Jaudas - 2. Mai 2009).

Bei einer Haltestellen-Verschiebung würde der «Calatrava» seine Funktion verlieren. (Bild: Urs Jaudas - 2. Mai 2009).

Wenn aber ein Planer die Haltestellen der beiden Fahrtrichtungen trennt (stadteinwärts auf dem Marktplatz, stadtauswärts auf dem Bohl), dann kann der «Calatrava» stehen bleiben. Wobei diese Lösung politisch ebenfalls vorbelastet ist: Die gesplitteten Haltestellen waren in der zweiten abgelehnten Abstimmungsvorlage von 2015 enthalten. Und dagegen hatte es Opposition von jenen gegeben, die sich gegen zu lange Wege beim Umsteigen wehrten.

Wettbewerbsverfahren läuft bis Ende des Jahres

Es wird jetzt spannend sein zu sehen, wie die Planer in ihren Entwürfen angesichts der politischen Vorgeschichte mit der Wartehalle umgehen werden. Näheres dazu wird die Öffentlichkeit aber erst Anfang 2019 erfahren, wenn die Resultate des Wettbewerbs vorliegen und publik gemacht werden.

St.Gallen und der Stararchitekt

1983 gehörte St.Gallen zu den ersten Auftraggebern des ETH-Absolventen Santiago Calatrava. Man liess den 32-Jährigen damals bei der Bushaltestelle St.Fiden zwei Glasdächer bauen. 1986 entstand mit einem Stützbogen im Konzertsaal der Musikschule an der Rorschacher Strasse ein weiterer Bau von ihm.

Dass Calatrava, der sich bald zu einem internationalen Stararchitekten entwickelte, auch noch die Aufträge für die Wartehalle am Bohl, für die kantonale Notrufzentrale (1998) und für Pfalzkeller (1999) annahm, hatte viel mit Verbundenheit mit den frühen Auftraggebern zu tun. Die Bevölkerung nahm die Bauten mehrheitlich positiv auf.

Kritische Stimmen zur Wartehalle

Das umstrittenste Projekt in der Stadt war die Wartehalle auf dem Bohl. Bevor das Parlament 1994 den Entwurf schlank durchwinkte, wurde über die geplante «Villa Durchzug» kritisch diskutiert. Die Konstruktion schütze die wartenden ÖV-Passagiere zu wenig vor Wind und Wetter, hiess es.

Und es gab einzelne Stimmen, die kritisierten, dass die Halle für den Standort zu voluminös, zu unförmig sei und erst noch den Blick aufs historische Waaghaus verstelle. Unmut lösten teilweise auch die Baukosten von knapp 800'000 Franken aus.

Mit Pauken, Trompeten und Freibier

Am 31. August 1996 wurde die Calatrava-Wartehalle mit einem Fest eingeweiht – mit Pauken, Trompeten und Freibier, wie sich ein Leserbriefschreiber vor ein paar Jahren erinnerte. Der damalige Bauvorstand Erich Ziltener würdigte das Bauwerk in seiner Einweihungsansprache als «ein Denkmal für den öffentlichen Verkehr».

Die kritischen Stimmen zur neuen Wartehalle verstummten rasch. Die meisten freundeten sich beim Warten auf Bus oder Bahn mit der filigranen Halle an. Heute gilt sie als ein Wahrzeichen der Stadt. (vre)

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