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Neue Hobbys in der Coronazeit: «Man kann nicht den ganzen Tag rumsitzen und fernsehen»

Ob es Yoga, Stricken, Sporttreiben, Kochen, Klavierspielen oder Zeichnen ist: Viele Leute haben in der Anfangszeit von Corona einen neuen Zeitvertreib gefunden. Manche davon wurden zu Hobbys, andere wurden aufgegeben, sobald die Lockerungen an den Tag traten.

Siri Würzer
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Als im vergangenen März von einer Woche auf die andere die meisten Geschäfte, Institutionen, Restaurants und Freizeitbetriebe schliessen mussten, stand der eine oder andere plötzlich vor einem leeren Terminkalender und weggefallenen Verpflichtungen. Veranstaltungen wurden abgesagt und für Leute im Homeoffice fiel der Arbeitsweg weg.

So manche hatten auf einmal viel mehr Zeit zur Verfügung. Die sozialen Medien wurden während dieser Zeit überschwemmt von Bildern neugefundener Steckenpferde. Haben sie den Motivationsschub und die guten Vorsätze vom ersten Lockdown überdauert? Oder sind sie geblieben, als was sie begonnen haben: ein temporärer Zeitvertreib.

Ilse Bommeli (64), Pensionärin, Romanshorn

Ilse Bommeli (64), Pensionärin, Romanshorn

Ilse Bommeli (64), Pensionärin, Romanshorn:
Ich begann im letzten Jahr, wieder mehr zu basteln, stricken und nähen. Mitten in der Coronazeit ging ich in Pension. So habe ich jetzt generell wieder mehr Zeit zur Verfügung. Bald werde ich mir auch wieder einen Hund anschaffen, worauf ich mich sehr freue. Ich bin durch Corona auch sozial engagiert. Zweimal in der Woche hüte ich die Kinder einer Bekannten von mir. Und mit meiner Mutter gehe ich wöchentlich jassen.

Anastasia Murschel (17), Dentalassistentin, Rorschacherberg

Anastasia Murschel (17), Dentalassistentin, Rorschacherberg

Anastasia Murschel (17), Dentalassistentin, Rorschacherberg:
Ich habe in der Coronazeit begonnen, mehr zu kochen und zu zeichnen. Gezeichnet habe ich bereits vorher hin und wieder, aber nicht so oft. Im Lockdown hatte ich dafür viel mehr Zeit. So wirklich gekocht hatte ich zuvor in der Oberstufe das letzte Mal. Für das konnte ich mir dank Corona ebenfalls Zeit nehmen. Beiden Hobbys gehe ich auch jetzt noch nach.

David Pfister (17), Informatiker, Gais

David Pfister (17), Informatiker, Gais

David Pfister (17), Informatiker, Gais:
Ich habe mir während des Lockdowns das Jonglieren beigebracht. Ich konnte es zuvor nicht und dachte, dass ich es eigentlich lernen könnte. Dazu habe ich Youtube-Videos geschaut. Nach den Lockerungen habe ich damit aber wieder aufgehört.

Maja Alur (32), Gesundheitswesen, St.Gallen

Maja Alur (32), Gesundheitswesen, St.Gallen

Maja Alur (32), Gesundheitswesen, St.Gallen:
Während des Lockdowns habe ich gearbeitet. Deshalb ergab sich bei mir auch keine zusätzliche freie Zeit. Beim zweiten Lockdown war ich dann im Mutterschaftsurlaub. Da habe ich begonnen, viel zu stricken. Gebacken habe ich auch wieder vermehrt. Als Ausgleich zum Stricken habe ich neuerdings begonnen zu häkeln. Das ist einmal etwas Neues und aktiviert den Kopf. Gelernt habe ich es durch Youtube-Videos.

Peldon Tsultrim (18), Studentin, St.Gallen

Peldon Tsultrim (18), Studentin, St.Gallen

Peldon Tsultrim (18), Studentin, St.Gallen:
Ich habe während des ersten Lockdowns gelernt, Klavier zu spielen. Ich wollte schon länger damit beginnen, und so konnte ich etwas Sinnvolles mit meiner Zeit anfangen. Zu Beginn übte ich bis zu fünf Stunden am Tag. Ich brauchte aber auch viel länger, bis ich ein Stück spielen konnte. Die Koordination der linken und rechten Hand fiel mir schwer. Mit der Zeit lernte ich immer schneller und habe so einige Lieder in mein Repertoire aufnehmen können. Auf Youtube fand ich viele Tutorials, mit denen ich die Stücke üben konnte. Ich habe vor, das Klavierspielen jetzt auch weiterzuverfolgen.

Lucca Fuchs (26), Student, St.Gallen

Lucca Fuchs (26), Student, St.Gallen

Lucca Fuchs (26), Student, St.Gallen:
Nach einer gewissen Zeit haben ich und meine Mitbewohner gefunden, dass man nicht den ganzen Tag rumsitzen und fernsehen kann. Wir haben dann wieder vermehrt begonnen, Gesellschaftsspiele zu spielen, und sind am Abend zusammengesessen, anstatt zum Beispiel in eine Bar zu gehen. Wir haben auch mehr und gesünder zusammen gekocht. Ein paar dieser Dinge werden wir hoffentlich auch beibehalten.

Valentina Carigiet (22), Studentin, St.Gallen

Valentina Carigiet (22), Studentin, St.Gallen

Valentina Carigiet (22), Studentin, St.Gallen:
Ich habe im Lockdown angefangen, Yoga zu machen. Ein bisschen hatte ich es schon zuvor gekannt. Ich habe es mit Youtube-Videos gelernt und mich von den Videos für Anfänger hinaufgearbeitet. Manchmal haben meine Mitbewohner auch mitgemacht. Als sich die Lage entspannt hat und der Lockdown zu Ende war, habe ich es wieder eher seltener gemacht.

Paul Balosan (22), Student, Altstätten

Paul Balosan (22), Student, Altstätten

Paul Balosan (22), Student, Altstätten:
Ich habe während der Coronazeit mit Home-Work-outs begonnen. Dazu habe ich mit Youtube-Videos trainiert. Der Inhalt war vor allem Hochintensitätstraining. Ich bin auch mehr joggen gegangen. Dazu habe ich mich mit einem gesunden Lebensstil auseinandergesetzt und mich mit gesunder Ernährung beschäftigt. Das geht für mich Hand in Hand. Momentan sind alle Fitnessstudios ja wieder geschlossen. Da werde ich diese Home-Work-outs auch beibehalten.

David Schmid (25), Student, Zürich

David Schmid (25), Student, Zürich

David Schmid (25), Student, Zürich:
Ich hatte während der Lockdowns schon etwas mehr Zeit. Da habe ich wieder begonnen, viel öfter die Zeitung zu lesen. Zusätzlich habe ich Home-Work-outs gemacht. Davon hauptsächlich Kraft- und Ausdauertrainings. In der Zeit dazwischen, als die Lage gelockert wurde, habe ich damit aber wieder aufgehört.