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Vier Monate im Amt: So bewerten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion die neue Stadtpräsidentin Maria Pappa

Seit vier Monaten im Amt: Wie schlägt sich Stadtpräsidentin Maria Pappa? Vertreter aus Politik, Gewerbe, Kultur und Region erzählen, wie sie Stadtpräsidentin Pappa erleben und was sie sich von ihr wünschen.

Dinah Hauser und Julia Nehmiz
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Karin Winter-Dubs, SVP-Fraktionspräsidentin: «Gelegentlich etwas mehr Sachlichkeit»

Karin Winter-Dubs, SVP-Fraktionspräsidentin im St.Galler Stadtparlament.

Karin Winter-Dubs, SVP-Fraktionspräsidentin im St.Galler Stadtparlament.

Bild: Ralph Ribi

Aus Sicht der SVP gibt es zwei relevante Aspekte. Der eine betrifft Corona und die Jugendkrawalle. «Ich bin beeindruckt, wie Maria Pappa am Karfreitag auf die Strasse ging und den direkten Austausch mit den Jugendlichen suchte», sagt Karin Winter-Dubs, SVP-Fraktionspräsidentin, die ebenfalls einen Augenschein nahm. Man spüre, dass Pappa die Nähe zur Bevölkerung wichtig sei. Für den Umgang mit der schwierigen Gesamtsituation spricht sie Lob aus.

Anders sieht es bei der Rechnung der Stadt aus. Der ausgewiesene Gewinn sei kein solcher, wenn man genauer hinschaue, sagt Winter-Dubs. Die Stadt stehe finanziell nicht gut da. In einer solchen Situation zu sagen, man habe Geld, sei nicht optimal.

«Gelegentlich etwas mehr Sachlichkeit und etwas weniger Temperament wäre auch noch schön», sagt die SVPlerin mit einem Augenzwinkern. Genauer beurteilen, wie gut die neue Stadtpräsidentin ihre Arbeit macht – vor allem in finanzieller Hinsicht –, könne man aber erst in ein bis zwei Jahren.

Ralph Bleuer, Pro-City-Präsident: «Es ist ein starkes Zeichen, auf die Strasse zu gehen»

Pro-City-Chef Ralph Bleuer.

Pro-City-Chef Ralph Bleuer.

Bild: Michel Canonica

Pro-City-Präsident Ralph Bleuer stellt Maria Pappa bisher ein gutes Zeugnis aus, vor allem auch aufgrund der angespannten Gesamtsituation. Bereits als Stadträtin sei sie zugänglich gewesen und habe Anliegen ernst genommen. «Dass sie sich engagiert und ein offenes Ohr hat, hat sie eindrücklich bei den Jugendkrawallen bewiesen.» Bleuer bezeichnet die Präsenz auf der Strasse als ein starkes Zeichen.

Dem Pro-City-Präsidenten fehlen aber momentan die engeren Berührungspunkte. Wegen Corona fielen diese weg. Normalerweise besuchte der Stadtpräsident die Mitgliederversammlung. «Da hatte man die Möglichkeit, sich in einem lockeren Rahmen auszutauschen.» Für eine vertiefte Einschätzung von Maria Pappas Amtsausübung als Stadtpräsidentin sei es noch zu früh, sagt Bleuer. Er sehe aber mit gutem Gefühl ihrer weiteren Amtszeit entgegen.

Johannes Rickli, Vorstand IG Kultur Ost: «Sie hat eine erfrischende Art, Probleme anzugehen, Konflikte direkt anzusprechen»

Johannes Rickli, IG Kultur Ost und Co-Leiter Palace.

Johannes Rickli, IG Kultur Ost und Co-Leiter Palace.

Bild: Benjamin Manser

Johannes Rickli ist nicht nur in der Interessengemeinschaft IG Kultur Ost im Vorstand aktiv (Ressort Kulturpolitik), er gestaltet auch selber das St.Galler Kulturleben mit als Co-Leiter des Konzertlokals Palace. Während Kulturschaffende und -verbände oftmals mit der Politik im Clinch liegen, hat Rickli nach den ersten 100 Tagen einen sehr guten Eindruck von Maria Pappa. «Sie hat eine erfrischende Art, Probleme anzugehen, Konflikte direkt anzusprechen», sagt er. So ging zwar die Kultur in den Jahreszielen der Stadt vergessen, doch: «Auf unsere Kritik hin hat sie das umgehend mit uns ausdiskutiert.»

Er schätzt, dass die Stadtpräsidentin zu Fehlern stehen kann. «Wichtig ist schlussendlich, dass die Kultur in St.Gallen weiterkommt, dass man sich der gesellschaftlichen Relevanz bewusst ist – und dessen ist sich Maria Pappa bewusst.»

Rickli hat einen grundsätzlichen Wunsch an die Stadtpräsidentin: Dass sie sich einsetze für eine lebendige Kultur in der Stadt. Dass sie sich gegenüber dem Kanton für die städtische Kultur stark mache – denn von dort fürchtet Rickli eine grössere Sparübung.

Bischof Markus Büchel: «Ich finde es schön, dass sie ihre Tätigkeit als Lektorin nicht aufgegeben hat»

Bischof Markus Büchel.

Bischof Markus Büchel.

Bild: PD

Seit 25 Jahren lebt Bischof Markus Büchel in St.Gallen, und wahrscheinlich genauso lange kennt er Maria Pappa. «Sie hat ministriert, war im Blauring, in der Jugendarbeit, im Seelsorgerat, Lektorin – ich kenne sie schon sehr lange.» Er erlebe sie als sehr engagiert. Noch heute ist Stadtpräsidentin Maria Pappa als Lektorin aktiv im Gottesdienst dabei, trägt biblische Lesungen, Fürbitten, Mitteilungen vor – also alles, was der Priester nicht selber vorträgt. «Ich finde schön, dass sie das nicht aufgegeben hat», sagt Büchel. «Das ist ein Bekenntnis von ihr.»

Für ihn mache es keinen Unterschied, ob ein einfacher Gläubiger, eine Stadtpräsidentin, ein Bundesrat oder ein Ständerat im Gottesdienst mitwirkt. «Sie kommen als Mitglieder des Volkes Gottes, nicht in ihren politischen Funktionen.»

Maria Pappa habe er immer als aufgeweckt, interessiert, dialogfähig erfahren. «Sie kann sich einlassen, ist gesprächsbereit, das zeichnet sie aus.» Ebenso schätzt Büchel, dass sie immer eine eigene Meinung habe. Und er freut sich, wenn er ihr beim abendlichen Spaziergang begegnet, Maria Pappa mit dem Velo auf dem Heimweg, «sie hält immer an für einen Schwatz». Er wünscht ihr, dass sie ihre integrierende Funktion in die Gesellschaft weiterhin einbringen könne.